„Dass der
musikalische Zeitgeist sich in die Oper verirrt, ist eher die Ausnahme.
Wo anders als in der auf Nebengleise und Seitenpfade der Ton-Welt
abonnierten Neuköllner Oper durfte man hoffen, dass aus dem
derb-obszönen Sprechgesang des Rap flottes Musiktheater entstehen
könnte?
„Schichtwechsel“ heißt die von Rainer Killius
(Musik) und Kofi Yakpo (Texte) erdachte „RAPsodie“.
Sie spielt mit allem, was der Rap zu bieten hat und gibt dem von
der proletarischen Jugendkultur eher unbeleckten Hörer eine
kleine begriffliche Nachhilfestunde. (...) Die ganze szenische
Versuchsanordnung (Regie: Matthias Messmer) ist ein Flickenteppich
aus grandios intonierten A-Cappella-Gesängen und frech hingerotzten
Gedichten und erzählt Geschichten aus der Arbeitswelt. (...)
Die „RAPsodie für vier Mitarbeiter in zehn Abwicklungen“ umkreist
in immer neuen Anläufen Arbeits-, Macht- und Liebes-Verhältnisse.
Die nicht gerade stubenreinen Texte werden kraftvoll, selbstironisch
und rhythmisch mitreißend intoniert, schauspielerisch großartig
in Szene gesetzt. (...) Nach achtzig Minuten ist – leider – alles
schon vorbei, und der Wunsch verfestigt sich, dass die emotional
und musikalisch aufwühlende RAPologie nur ein Appetitanreger
sein sollte für eine große, klanglich und szenisch weiter
ausgreifende Zeitgeist-Oper. Bitte dran bleiben!
Märkische Allgemeine Zeitung
„Im kunterbunt multikulturellen
Stadtteil mit seinem enormen Anteil an ausländischen Jugendlichen
ist der Versuch, ein Stück auf der unterhaltsam politischen
Musik und den gebrochen-fragmentarischen Erzählweisen des
Rap aufzubauen, ein geschickter Schachzug, um ein neues Publikum
anzusprechen – und zu erreichen. (...)“
Kieler Nachrichten
„(...) Sich an ein so festgelegtes Genre zu wagen und daraus
etwas Neues zu entwickeln, ist Herausforderung und Risiko. Überdies
scheut sich „Schichtwechsel“ nicht vor gut beobachteter
Gesellschaftskritik. Das Experiment „Oper trifft Rap“ gelingt.
Gerade, weil es das „Youra mothafucka“ meidet. (...)“
3SAT Foyer-das Theatermagazin
„Das erste Rap-Musical findet natürlich da statt, wo
das Musiktheater in Berlin am lebendigsten, am vielseitigsten,
am frechsten und am kühnsten ist: in der Neuköllner Oper.
Von der Straße hoch unters Dach ins Studio haben sie den
Hiphop-Beat mit rhythmischen Sprachkaskaden geholt und knappe Schlaglichter
wie Polaroid-Aufnahmen zusammengefügt. Die Skizzen fügen
sich in 80 Minuten zum packenden Bild aus Alltag und Arbeitswelt.
„Schichtwechsel – eine RAPsodie für vier Mitarbeiter
in zehn Abwicklungen“ ist wie ein Kaleidoskop. Entwickelt
haben es zwei Freunde aus Heidelberger Jugendzeit. Kofi Yakpo (...)
zeichnet (...) unter dem Namen Linguist für die „Lyrics“ verantwortlich,
Matthias Messmer (mit dem Dramaturgen Benjamin Stein) für
das Szenario, Rainer Killius für die Musik und Messmer allein
für die zügig geordnete, tempogeladene Regie. Die wird
von Andrea Heil auch choreographisch temperamentvoll unterstützt.
So findet sich das fetzig Flotte auch auf der Bühne, die Beata
Hundertmark konzentriert und einfallsreich zum Laufsteg macht,
an dem das Publikum sitzt. (...) Der erste macht den Kaffee, der
letzte macht das Licht aus. Dazwischen macht man einander an oder
fertig, geht einander auf die Nerven oder an den Busen. Karneval
und Betriebsfest, Unterdrückung und Arroganz, Verlogenheit
und Unterwürfigkeit. Keine durchgehende Handlung, sondern
Momentaufnahmen, die sich zum Bilde fügen.
Gezeichnet wird das mit verdichteten Texten (...)
Daraus skizzieren vier Darsteller faszinierend Menschen mit genau
gesetzten Pointen und Akzenten. Der a-cappella-Rap, den Rainer
Killius einstudiert und um Milieu-Töne und Hintergrund-Geräusche
angereichert hat, wird souverän gehandhabt. Die Darsteller
sind in Jargon und Tempo, Hektik und Aggressivität, Körperlichkeit
und Musikalität unübertrefflich und werden heftig gefeiert:
Frank Ablorh-Odjidja, Marco A. Billep, Frederike Haas und Dominik
Schulz.“
Märkische Oderzeitung
„Es ist eine RAPsodie – eine „Rap-Oper“ über
erschreckende Situationen der jungen Generation, geprägt von
physischer Gewalt, sexuellen Bedrängungen, Drogenrausch und
verschärften „klassischen“ Alltags-Aggressionen.
Matthias Messmer inszeniert stilgerecht, versetzt die Darsteller
in einen pulsierenden Wechsel von Hektik, Unterwerfung, Tanz und
suspense.
Der langgestreckte Raum von Beata Hundertmark
gibt Raum für dramatische Konstellationen, kommerziert Aggressionen
pur.
Rainer Killius setzt Synthesizer und
Sampler mittels ausgetüftelter Tontechnik effektiv ein, sackt
nie in die Niederungen des Pop-Rap ab, vermittelt soziale Brutalität
in differenzierten Klang-Eruptionen und erzeugt Gefühle des
Bedrohtseins. Bedrohend die Linguist-Texte: verbale Attacken, aggressive
Behauptungen, emotionale Ausbrüche, hermetische Sentenzen – aber
niemals Versuche der Reflexion, kommunikativ-begründeter „Erklärung“,
ein hämmernder Ablauf unbegriffener Selbstverwirklichung.
Das Ensemble begeistert durch exzeptionelle
performance: Frank Abrorh-Odjidja, Marco A. Billep, Dominik Schulz
und Frederike Haas „leben“ diese Typen, geben sich
aus, sprechen, singen, rappen, tanzen, rennen, stürzen, schlagen – die
Kämpfe der West Side Story sind dagegen betuliche Operette.
Typisch für die Neuköllner Oper die
schrille Mischung des Publikums: die elaborierten „Kenner“ zwischen
den Stammgästen aus dem Kiez. Von allen donnernder Applaus
im akustisch dichten „Schlauch“ – bei einigen,
zumal älteren, Besuchern spürbares Entsetzen über
die Begegnung mit dem offengelegten Lebensgefühl einer „fremden“ Generation.“
www.opernnetz.de
„Schweißtreibende Kunst, großartig
anzusehen. Selbst die „Generation 50+“ war begeistert.“
B.Z.
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