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Programmheft: Der zweite Kirschgarten

Drei Personen auch einer Bühne. Die erste, eine Frau mit goldenem Onesie, blickt verwegen ins Publikum, dahinter ein junger Mann der lacht und eine junge Frau, die beide filmt. Im Hintergrund Musiker*innen.
© Peter van Heesen

Der Kirschgarten soll verkauft werden! Also, der zweite Kirschgarten, hier und jetzt im Deutschland 2025. Da ist es gut, wenn sich die ganze Familie noch einmal trifft, hängen an ihm doch so viele Erinnerungen. Aber auch an dem ersten, denn der stand in Namibia, gepflanzt vom Urgroßvater, der als Kolonialist nicht auf seine Schwarzwälder Kirschtorte verzichten wollte. Varja ist 37 Jahre alt und hat das nicht mehr miterlebt, selbst ihre Adoptivmutter Andrea weiß es nur noch aus Erzählungen. Und ihre Adoptivschwester Anja möchte mit dieser Geschichte schon gar nichts mehr am Hut haben, sondern zielt mit ihren zwanzig Jahren vor allem auf eine ausgeglichene Work/Life-Balance. Dabei gäbe es wirklich Wichtigeres zu tun – etwa die Rettung des maroden Familienunternehmens, die ganz auf den Schultern Varjas lastet. Als dann noch Onkel Gerald, Andreas Untermieter Trofimov und Varjas Pflegeschwester Lolo dazu stoßen, ist der Tisch bereitet für ein emotional aufgeladenes Familientreffen…

Interview

„Schuld macht schlauer“

Eine junge Schauspielerin sitzt auf einer treppenartigen Bühne mit hohen Stufen, die mit grünem Filz ausgelegt ist. Nachdenklich ist sie ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte.

Mit Komponist Wolfgang Böhmer, Librettist Martin G Berger und Regisseurin Alexandra Liedtke. Das Interview führte Dennis Depta, Dramaturg an der Neuköllner Oper, eine Woche vor der Premiere auf der Karl-Marx-Straße.

Dennis Depta
Was überrascht euch gerade am ZWEITEN KIRSCHGARTEN?

Alexandra Liedtke
Wir sind jetzt genau an der Grenze, an der die Umsetzung von der Probebühne auf die Bühne passiert. Das ist tatsächlich sehr fordernd, weil wir in die dreifache Größe gehen, eine andere Haltung brauchen beim Sprechen, beim Singen. Heute war ein ganz wichtiger Tag, da zum ersten Mal das Orchester dazugekommen ist – was wahnsinnig schön ist bei einer Uraufführung, weil du wirklich zum ersten Mal das Zusammenspiel hörst.

Wolfgang Böhmer
Ich bin total glücklich, weil überraschenderweise etwas rausgekommen ist, das ich so noch nie geschrieben habe: Eine neue Mischung von Musik, wo man eben nicht sofort hört: „Ah, das ist ein Musical.“ Es bewegt sich zwischen den Welten, unter der Klammer Musiktheater. Da sind so viele Dinge, Genres enthalten, versteckt, die irgendwie sehr europäisch und trotzdem Musical sind. Da ist sehr viel Gefühl drin, aber auch eine ganz gehörige Portion Distanz.

Depta
Wie komponierst du Distanz?

Böhmer
Ein bisschen Intelligenz in der Musik schafft Distanz. Emotion kann natürlich geradeaus musikalisch mit der Tür ins Haus fallen – dann ist sie plakativ und wird abgenommen, alle fühlen sich wohl. Aber hier ist, immer ein schräger Ton dabei, eine merkwürdige Instrumentation, sodass die Gefühle nicht „schwitzen“.

Liedtke
Emotionen und Humor gehen zusammen.

Martin G. Berger
Das betrifft ja auch die Bubble, in der das Stück spielt: Das sind alles Menschen, die ein Selbstbewusstsein haben, im Sinne von einem Bewusstsein für sich selbst, reflektierte Leute, die sich sehr klug und gewählt ausdrücken können – aber ihre Eigenanalyse ist meistens falsch oder benennt nicht das Problem. Und daraus entsteht der Humor. Identitätspolitisch ist das übrigens auch korrekt: Weil ich aus einer Bubble heraus schreibe, die ich kenne, über Menschen, wie ich selbst einer bin. Ich fühle mich in dieser Geschichte zuhause – also nicht in nicht in jedem Aspekt der Geschichte, aber so, dass es auch eine Selbstausstellung beinhaltet. Und ich glaube, das macht Tschechow auch witzig: dass eine Figur selbst nicht erkennt, was ihr Problem ist. Darin liegt gleichermaßen Humor wie Tragik, Menschen dabei zu beobachten, wie sie trotz aller intellektuellen Bemühungen schlussendlich nicht an den Kern ihrer selbst gelangen.

Böhmer
Die Gestalten gehen auf ganz, ganz dünnem Eis, doch sie wissen es nicht. Aber wir wissen es. Damit spielt auch die Musik. Sie ist oft schlauer als die Figur.

Depta
Alexandra, du hast es angedeutet: Wir haben letzte Woche noch auf der begrenzten Probebühne unterm Dach gearbeitet und waren sehr nah dran an diesen dreifachen Böden der Figuren. Du selbst inszenierst mit einem großen Interesse an den Menschen und dem Zwischenmenschlichen. Wie willst du jetzt mit dem Spagat zwischen der inneren Welt der Figuren und dem Show-Aspekt des Musicals umgehen?

Liedtke
Wir sind von Anfang an damit umgegangen, ganz einfach durch die Menschen, die an diesem Projekt mitarbeiten. Wir konnten gemeinsam speziell für dieses Stück Darstellende suchen. Dann haben wir im ersten Probenprozess versucht, das Stück zu verstehen: Wie will ich mit meiner Figur eigentlich erzählen? Was sind die Probleme, die diese artikuliert oder nicht artikuliert, die dahinterstecken? Aber letztendlich bleibt es natürlich ein Ensemble-Abend. Und genau das ist auch die Übertragung ins Große und die Übertragung ins Musical. Dialoge und Musiknummern machen jeweils andere Möglichkeiten auf. In den Dialogen zeige ich mich immer der Öffentlichkeit, der Familie, der Spielpartner*in – ich verstecke mich hinter gewissen Dingen, ich gebe Traumata oder Verletzungen nicht zu. Und in der Musik ist das alles eben möglich. Das eröffnet mir tatsächlich eine andere Ebene, die dann auch Joke, Show-Ebene, Präsentation wird.

