Elfie

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Musiktheater von Wolfgang Böhmer und Martin G. Berger nach »Eine Mordgeschichte« von Tankred Dorst/Mitarbeit Ursula Ehler
Uraufführung 31. Januar 2019. Vorstellungen bis 3. März

Wie kann sie ihm das antun, dem Steinheuer? Wo der doch so eine gute Seele ist und als Lehrer eine Autorität. Ist doch Mutter und Ehefrau! Mit diesem Dechant, dem Musikkritiker soll sie was haben, in seiner Wohnung mit den blau verhängten Fenstern. Und mit dem Elektrogroßhändler, dem Griebel. Und die Hallwachs, die Frau vom Chirurgen, sagt…

Eine ganze Stadt spricht über Elfie. Nur: der ist das egal. Weil es eh nicht stimmt, weil es keiner versteht, weil es niemanden interessiert, was sie antreibt und was sie ersticken lässt an diesen Leuten und dieser Stadt. Wie schnell ist ein Urteil gefasst über eine, die sich nicht »an die Spielregeln hält«, die Nähe sucht, wo Abstand erwartet und Mittelmaß zur Norm wird. Wie schnell ist so jemand »durch«, ganz weit unten (oder gar tot)? Mit ihrem Eigenwillen, ihren Launen und Provokationen stellt die Lehrersgattin Elfie Steinheuer die Frage, wieviel Freiheit wir vertragen, als Einzelne und als Gesellschaft. Entstanden bereits in den 80er Jahren, zeichneten Tankred Dorst und Ursula Ehler ein eindrückliches Porträt der deutschen Mittelstandsgesellschaft und spielen auf Georg Büchners »Woyzeck« an – hier steht nun aber dessen Braut im Mittelpunkt. Wie so oft in Dorsts Werk hatte der Stoff verschiedene Ausformungen; eine Version kam als »Die Freude am Leben« 2001 zur Uraufführung, eine frühere Fassung war als Drehbuch geschrieben mit dem Titel »Eine Mordgeschichte«. Als dieses kam der Text zu uns. Bernhard Glocksin, künstlerischer Leiter der Neuköllner Oper und seit Jahren befreundet mit dem Autorenpaar, bekam es eines Tages lächelnd in die Hand gedrückt: »Magst du es lesen? Ich wusste gar nicht mehr, dass wir das mal geschrieben haben…« Und ob er das lesen wollte. Ein solcher Stoff mit diesen Figuren und Dialogen gehört auf die Bühne, besser noch ins Musiktheater. Und in die Hände eines Erfolgsteams, wie dem von Stella. Martin G. Berger richtete aus dem Drehbuch ein dichtes, auf acht Figuren fokussiertes Libretto ein, das Wolfgang Böhmer in eine facettenreiche, atmosphärische und bildhafte Musik übersetzte. Mit Elfie gedenken wir dem im Sommer 2018 gestorbenen Dramatiker, der uns so lange Freund, treuer Besucher und – ja sagen wir es ruhig: Fan – der Neuköllner Oper war.

Tankred Dorst/Ursula Ehler Welch’ ein Werk: fast 50 Stücke, Prosa, Drehbücher, Libretti (an der NO Yolimba, Musik: Killmayer), über Jahrzehnte eine der führenden Stimmen in der Deutschen Dramatik, in Deutschland und weltweit, inszeniert von den Großen des Fachs (Zadek, Chereau, Wilson u. v. a. m.). Sie erweiterten die genannten Genres vielfältig mit Prosa, Surrealem, Gedichten, Songs, inszenierten selbst – u. a. den Bayreuther Ring 2006–2010 – und waren als Autorenpaar immer auch Förderer und Lehrende für die Nachfolgenden. Martin G. Berger Regisseur der preisgekrönten Stella und gefragter Gast an vielen deutschen Bühnen, u. a. mit einer Nominierung für den Faust-Preis. Wolfgang Böhmer Für Nicht-Berliner*innen: einer der führenden und vielfältigsten Komponisten der Neuköllner Oper mit Erfolgen wie Das Wunder von Neukölln, Leben ohne Chris, dem »Besten Musical 2016« Stella. War zuvor schon einmal mit einem Dorst-Stoff befasst.

Komposition: Wolfgang Böhmer | Textfassung und Inszenierung: Martin G. Berger | Musikalische Leitung: Oliver Imig | Dramaturgie: Bernhard Glocksin | Ausstattung: Sarah Karl | Video: Roman Rehor
Mit: Jana Degebrodt, Regine Gebhardt, Clemens Gnad, Inka Löwendorf, Guido Kleineidam, Isabella Köpke, Victor Petitjean, David Schroeder