Die Neuköllner Inszenierung nach Ibsen und Grieg ist trotz der aberwitzigen Geschehnisse weder finster noch schrill. Die Musik von Hans Platzgumer drängt sich nicht in den Vordergrund. Während er den elektronischen Teil beisteuert, spielen Tobias Bartholmeß oder Markus Mittermeyer – die zusammen auch die musikalische Einstudierung besorgten – Klavier und Jonathan Weigle oder Johannes Dworatzek das Violoncello. Das Zusammenspiel gelingt so gut, dass Musik mit Gesang und Darstellung verschmelzen. Prägnant sind die Soli der Sänger inszeniert. Der Mut zur Kürze zahlt sich aus. Für Staunen sorgt die Idee, eine Komposition Edvard Griegs als Handy-Klingelton zu benutzen.
Natürlich, frisch und vielseitig sind Tobias Bieri als junger Peer und Christoph Reiche als alter Peer auf der Reise. Lea Schaaf gibt Solvejg und alle anderen Frauengestalten mit Bravour. Alle drei Solisten wissen sich auch tänzerisch sehr gut zu geben. In Bewegung ist auch die bewundernswerte Ausstattung von Andrea Nolte. Ins Schlafzimmer eingeladen, erleben die Zuschauer, wie in einem Mittelgang das Bett »durch die Welt« gleitet, während alle Protagonisten in Morgenmantel und Schlafrock agieren. Als Hintergrund schuf die Architektin und Bühnenbildnerin eine Art Schrank, aus dessen Türen sich steigen lässt und dessen Schubladen alles hergeben, was das Spiel an Utensilien braucht.
»Peer lügt!« ist ungewöhnlich und schön, wie man es von vielen Aufführungen der Neuköllner Oper sagen kann.
Neues Deutschland
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