Berger
Das Tolle an Unterhaltungstheater ist, dass es eine Unterhaltung ist, dass du in die Unterhaltung mit den anderen gehst. Show heißt für mich vor allem, dass ein Interesse vorherrscht, das Publikum aktiv in die Gedanken und die Gefühle einzubinden und auch dessen Meinungen zu wollen. Es muss ja nicht immer der Effekt sein: wir wollen, dass alle Standing Ovations geben und uns ihr Geld hinterherschmeißen. Es kann ja auch sein, dass man möchte, dass alle sich erschrecken und schreiend rausrennen. Wenn dann alle aber bleiben und Standing Ovations geben, hat man es auch falsch gemacht.

Depta
Was wäre die Wirkungsabsicht vom zweiten Kirschgarten? In der Vorweihnachtszeit, hier in Neukölln.

Berger
Toll wäre, wenn man sich in einer der Figuren erkennt. Und dass man emotional und intellektuell Familienthemen bewältigen kann – also, wie man miteinander und mit den kollektiven Abgründen umgeht, die Familien immer haben, wie man einander verzeiht.

Böhmer
Das Programm der Neuköllner Oper ist, intelligentes Volkstheater mit Musik zu machen. Musiktheater, welches die Leute treffen und berühren soll, wo auch eine Art Überforderung stattfindet – ästhetisch, musikalisch. Dafür ist die Neuköllner Oper da.

Depta
Alexandra, du inszenierst nicht das erste Mal einen Kirschgarten. Erst letztes Jahr hast du Tschechow für das Salzburger Landestheater auf die Bühne gebracht. Bietet es Vorteile, jetzt den ZWEITEN KIRSCHGARTEN von Wolfgang und Martin zu inszenieren? Findest du dich in den Gärten noch zurecht?

Liedtke
Nur Vorteile! (lacht) Ich habe sehr schöne Erinnerungen an den Abgleich zwischen Martin und mir am Albertina Würstelstand. Einer von uns sagte: „Oh, echt, das siehst du in der Szene?“ Der andere: „Ach so, nee, nee, das hab ich ja gar nicht gesehen.“ Wir haben ein und dasselbe Stück gelesen und unterschiedlich interpretiert. Das, glaube ich, macht den Tschechow unbeschreiblich reich. Er funktioniert bis heute und lässt Deutungsmöglichkeiten zu.

Depta
Martin, wie kam es zu der Idee, den Kirschgarten-Stoff als Ausgang für etwas ganz Neues zu nehmen und nicht zu sagen: Hey, ich destilliere aus dem Original-Kirschgarten einfach ein Musical?

Berger
Ich finde schon lange, dass das Musical durch seine Konkretheit in der Sprache ein unglaublich guter Absprung-Punkt ist, um auch sehr inhaltliche Stücke zu machen, die viele Gedanken und Komplexitäten verhandeln. Diese Möglichkeit war mir gerade beim letzten Sondheim-Stück Follies, das posthum erschienen ist und super radikal in der Frage, wie Text und Musik miteinander verschmelzen, noch mal klar geworden. Das ist für mich auch in meiner Arbeit als Opernregisseur ein Thema. Ich habe neulich wieder Lohengrin gesehen und gedacht: „Wie geil wäre es eigentlich, Lohengrin eben mit Musical-Leuten und auf verständlich getrimmt zu machen?“ Man kann diese Stoffe abklopfen. Und dann habe ich angefangen, am KIRSCHGARTEN zu schreiben und relativ schnell gedacht: sich in Konkurrenz zu stellen zu Tschechow, ist ein Battle, das ich nicht gewinnen kann. Deshalb nehmen wir die Weltliteratur als Absprung für unser eigenes Ding und wenn irgendwer dann sagt, das sei auch Weltliteratur, freue ich mich, aber wenn nicht, ist das auch nicht schlimm.

Böhmer
Das Gute für mich daran ist die Befreiung vom Historismus, sodass ich nicht in die Versuchung komme, jetzt Spätromantik zu machen, sondern heutiges Deutschland. Und trotzdem schwingt der ganze Resonanzraum Tschechow und Dekadenz mit.

Depta
Russland, Deutschland, Amerika – das alles höre ich aus der Komposition raus, oder?

Böhmer
Nein, hörst du nicht! Also dieser ganze Resonanzraum, der schwingt mit und bietet die Möglichkeit, Musik zu machen, die einen Gestus hat, die das Musical sonst selten kriegt. Für mich ist der schwerste Moment, den Grund-Gestus des Stückes herauszubekommen.

Depta
Aber wie kann ich mir das konkret vorstellen, diesen Moment? Was machst du dann, setzt du dich ans Notenpapier?

Böhmer
Ich setze mich an den Text und probiere herum. Vom ersten Garten, dem Eröffnungsstück, habe ich acht Fassungen oder so. Die waren alle nichts. Und dann habe ich irgendwann ein bisschen Minimal ausprobiert – und das war dann ein Gestus, der möglich war.

Depta
Wie ist es für dich, wenn du deine Kompositionen erstmals im Raum hörst? Ist es immer genauso, wie du es dir vorgestellt hast?

Böhmer
Normalerweise wird es besser, wenn die Musiker*innen spielen, weil der Human Factor dazu kommt: der ganze Kick und die Energie und die Ideen, die sie mitbringen. Aber im Grundsätzlichen klingt es genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Das ist dann eher eine Sache der Verhältnisse, wie etwas zueinander steht auf der Bühne. Wie ist da die Mischung? Müssen wir jetzt alles unwahrscheinlich verstärken? Oder, wo wir so schöne akustische Instrumente haben, ist es eigentlich eine Art Salon, der eine akustische Aufführung mit den Spielenden zulässt, die durchlässig ist? Die Entscheidung, mit welcher Besetzung ich da Musik mache, ist für solche Fragen grundlegend.

Depta
Zur Übertragung vom zentralrussischen Kirschgarten 1903 ins Deutschland 2025: zentral in dem neuen Musical ist die Schuldfrage, welche durch die Neugründung der AFD-Jugendorganisation Generation Deutschland letzte Woche schon wieder eine Aktualisierung erfahren hat. Wie verhandelt ihr den Umgang mit der deutschen Schuld?

