„Das bin ich, wie ich sehr, sehr schnell und sehr, sehr schwanger tanze.“
Die von Kino, Fernsehen und Theater vielbeachtete Regisseurin, Schauspielerin und klassisch ausgebildete Musikerin Anke Retzlaff bahnt sich gemeinsam mit ihrem Team einen Weg durch das Dickicht der Publikumsstimmen. Das Thema? Die ursprünglichste aller Erfahrungen, die uns alle verbindet: die Geburt – der intensiv intimste und zugleich gesellschaftlich überwachteste Moment des Lebens.
Während Schwangerschaft und Geburt kaum persönlicher sein könnten, unterliegen sie einer Art gesellschaftlichen Dauerüberwachung und Grenzüberschreitung. Der – potenziell – schwangere Körper wird zur Projektionsfläche Dritter und die Person verschwindet hinter ihrer Schwangerschaft: ihr Körper wird zur Tanzfläche für die Gesellschaft. In BIRTH FACTORY mischen sich zu den Texten von Kathrin Liess persönliche Geschichten mit in die Musik: Stimmen des Publikums, die von Kinderwünschen, dem vergeblichen Versuch schwanger zu werden, Abgängen und Abbrüchen erzählen, von unterschiedlichsten Geburtserfahrungen, Ängsten und existenziellen Momenten an der Grenze zwischen Leben und Tod. Dazu wummert ein Bass wie ein Herzschlag.
Anke Retzlaff gibt mit ihrer Musikperformance Erlebnissen und Gefühlen einen Raum, der irgendwo zwischen Club und Gebärmutter funktioniert: „Die Erfahrungen, die Menschen auf dem Weg zu oder während einer Schwangerschaft und Geburt machen sind so intim und existenziell. Gleichzeitig sind viele dieser emotional und körperlich herausfordernden Prozesse tabuisiert, mit Scham, Angst, Wertung oder Ausgrenzung verbunden und geschehen im Verborgenen – was zu Vereinzelung und Leid führen kann. Ich wünsche mir eine angstfreie, diverse und zugleich viel umsichtigere Kultur des Austausches über dieses komplexe Thema und insbesondere auch über jene Erfahrungen, die oft ganz ungehört bleiben. BIRTH FACTORY ist für mich ein künstlerischer Gegenentwurf zu diesem Schweigen.“
An Gambe, Laute und Synthesizern stürzt sie sich mit Peter Florian Berndt und Dominik Tremel ins Getümmel. Come and be born!