Eine Schrumpfoper über – nichts. Los geht’s ganz hektisch: Großstadtfrauen laufen aufgescheucht durcheinander. Sie haben genug von der Stadt als riesiger Job- und Single-Börse, von der Enge, in der jede Brache kulturell zwischengenutzt wird. Die Pionierinnen preisen das Nichts und die Lücke als sterbenden Rohstoff und ziehen aufs Land. Dann gibt es eine Vollbremsung. Die Naturromantikerinnen trinken zum ersten Mal Kaffee im Sitzen und müssen merken, dass sie wohl doch nicht so der Landtyp sind. In Brandenburg gibt es keine Biomöhren und keine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 80. Niemand gibt einem Spatzen ein Stück von seinem Croissant ab, und das mit der Selbstfindung geht auch schief.
Die Bühne
Ein paar alte Sessel, eine Baracke, ein öffentliches Telefon. Im Hintergrund: Wände aus altem Baumaterial. Fliesen, Waschbecken, Holztüren, von denen die Farbe blättert. Sperrholzkisten werden mal zur Badewanne, mal zum Landhaus umfunktioniert. Auf einer Leinwand Bilder von Unkraut im Wind und verfallenden Plattenbauten.
Die Schauspieler
Die sechs Performerinnen vom Ensemble „leitundlause schmeißen sich mit viel Komik in die Rollen der Großstädterinnen, die enthusiastisch wie Jungpioniere die Natur besingen – oder der Maklerinnen, die in Kauderwelsch-Sprache ein Rundum-Sorglos-Paket für Brachen versprechen. Dazu spielt ein Blastrio die Titelmelodie von „Winnetou“.
Das Publikum
Viel Stammpublikum aus dem Kiez. Studenten, Männer mit Dreitagebart und Frauen mit Nerd-Brillen. Die Zuschauer lachen ausgiebig, es gibt sogar Szenenapplaus, und am Ende wird getrampelt.
Die Länge
Knapp zwei Stunden ohne Pause und keine Sekunde davon langweilig.
Das Urteil
Unbedingt reingehen! Auch wenn „Brachland“ manchmal von allem zu viel ist wie amerikanische Eiscreme – diese Oper macht viel Spaß. Das liegt auch an den oft sehr witzigen Dialogen von Bachmann-Preisträger Tilman Rammstedt. Erstaunlich, dass Stadtplanung und ländliche Entwicklung so unterhaltsam sein können.
RBB radioeins, \"Theatercheck\"
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