Liedtke
Für mich war es eine interessante Begegnung, weil ich mich oft mit der deutschen Schuld beschäftigt habe, also auch mit den Folgen des Ersten und Zweiten Weltkriegs: Was ist die Grundschuld der Generation, in die ich hineingeboren wurde, und unserer Eltern. Und dabei habe ich ausgeblendet, was Deutschlands Anteil an der europäischen Kolonialschuld ist. Das ist ein Thema, das mir sehr weit weg war. Durch die Arbeit am zweiten Kirschgarten ist es bei mir in den Fokus gerückt. Es hält den Abend zusammen, auch mit der Entscheidung, dass Luise „Lolo“ Lopachin mit Tina Ajala besetzt ist. Die Schuld wird im Stück aber auf unterschiedlichen Ebenen verhandelt. Auch der Tod eines Kindes ist für jede einzelne Figur im ZWEITEN KIRSCHGARTEN ein Thema von Schuld, dem Umgang damit, Trauerverarbeitung, Versagen. Schuld und Verantwortung gehört im Kleinen, Persönlichen und im übertragenen Sinne auf die Gesellschaft immer zusammen.

Böhmer
Das Tolle an dem Stück ist, dass es über die Schuld weit hinausgeht und dann so eine Art Ironie der Geschichte abliefert, wo der Humor ins Spiel kommt: Dass eine Enkelin oder Urenkelin der ehemaligen Leibeigenen den Laden übernimmt. Und das passiert uns ja gesamtgesellschaftlich auch. Wir sprechen immer noch vom historischen Schuldbewusstsein und hängen voll im Mustopf, dabei wird uns hier der Laden sowieso einfach aus der Hand genommen.

Berger
Ich habe die Haltung, dass mit einer gewissen Schuld zu starten im Feld Faschismus ein Vorteil ist. Schuld im Sinne eines Schuldbewusstseins und eben nicht, wie das jetzt umgedreht wird, als sogenannten „Schuldkult“: Auch wenn man nicht die persönliche Schuld trägt, erkennt man, wie viel Schuld Menschen in der Lage sind, auf sich zu nehmen und kann daraus lernen. Ich verstehe Schuld nicht als persönlichen Angriff, sondern als Warnung. Und diese muss so formuliert werden, dass man tatsächlich real in Aktionen gerät – oder eben nicht. Dass man gleichzeitig aber auch nicht komplett in der Vergangenheit stecken bleibt und darüber diskutiert, ob diese Vergangenheit vielleicht doch nicht schuldbehaftet war, sondern eigentlich schön oder wie auch immer. Das ist kompliziert und ich glaube, das ist das, was diese Figuren gesellschaftlich erleben oder was wir auch gesellschaftlich erleben als Deutsche. Immer wieder bleiben wir in dieser Rückwärtsgewandtheit stecken – in jeder Hinsicht. Und das, was Alexandra sagt, mit dem Kind, das ist diese kleine Schuld: Die Zukunft ist tot, ganz banal. Das Wesen, das etwas verändern könnte, ist weg.

Liedtke
Und dieses Kind ist ja aus eigener Entscheidung aus dem Leben gegangen. Also für mich ist das eine schlimme Vorstellung: „Ich war hilflos, als diese Menschen um mich herum waren“.

Berger
Das Kind ist eine sehr vielschichtige Metapher – aber für die Figuren ganz persönlich ein geliebter Mensch, der weg ist. Das hat dann gar nichts mit Philosophie zu tun. Ich habe versucht, mich zu zwingen, so wenig wie möglich dramaturgisch zu schreiben, sondern rein psychologisch und dabei das Setting von Tschechow zu übernehmen, was in sich schon so gut gebaut ist. Ich habe versucht, aus den Figuren heraus zu denken und nicht aus dem Überbau. Und hoffentlich entsteht der Überbau, während man den Figuren zuschaut, die aber eben ganz real miteinander etwas verhandeln: Für die ist es nicht die gestorbene Zukunft, für die ist es einfach nur ihr totes Kind. Das ist schon traurig genug.

Böhmer
Ich sehe Schuld in dem Sinne ja auch als Kapital. Schuld macht einen schlauer. Da fällt man dann auf so eine Scheiße, die jetzt überall passiert – Frontstellungen und einfache Lösungen – einfach nicht mehr rein. Es gibt keine klaren Standpunkte, es gibt unheimlich komplizierte Grauzonen.

Textauszug

„Schuld und Sühne“

© Peter van Heesen

Aus DER ZWEITE KIRSCHGARTEN von Martin G. Berger


Andrea
ICH BIN DIE ENKELIN DER GRÖSSTEN SCHULD
UND IST ES MEINE?
NEIN
NUR IST ES KEINE?
AUCH NICHT

ICH BIN EMPFÄNGERIN VON GRÖSSTEM SCHMERZ’
SCHULD HATT’ ICH KEINE
JA
DOCH FÜHL’ ICH EINE?
KLAR DOCH!

WIR SIND WER WIR SIND
DURCH GEERBTES,
ERLEBTES
GELERNTES
ERSTREBTES
DURCH SCHULD
UND DURCH SÜHNE

ICH BIN, WAS ICH BIN
DURCH SCHULD,
DIE ERLEBT IST,
ERERBT IST,
ERSTREBT IST
NICHT ECHT
UND DOCH SÜHNE ICH SIE
EWIG!

DER DUFT DER KIRSCHBLÜTEN AFRIKAS
WAR GROSSVATERS THEMA ZUHAUS
DIE LUFT, DAS BRÜTEN UND DAS WÜSTENGRAS
DAS WOLLT ER BEHÜTEN, ALS ER DA SASS
DEN REST FAND ICH SPÄTER ERST HERAUS…

UND SAH, WAS ICH ERBE: EIN RIESENPAKET
UND DACHTE: DA MACH’ ICH WAS DRAUS
‘S WAR KLAR, ICH FÄRBE GANZ NEU, WAS DA STEHT
SCHLAG NICHT IN DIE KERBE, GUCKE, WAS GEHT
TREIB DEM GARTEN DIE SCHRECKLICHKEIT AUS

DOCH WIR SIND WER WIR SIND
DURCH GEERBTES,
ERLEBTES
GELERNTES
ERSTREBTES
DURCH SCHULD
UND DURCH SÜHNE

ICH BIN, WAS ICH BIN
DURCH SCHULD,
DIE ERLEBT IST,
ERERBT IST,
ERSTREBT IST
NICHT ECHT
UND DOCH SÜHNE ICH SIE
EWIG!

ICH TAT, UND ICH MACHTE, WAS ICH KANN
NAHM KINDER UND KREDITE AUF
WIE ZART ES LACHTE IM GARTEN! DOCH DANN,
ALS ALLES ZERKRACHTE UND ALLES ZERRANN,

DA KAM ICH DANN LANGSAM DARAUF:
DIE WELT KORRIGIEREN, DA IST LEIDER NICHT
DER GLAUBE ANS GUTE GENUG
MAN HÄLT AKZEPTIEREN FÜR DEINE PFLICHT
UND GELD INVESTIEREN
STATT SICH EMANZIPIEREN
ODER KINDER ADOPTIEREN
ODER FREMDE INTEGRIEREN
MENSCHEN SENSIBILISIEREN
GÄRTEN NEU DEFINIEREN UND…

AAAAAHHHHH!

Trofimow
Aber dann sei doch froh, wenn dieser Kirschgarten weg ist. Wenn er abbrennt.

Andrea
Es wäre der zweite Kirschgarten, der weg ist. Und er gehört nun mal zu meinen Urgroßeltern und ihren Kolonialverbrechen, zu uns, zu unserer Familie…

Trofimow
Das ist so deutsch, dass du denkst, Schuld vergeht durch Sühne! Aber wenn man was erhält, erhält man immer alles, was dranhängt, was drinsteckt. Disruption, Andrea. Das ist das Stichwort. Nach vorne! Neu starten! Du weißt doch:

VORBEI IST NICHT VORBEI
DIESEN GARTEN MUSS MAN BÜSSEN
SEI DOCH DA NICHT MEHR DABEI
SCHMEISS DEN SCHLÜSSEL WEG, SEI FREI!
STEH AUF DEINEN EIG’NEN FÜSSEN
UND DANN GEH UND SEI NICHT ZWEIHUNDERT JAHRE HINTERHER

Andrea
HEY
TROFIMOV!
HÖR MAL HER…

ICH BIN DIE ENKELIN DER GRÖSSTEN SCHULD
UND IST ES MEINE?
NEIN
DOCH IST ES KEINE?
AUCH NICHT!

ICH BIN EMPFÄNGERIN DES GRÖSSTEN SCHMERZ’
SCHULD HATT’ ICH KEINE
JA
DOCH FÜHL’ ICH EINE?
KLAR DOCH!

ICH FIND’S EIN MUSS, DASS MAN DAS SPÜRT
DIESES BEWUSSTSEIN NIE VERLIERT
NICHT DIE GESCHICHTE IGNORIERT
ZUM SCHLUSS NUR NEUES LEID GERIERT
ICH HOFF’, IHR WERDET NOCH KAPIER’N,
DASS SCHULD EUCH SCHÜTZT STATT ZU VERFÜHR’N,
UND SÜHNE HILFT ZU AKZEPTIER’N:
WIR MÜSSEN’S IMMER NEU PROBIER’N

DOCH WIR SIND WER WIR SIND
DURCH GEERBTES,
ERLEBTES
GELERNTES
ERSTREBTES
DURCH SCHULD
UND DURCH SÜHNE

ICH BIN, WAS ICH BIN
DURCH SCHULD,
DIE ERLEBT IST,
ERERBT IST,
ERSTREBT IST
NICHT ECHT
UND DOCH SÜHNE ICH SIE

EWIG!

UND GERNE!

UND DU, DU SEI ES AUCH!

Trofimow
Ich muss sagen, dass ich Deine Konsequenz bewundere, Andrea. Das muss ich wirklich sagen. Aber das war’s auch schon.

Hintergründe

SO BESCHISSEN SCHÖN…“

© Peter van Heesen

Texte von Dennis Depta, Dramaturg an der Neuköllner Oper und von DER ZWEITE KIRSCHGARTEN

In uns steckt die Sauerei

Der zweite Kirschgarten ist mehr als eine Immobilie unweit einer westdeutschen Großstadt. Es ist ein Ort, der „schon Schlimmes gesehen [hat]“, wie Untermieter Sebastian Trofimov im Musical zu berichten weiß. Jetzt muss dieser Garten samt Haus versteigert werden. Die Kirschen sind fast alle „zerwurmt“, die Hütte „runtergerockt“.

Wie im Dramen-Original bei Tschechow (Russland, 1903) wird auch im Kirschgarten-Musical die Mär von der guten alten Zeit ordentlich zerlegt – hier und jetzt in Germany 2025. Darauf verweist auch die Zahl 2 im Titel. Denn: Ein früherer Garten (der erste!) dieser Sippe um die Familien-Unternehmerin Andrea Ransberger wurde nach Namibia verpflanzt. Zu der Zeit, als Deutschland im südwestafrikanischen Staat einen Völkermord an den Herero und Nama und viele weitere üble Kolonialverbrechen verübte. „Kirschbäume in Namibia – das macht keinen Sinn“, gibt der musikalische Leiter der Produktion Magnus Loddgard vom Klavier aus zu bedenken. Er ist Hobby-Botaniker. Nein, macht es nicht, in vielerlei Hinsicht! Aber die Vorfahren von Andrea wollten im beginnenden 20. Jahrhundert nicht auf ihre Schwarzwälder Kirschtorte verzichten. Sie pflanzten sich ein Stück Heimat in die Kolonie. Klimatisch ist das Wachstum einer mitteleuropäischen Kirsche in Namibia nicht belegt und schwer vorstellbar. Scheinbar hatte der Großvater aber so pervers gute Erinnerungen an seine Zeit mit den Kirschbäumen in „Deutsch Süd-West“, dass er diese wieder rückverschiffte und in die braune deutsche Erde grub.

Großmachtstreben, Rassismus, Mord und Sklaverei: So richtig will keine Garten-Idylle mit diesen Kirschen aufkommen. Ein Erdbeben liegt unter allem. Die Familie, die hier nach fünf Jahren wieder zusammenkommt, hat längst vom Baum der Erkenntnis gegessen. Nicht mal die Bäume selbst stehen mehr im Bühnenbild von Philip Rubner in Alexandra Liedtkes Inszenierung. Alles ist aber gut konserviert und eingelegt, ein Mahnmal. „Ich bin die Enkelin der größten Schuld“ und „Ich bin, was ich bin, durch Schuld und durch Sühne“, singt Andrea Ransberger im Lied SCHULD UND SÜHNE – und verortet sich im Zentrum dieses Gartens. Ganz German Angst.

Oder Schuld als Chance? Obwohl Andrea hier tatsächlich einstmals alle gleich behandelt haben soll, wie Nachbarstochter und Ziehkind Louise „Lolo“ Lopachin eingesteht, hat auch die liberale Andrea ihre blinden Flecken. Lolo Lopachin, die hier nicht mehr Leibeigene wie bei Tschechow, sondern Unternehmerin mit Weitblick ist, wird, wenn sie den Garten ersteigert, plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen. Dabei hat sie der bankrotten Familie mit dem Aufkauf einen doppelten Gefallen getan. Sie bringt ihnen Erlösung von der „kolonialen Schande“ und Geld gegen Besitz. Die Familie versteht diesen gnadenvollen Akt (noch) nicht. Deshalb wenden sich alle ab, grenzen Lolo als Hochverräterin aus.

Das ändert nichts daran, dass sie im dritten und letzten Akt endgültig aus dem vermeintlichen Paradies ausgetrieben werden. Lolos Abfackeln des Schandflecks in der letzten Szene ist Empowerment und Befreiung zugleich: „Und heute wird es passieren. Und dann ist es vorbei. Nicht für immer. Nicht überall. Aber hier.“

Diese Familie braucht dringend ‘ne Therapie

Neben der kollektiven Schuld bestimmt die persönliche den Raum. Fünf Jahre nach dem Suizid des jüngsten Kindes kommt die Familie an einem Montag im April erstmals wieder zusammen. In genau dem Haus, in dem Maxi sich erhängte. Sein Zimmer bleibt verschlossen. Es liegt ein Grollen und Donnern unter allem, das diese Figuren nicht aufzulösen vermögen. Sie wenden sich einander immer wieder zu, werben darum, geliebt oder einfach nur verstanden zu werden, wollen diese großen Themen und Vorwürfe, die seit Jahren im Raum stehen, sofort lösen. In manchen Momenten sind die Türen ganz kurz auf, doch sie fallen abrupt wieder zu. Andrea, Varja, Anja, Gerald, Trofimov und Lopachin: Alle sind extrem einsam. Die klaustrophobische Enge der blattgrünen Wohnlandschaft verstärkt die Einsamkeit bizarrerweise noch. Alle Rufe nach Nähe hallen ins Nirvana. Die Figuren verpassen sich ständig. Das Unausgesprochene bleibt unausgesprochen. Die gute Laune Behauptung. Wie bei Tschechow befindet sich diese tragikomische Gesellschaft im Übergang.

Dass das 21. Jahrhundert dabei das Jahrhundert des Neo-Feudalismus werden könnte, klingt auch in der Nummer „Nach vorne zurück“ im 3. Akt an. Die Boomer mit dem alten  Geld a.k.a. der Verband der Familienunternehmer kuschelt ja nicht erst seit ein paar Wochen mit der AFD. In dieser Geschichte sind es stellvertretend Bruder Gerald und Trofimov. Der Langzeitstudent avanciert dabei zum echten Querfrontler, der nicht mehr  zwischen rechts und links zu unterscheiden vermag. Anja Ransberger als Vertreterin der Generation Z wiederum lässt alles ganz langsam angehen. Was soll sie auch tun? Sich anstrengen und an das Leistungsversprechen der Marktwirtschaft glauben, das nicht mehr greift oder vielleicht noch nie gegriffen hat? Oder an den Generationenvertrag? „[S]eit den Zeiten der Aufklärung und der industriellen Revolution hat kaum eine Generation ihren Kindern und Enkelkindern so viele Chancen auf ein gutes und selbstbestimmtes Leben geraubt wie die Babyboomer heute“, schreibt DWI-Chef Marcel Fratzscher in seinem neuen Buch Nach uns die Zukunft!. Der Bruch vollzieht sich innerhalb der Familie, innerhalb der deutschen Gesellschaft und zwischen den Generationen.

Pressestimmen

© Peter van Heesen

„Fragen nach Erbe, Schuld und Besitz werden in diesem KIRSCHGARTEN auf ironische Weise zugespitzt. Ein amüsanter und zugleich tiefgründiger Abend.“

Arte, Die Last des Erbens, 17.12.2025

„Eine Komposition mal jazzig, chansonartig, schillernd, komplex, dicht verwoben mit dem Text voll Poesie und Witz.“

rbb Inforadio, Neuköllner Oper zeigt Tschechow-Stück, 17.12.2025

„Jazz und Swing wehen durch die Partitur von Wolfgang Böhmer. In manchen Songs klingen die stets sofort wieder gen Harmonie strebenden Dissonanzen nach einem frühen Großstadtfilm. Dann wieder meint man als nicht aufs Musiktheater spezialisierte Autorin Anklänge an die Tanzmusik der 1920er oder die Musikfilme der 1960er zu hören. Wunderbar weich und abgerundet ist der Sound, den die musikalischen Leiter Magnus Loddgard und Julius Windisch mit ihren Kolleg*innen kreiert haben.“

nachtkritik.de, Gut Kirschen essen, 19.12.2025

„Wie genau das Tschechows „Kirschgarten“ nachgebildet ist, muss das gut gemischte, recht junge Publikum gar nicht wissen. Die Szenen sprechen aktuelle Themen unserer Gesellschaft in derart pointierten Dialogen an, dass man sich einfach selbsterkennend amüsieren kann. Tschechow selbst hielt sein Drama für eine Komödie und wünschte sich mehr Leichtigkeit für ihre Darstellung. Also ist es auch legitim, aus dem Stück ein fetziges Musical zu machen – und es funktioniert! “

neue musikzeitung, Freiheit statt Ausbeutung, 27.12.2025

„Alexandra Liedtke hat schon bei „Daddy Unplugged“ gezeigt, wie man schwere Themen leicht über die Bühne bringt. Eben mit reichlich Ironie. Es gelingt ihr auch jetzt wieder, unterstützt von Paul Blackmans Choreografie, erhalten Generationenkonflikt und Kapitalismuskritik dann doch eine Menge Unterhaltungswert.“

Berliner Morgenpost,  Schuld und Sühne beim Familientreffen, 21.12.2025

„Ausstatter Philip Rubner setzt die Familienaufstellung in den arenaartigen Rahmen einer grün ausgeschlagenen Stufenlandschaft. Dort findet auch das sechsköpfiger Orchester seinen Platz. Sparsames Licht, Gläser mit roten Kirschen, Bonsai-Kirschbäume in einer fahrbaren Vitrine und ein paar grüne Kisten, die Bäume symbolisieren und den Schauspielern als Anspielkameraden dienen, bieten einen konzentriert-atmosphärischen Rahmen. Low-Budget-Ausstattung at its best.“

Der Tagesspiegel, Bittere Früchte von Deutsch-Südwest, 19.12.2025

Beteiligte

Eine Schauspielerin hebt begeistert die Arme. Dahinter schmunzeln sich eine junge Schauspielerin und ein junger Schauspieler belustigt zu. Zwischen den beiden steht eine Vitrine, darin ein Miniatur-Kirschbaum-Bonsai.
© Peter van Heesen

REGIE Alexandra Liedtke REGIEASSISTENZ / PRODUKTIONSLEITUNG Cara Freitag HOSPITANZ REGIE Florentine Beyer DRAMATURGIE Dennis Depta AUSSTATTUNG Philip Rubner MUSIKALISCHE LEITUNG  Magnus Loddgard, Julius Windisch MUSIKALISCHE ASSISTENZ Julius Windisch CHOREOGRAPHIE Paul Blackman

 MIT Tina Ajala, Samuel Franco, Laura Goblirsch, Julia Klotz / Claudia Renner, Vasiliki Roussi / Franziska Junge und Markus Schöttl sowie den Musiker*innen Paul Brody / Nikolaus Neuser, Valentin Butt / Sanja Mlinaric, Rebecca Lawrence / Rosie Salvucci, Magnus Loddgard / Julius Windisch, Abigail Sanders und Christian Vogel

TECHNISCHE PRODUKTIONSLEITUNG Kim Titzmann TON Ronald Dávila Dávila LICHT Friedrich Schmidt ABENDTECHNIK TON Sören Schwedler, Sebastian Vivas, Klim Losovsky, Ronald Dávila Dávila, Michael Tuttle, Stefan van Burg ABENDTECHNIK LICHT Ralf Arndt, Moritz Meyer, Jens Tuch BÜHNENBAU Gregor von Glinski, Marc Schulze, Rui Wegener, Ralf Mauelshagen, Pet Bartl-Zuba, Anne Wundrak, Zora Hünermann VIDEOTECHNIK Friedrich Schmidt, Torsten Litschko KOSTÜMABTEILUNG Christina Kämper (Leitung), Kathy Tomkins MASKE Anne-Claire Meyer AUSSTATTUNGSASSISTENZ Valeriia Osina HOSPITANZ CHOREOGRAPHIE Johannes Gudbrandsen ABENDSPIELLEITUNG Sophie Reavley, Regina Triebel ABENDSERVICE LTG Vanda Hehr

Biografien

Wolfgang Böhmer | Musik

Wolfgang Böhmer © Jordana Schramm

Seit 1983 arbeitet Wolfgang Böhmer im Musiktheaterbereich und löst die Grenzen zwischen Sprechtheater, Operette, Musical und Oper auf, um ein intelligentes und unterhaltendes Musiktheater zu schaffen. Er kombiniert künstlerischen Anspruch mit Verständlichkeit in seinen Stücken. Zunächst war er ab 1983 mit der Berliner Off-Musicaltruppe COLLEGE OF HEARTS tätig. Ab 1995 konzentrierte er sich auf die Neuköllner Oper, wo er mit Peter Lund das Neue Deutsche Musical entwickelte. Er schuf zahlreiche Werke, darunter Kammeropern und Musicals. 2023 erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter für STELLA und DER GETEILTE HIMMEL.

Martin G. Berger | Text

Martin G. Berger © LSH

Martin G. Berger, Jahrgang 1987, ist Regisseur, Autor und Übersetzer und war von 2021–2022 Operndirektor am Mecklenburgischen Staatstheater. Er ist der einzige deutsche Regisseur, der für seine Arbeiten in Oper, Musical und Operette gleichermaßen große Preise gewonnen hat: u.a. den FAUST für die beste Opernregie, den International Opera Award für die beste Wiederentdeckung, zwei Mal den Deutschen Musicaltheaterpreis für beste Regie und die Orpheus-Operettennadel für besondere Verdienste um die Operette. Seine Regiearbeiten sind an großen Häusern wie u.a. der Staatsoper Stuttgart, der Volksoper Wien, der Deutschen Oper Berlin und dem Theater Basel zu sehen, seine Libretti und Übersetzungen u.a. an der Komischen Oper Berlin, der Oper Frankfurt und der Staatsoper Hannover zu hören.

alexandra Liedtke | Regie

Alexandra Liedtke © Irina Gavrich

Alexandra Liedtke wurde in Dortmund geboren und studierte an den Universitäten Erlangen und Bochum Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Soziologie. Noch während des Studiums leitete sie das Theater unter Tage im Schauspielhaus Bochum und arbeitet heute kongruent als Sprechtheater- und Opernregisseurin. Sie inszenierte unter anderem am Burgtheater Wien, dem Zürcher Schauspielhaus, dem Staatsschauspiel Karlsruhe und dem Schauspielhaus Bochum. Mit dem Salzburger Landestheater und dem Theater in der Josefstadt in Wien verbindet sie eine langjährige Arbeitsbeziehung. In der Spielzeit 2012 debütierte sie als Opernregisseurin bei den Salzburger Festspielen. Es folgten Produktionen am Mecklenburgischen Staatstheater, der Neuen Oper Wien, der Oper Kiel, dem Musiktheater Linz, den Bregenzer Festspielen und der Staatsoper in Wien. Für die Universität Mozarteum übernahm sie einen Lehrauftrag für Schauspiel. Seit der Spielzeit 26/27 leitet Alexandra Liedtke die Oper des Salzburger Landestheaters im Team mit Katrin König.

Magnus Loddgard | Musikalische Leitung

Magnus Loddgard © Claudia Greco

Der gebürtige Norweger Magnus Loddgard ist als Dirigent, Pianist, Organist und Komponist tätig. Aufgewachsen mit Volksmusik, fühlt er sich sowohl in der Klassik als auch in der Neuen Musik und in Crossover-Projekten zu Hause – seinen Schwerpunkt bildet jedoch seit jeher die Oper.

Er dirigierte unter anderem an der Komischen Oper Berlin, der Norwegischen Nationaloper sowie am Theater an der Wien. In der Neue-Musik-Szene machte er sich in Oslo als Mitbegründer des Ensemble neoN und in Berlin in Zusammenarbeit mit Ensemble Mosaik einen Namen.

Wenn er nicht musiziert, verbringt er seine Zeit auf seinem Hof und im Garten – wo er unter anderem Kirschbäume schneidet, Kirschen erntet, entkernt, einfriert, trocknet, fermentiert, einweckt, entsaftet und in Alkohol einlegt.

Julius WIndisch | Musikalische Assistenz

Julius Windisch © David Mesa

Julius Windisch schloss 2017 seinen Bachelor in Jazz-Klavier an der Hochschule der Künste Bern mit Auszeichnung ab & studierte von 20172019 im European Jazz Master in Kopenhagen, Amsterdam und Berlin. 

2023-2025 arbeitete er an seiner eigenen Musik auf Künstlerresidenzen in Basel, Kassel, Südfrankreich, Nord-Norwegen & Neapel. Im Schuljahr 2024/25 war er Dozent bei Querklang, eine Kooperation der UdK mit Berliner Schulen. Julius’ eigene Kompositionen sind dokumentiert auf über 10 Alben verschiedenster Formationen. Abseits vom Klavierspiel, arbeitet er auch mit Synthesizern, Kirchenorgeln und als Sänger in seinem Songwriting Projekt.

Im März 2026 erscheint Live at Morphine Raum das neue Live-Album seiner Band „immerweiter“ mit welcher er bereits in Japan, Georgien, der Türkei, Österreich, Dänemark, Schweiz und in Deutschland spielte. 

Philip Rubner | Ausstattung

Philip Rubner © Candy Welz

Philip Rubner wurde 1990 im sächsischen Vogtland geboren. Er studierte Bühnenbild in der Meisterklasse der Akademie der bildenden Künste Wien bei Prof. Erich Wonder, Nicole Timm und bei Prof. Anna Viebrock. Er assistierte bereits während seines Studiums und arbeitet mit Jeremy Herbert, Deborah Warner, Luc Bondy und Peter Mussbach.
Seine 60 eigenen Arbeiten u.a. mit den Regisseur*innen Sebastian Sommer, Josua Rösing, Johannes Pölzgutter, Geertje Boeden und Lucía Astigarraga führten ihn an verschiedenste Theater, u.a. das Volkstheater Wien, Theater Regensburg, Staatstheater Karlsruhe, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Staatstheater Darmstadt, Staatstheater Oldenburg, Theater Erfurt, Renaissance Theater Berlin, Teatro Arriaga Bilbao.Seit der Spielzeit 2017/18 ist er am DNT Weimar als Ausstattungsleiter engagiert und zeichnete sich für diverse Produktionen verantwortlich unter anderem mit Regisseur*innen wie Hasko Weber, Jan Neumann, Swaantje Lena Kleff, Esther Jurkiewicz, Calixto Bieito, Ester Ambrosino und Nina Gühlstorff.
In den vergangenen 8 Jahren arbeitete er mit Alexandra Liedtke an der Bühne Baden, dem Salzburger Landestheater, Theater in der Josefstadt, Theater Kiel.

Paul Blackman | Choreografie

Paul Blackman © Florian Hetz

Der in Australien geborene Choreograf und Regisseur Paul Blackman wird für seine kraftvolle, physisch intensive und emotional eindringliche Arbeit im Bereich des zeitgenössischen Tanzes und der Oper gefeiert. Derzeit lebt er in Athen und ist Co-Direktor von JUKSTA, einem interdisziplinären Ensemble mit Wurzeln im zeitgenössischen Tanztheater, das für seine visuell eindrucksvollen Produktionen bekannt ist.

Paul Blackmans Choreografien und Inszenierungen wurden an führenden internationalen Opernhäusern und renommierten Festivals gezeigt, darunter die Salzburger Festspiele, La Scala in Mailand, die Wiener Staatsoper, das Theater Kiel und das Wiener Konzerthaus, ebenso wie das Odeon des Herodes Atticus und das Athener Konzerthaus (Megaron).

Er arbeitete mit führenden europäischen Regisseuren und Theatermacher*innen wie Jan Lauwers, Matthias Hartmann, Ulrich Rasche, Alexandra Liedtke, Jozef Fruček, Linda Kapetanea und Jasmin Vardimon zusammen und trug zu Produktionen bei, die für ihre innovative Verbindung von Choreografie und theatraler Narration bekannt sind.

DenNis Depta | Dramaturgie

Dennis Depta © Peter van Heesen

Dennis Depta, 1988 in Cottbus geboren, ist Dramaturg, Performer und Musiker. Mit der Berliner (Musik)-Theatergruppe glanz&krawall sucht er seit 2014 unbekümmert die Konfrontation mit dem Rest der Gesellschaft– von der Hochkultur der Oper bis zur poetischen Verlorenheit eines Alleinunterhalters in der Dorfdisko. Dafür holt er mit Regisseurin Marielle Sterra Formate der Populärkultur wie Wrestling, Circus, Punkkonzerte oder Trabrennen ins Theater und bringen das Theater vermehrt in den Stadtraum, z.B. in Clubs, Strandbäder oder Psychiatrien. Seit 2019 initiieren Depta und Sterra die inklusive Theater- und Musik-Festivalreihe BERLIN is not…, für die Musikacts und Gruppen der Darstellenden Künste gleichermaßen Opern von Richard Wagner & CoKG für ein breites Publikum bearbeiten. Seit der Spielzeit 2025/2026 ist Depta Dramaturg an der Neuköllner Oper, Berlin. Er ist Gitarrist der Bands SCHROTTI STAR ORCHESTER und KANAL. Depta glaubt, dass Kunst von Wollen und nicht von Können kommt.

Cara Freitag | REGIEASSISTENZ / PRODUKTIONSLEITUNG

Cara Freitag © Kathrin Grzeschniok

Cara Freitag, geboren in Mainz, hospitierte und assistierte nach ihrem Abitur 2016 an der Oper Wuppertal.  Anschließend studierte sie Theaterwissenschaft und Philosophie in Berlin und arbeitete währenddessen unter anderem in der Freien Szene im Bereich Regie und Ausstattung. Es folgten verschiedene Gast-Assistenzen, unter anderem in Dresden, Wuppertal und Luzern. An der Neuköllner Oper begleitet sie nun mit DER ZWEITE KIRSCHGARTEN die fünfte Produktion als Regieassistenz und Produktionsleitung.

Tina Ajala | Louise “Lolo” Lopachin

Tina Ajala © Tanja Hall

Nachdem Tina ihre Ausbildung zur Musicaldarstellerin in Hamburg absolviert hat, war sie dort nach ihrem professionellen Debut als Jim Knopf am Imperial Theater, über die Jahre in Stücken wie Dirty Dancing, Tina – Das Tina Turner Musical und Harry Potter und das verwunschene Kind zu sehen.

Sie war in nationalen und internationalen Engagements in verschiedenen Produktionen wie der Uraufführung von Die Schweizermacher, der deutschen und österreichischen Erstaufführung von Ragtime als Darstellerin beteiligt.

Ihre Bühnentätigkeit umfasst Rollen in Hair, Cabaret und Hairspray, aber auch die Verkörperung von Personen wie Nina Simone, Winnie Mandela und Josephine Baker.

Auf Berliner Bühnen war sie zuletzt in der deutschen Erstaufführung von Ein/Verständnis am English Theatre zu sehen. Sie freut sich sehr das erste Mal an einer Produktion der Neuköllner Oper beteiligt zu sein.

Samuel Franco | Sebastian Trofimov

Samuel Franco © Bernd Brundert

Samuel Franco lebt in Berlin und hat nach einer Chorleiterausbildung und einem Germanistik- und Musikstudium an der Universität der Künste Berlin sein Studium an der Folkwang Universität der Künste Essen in Schauspiel, Gesang und Tanz abgeschlossen. Erste Produktionen brachten ihn ans Düsseldorfer Schauspielhaus und ans Thalia Theater Hamburg. Größere Partien folgten dann unter anderem als Macheath in Die Dreigroschenoper, als Tybalt in der Uraufführung Romeo & Julia – Liebe ist Alles und als Valmont in Gefährliche Liebschaften.

Er schreibt auch selber Texte, Übersetzungen und Musik und hat im Oktober 2024 seine Debüt-Single „Schalt’ die Welt auf stumm“ veröffentlicht.

Laura Magdalena Goblirsch | Anja Ransberger

Laura Magdalena Goblirsch © Valeria Mitelman

Laura Magdalena Goblirsch wuchs in Berlin und Münster auf, studierte Kommunikationswissenschaft sowie Gesang, Tanz und Schauspiel an der Universität der Künste Berlin.

Ihre Leidenschaft zum Musiktheater entdeckte sie schon früh am Stadttheater Münster u.a. als zweiter Knabe in Die Zauberflöte, Ariel in Footloose und Audrey in Der Kleine Horrorladen. Im Rahmen des Studiums war sie in Das Mädchen mit der Pringlesdose und als Lilly Juice in Bis Keiner Weint an der Neuköllner Oper zu sehen.

2023 gewann sie bereits den 1. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang für Musical, 2025 folgte der 1. Preis für Chanson. Weitere Rollen: Blues Brothers (Semperoper Dresden), Louise in Gypsy (Bühnen Halle), Young Phyllis in Follies an der Volksoper in Wien, wo sie auch als Anna in Spring Awakening zu sehen sein wird. In Berlin steht auch als Anne in La Cage Aux Folles auf der Bühne.

Julia Klotz | Varja Ransberger

Porträt von Julia Klotz
Julia Klotz © Saskia Allers

Julia Klotz schloss 2006 ihr Diplom in Leipzig ab und gewann 2005 den Preis des Deutschen Bühnenvereins. Am Theater Heilbronn erhielt sie 2007 den Publikumspreis Kilian. Sie gastierte u.a. in Linz, Basel, Kassel, Hannover und München, spielte Rollen wie Eliza (My Fair Lady), Evita oder die Baker’s Wife (Into the Woods). Eine besondere Leidenschaft sind Uraufführungen, Julia wirkte in über zehn Erstaufführungen mit. Für Gefährliche Liebschaften erhielt sie 2015 den Deutschen Musical Theater Preis. Zudem dreht sie für Film und TV und entwickelt eigene Projekte wie Happy End und ihren Comedy-Kanal Uschiversum.

Claudia Renner | Varja Ransberger

Claudia Renner © Annemone Taake

Nach Claudia Renners Schauspielstudium holte
Ulrich Khuon sie ans Thalia Theater. Dort
arbeitete sie viel mit Andreas Kriegenburg (Hexenjagd, Unschuld, Bernada Albas Haus), aber auch mit Stephan Kimmig (Penthesilea) u.v.a. Später wechselte sie ans Stuttgarter Staatstheater, wo sie z. B. Rosalind in Wie es euch gefällt (Th. Dannemann) oder in Nachtasyl (V. Lösch) spielte. Mittlerweile freischaffend tätig, gastiert sie in verschiedensten musikalischen Produktionen – sie sang die Gräfin in Figaro,
Sally Bowles in Cabaret, Kate in Kiss me Kate, die Elly in Bowies Lazarus sowie Jenny in Brechts Dreigroschenoper. In der NO war sie zuletzt 2022 in SCHÖNER WOHNEN und 2024 in IRON CURTAIN MAN zu sehen.

Vasiliki ROussi | Andrea Ransberger

Vasiliki Roussi © Adrian Serini

Franziska Junge wurde während Ihres Schauspielstudiums an der Hochschule für Theater Leipzig an das Berliner Ensemble engagiert. 2009 folgte sie Oliver Reeses Angebot ans Schauspiel Frankfurt. 2017 wurde sie von der
Zeitschrift theater heute als Beste Nachwuchsdarstellerin für ihre Rolle der Natalya in Drei Tage auf dem Land in der Regie von Andreas Kriegenburg nominiert. Seit 2013 dreht sie regelmäßig für Film und Fernsehen. 2024 wurde sie für den Deutschen Schauspielpreis nominiert. Sie ist ausgebildete Sängerin und Sprecherin und lebt in Berlin.

Franziska Junge | Andrea Ransberger

Franziska Junge © Jeanne Degraa

Franziska Junge wurde während Ihres Schauspielstudiums an der Hochschule für Theater Leipzig an das Berliner Ensemble engagiert. 2009 folgte sie Oliver Reeses Angebot ans Schauspiel Frankfurt. 2017 wurde sie von der
Zeitschrift theater heute als Beste Nachwuchsdarstellerin für ihre Rolle der Natalya in Drei Tage auf dem Land in der Regie von Andreas Kriegenburg nominiert. Seit 2013 dreht sie regelmäßig für Film und Fernsehen. 2024 wurde sie für den Deutschen Schauspielpreis nominiert. Sie ist ausgebildete Sängerin und Sprecherin und lebt in Berlin.

Markus Schöttl | Gerald Lehmann

Markus Schöttl © Stefan Sappert

Studium am Konservatorium der Stadt Wien (MUK). Verschiedenste Arbeiten in den Gattungen Schauspiel, Musical und Operette, darunter viele Ur- und deutschsprachige Erstaufführungen, u.a. für die Wiener Festwochen, Schauspielhaus Wien, Theater der Jugend, Theater in der Josefstadt, Staatstheater Darmstadt, Theater Oberhausen, Erfurt & Heidelberg, Comödie Dresden, Komödie Frankfurt & Kammertheater Karlsruhe tätig. Von 2021 bis 2023 Erstbesetzung der Titelrolle der deutschsprachigen Erstaufführung von Harry Potter und das verwunschene Kind in Hamburg.

Zu seinen letzten Arbeiten zählen das Stephen-Sondheim-Musical Lächeln einer Sommernacht in Solingen, der Krimi-Klassiker Mord im Orientexpress und die Uraufführung von Trash Island am Schmidts Tivoli Hamburg, die 4 Mal für den Deutschen Musicalpreis nominiert war.

Unterstützt von

Monogram Neuköllner Oper