
Zurück ins Licht, zur Schönheit und hinein ins Leben! Der Frühling steht für die Macht der Verwandlung, für Wiedergeburt und für ein uraltes Versprechen von Prosperität. Was kann diese Fantasie des Überflusses über geographische Grenzen hinweg kulturell, spirituell und klanglich für uns bedeuten? Die südafrikanischen Komponisten und Performer S’busiso Shozi und Nhlanhla Mahlangu vom Johannesburger Centre for the Less Good Idea nähern sich mit der Kammeroper SELEMO durch Körper, Klang und Stimme dem Konzept „Frühling“ neu an.
Einleitung

Von Sophie Jira, Dramaturgin der Komischen Oper und des Festivals SCHALL&RAUSCH
CENTRE FOR THE LESS GOOD IDEA
Im Jahr 2016 gründeten Bronwyn Lace und William Kentridge The Centre for the Less Good Idea und schufen so einen Raum für experimentelle, kollaborative und interdisziplinäre Kunst mit Sitz in Johannesburg. Frei nach dem südafrikanischen Sprichwort „When the good doctor can’t cure you, find the less good doctor!“ sind die Künstler*innen des Centre for the Less Good Idea überzeugt: Es lohnt sich, auch sekundäre, vermeintlich weniger gute Ideen weiterzuentwickeln, um jene Risse und Sprünge zu beheben, die oft in der ersten Idee entstehen, sobald man sie vom Reißbrett nimmt.
Das Zentrum ist mittlerweile ein etablierter und prägender Raum für Kunstprojekte in Südafrika und darüber hinaus. Präsentiert wurden bisher über 500 einzelne Performances, Filme und Installationen. Bereits 2023 waren Performer*innen des Centre for the Less Good Idea mit African Exodus im Rahmen des Festivals Schall&Rausch zu Gast in Berlin-Neukölln. Die Frühlingsoper SELEMO entstand 2025/2026 im Rahmen von Workshops und Proben in Johannesburg und Berlin: Durch Körper, Klang, Sprache und Stimme rollten Musiker*innen der Komischen Oper Berlin und Performer*innen des Centre das Thema „Frühling“ neu auf, assoziierten, experimentierten, verwarfen und fanden mit Nhlanhla Mahlangu (Regie) und S’busiso Shozi (Musikalische Leitung) eine gemeinsame Musik.
SELEMO – EINE RITUAL-PERFORMANCE
Was bedeutet „Frühling“ für uns? Was steckt im Wort „spring“ und woran denken wir bei „primavera“? Der Begriff Selemo hat in der südafrikanischen Sprache Sesotho mehrere Bedeutungen: Frühling, Jahr und Anfang, aber auch Riss oder Sprung. Im weiteren Sinne steht Selemo für einen Kreislauf, der immer und immer wieder von vorne beginnt. Selemo ist die Zeit des Pflügens, wenn der Boden aufgegraben wird, um etwas Neues daraus wachsen zu lassen. Erneuerung und Wiedergeburt, unaufhaltsame Veränderung und Revolution, Aufbrechen und Bewegung – all das kann Frühling sein.
Auch die Musik in SELEMO spielt mit dem Reiz des Immer-wieder-Neuanfangens, mit der Idee, etwas nochmal und besser machen zu können und mit der Frage: Was ist mein persönlicher Frühling? Die Künstler*innen erkunden verschiedene Anfänge und verbinden in einer Performance, die – wie der Frühling selbst – alles Dauerhafte verweigert, persönliche Frühlingsassoziationen mit alten und neugedachten Übergangsriten: Überall auf der Welt feiern Menschen Geburt und Hochzeit, Reinigung und Initiation, überall wird getrauert und Abschied genommen. Gesang, Körper und rituelle Objekte wie Körbe, Stoffe, Federn, Besen und Matten tragen uns in SELEMO durch die verschiedenen Übergänge im Leben und die vielfältigen kulturellen Sichtweisen darauf.
THREE MOVEMENTS OF THE UNSEASONAL BODY
SELEMO kombiniert das wohl berühmteste musikalische Frühlingsporträt, Antonio Vivaldis Streichkonzert La primavera aus dessen Le quattro stagioni (Die vier Jahreszeiten) op. 8, mit afrikanischen Vokaltraditionen wie Amahubo, der rituellen Musik der Zulu, verschiedenen Ritualgesängen und Protestliedern. Im Zusammenspiel musikalischer Traditionen des globalen Südens und Nordens treten auch Risse und Unterschiede zum Vorschein: Während die Musik im europäischen Barock oft festliche Anlässe schmückte, funktionierte die südafrikanische traditionelle Musik, die zur Zeit Vivaldis auf der anderen Seite der Erde erklang, nie als bloße Dekoration. Sie lief niemals nebenbei, sondern erfüllte stets einen Zweck im Zusammenleben. Sich den mündlich überlieferten afrikanischen
Musiktraditionen durch Bewegung und Stimme wieder anzunähern, bedeutet dabei auch, den Körper als Archiv und Kompositionsquelle zu nutzen und Wissen, das durch Kolonialismus verloren gegangen ist, wiederherzustellen.
Nummernfolge

I. THE BLOOM
#1 QalaQala
#2 Spring loaded – 100 contradictions (allegretto)
#3 Vivaldi Spring-Movement 1 (allegro)
#4 Izandla Ziyagezana (adagietto)
#5 Nomkhubulwane (adagio)
II. THE SURGE
#6 Mr. Quignard – Printemps (aria rossignol)
#7 Erotic Chaos
#8 Chant: Nkosi, bheka intwasa hlobo
#9 Happy birthday to you
#10a Vivaldi Spring-Movement II
#10b Keke’s answer
III. THE PARTY
#11 Vivaldi Spring-Movement III (allegro)
#12 Biko
#13 Intando (andante)
#14 TOYI TOYI (attacca)
#15 We bafana (War Lullabye)
#16 Litany of names
#17 Nguni cosmology (attacca)
IV: RESTART
#18 Jiki Jiki (Apology to the planet-Song)
Songtexte

#1 QalaQala
PERTUNIA MSANI
Sie dachten, sie würden uns begraben.
Aber sie wussten nicht, dass wir Samen sind.
TSHEGOFATSO KHUNWANE
Wir sind keine Kinder mehr,
wir sind noch nicht einmal Erwachsene
Keine Kinder mehr,
wir sind noch nicht einmal Erwachsene
#2 Spring loaded – 100 contradictions
ALLE
Oh, Frühling
GREGORY „KEKELINGO” MABUSELA
Frühjahrsputz
vorwärts springen
Springbreak
wieder quellen
unter Federspannung
Frühlingsfreisetzung
Frühlingsatem
Frühlingstraum
PERTUNIA MSANI
Frühlingszwiebel
Frühlingsgras
Frühlingsweizen
Frühlingssammlung
Federbelastete Tür
Federfalle
Federwirkung
Federmechanismus
Frühlingszeitbombe
ALLE
Frühling, voll
Frühling, verflucht
Frühlingsflammen
Frühlingsrevolution
Der Frühling sitzt an der Türschwelle
Macht Platz für den Frühling
Singt für den Frühling
Betet für den Frühling
HLENGIWE LUSHABA MADLALA
Die Dürre versengte alles.
Blätter wurden zu Zähnen.
Wieder tauchte es auf:
das Lächeln des Grases.
Es schüttelte Zittern und Angst ab.
Die Hoffnung nieste.
Und die Pflanzen blühten.
VHAHANGWELE MOOPO
Kleine Kinder spielen,
singen dem Kolibri süß vor
und machen dabei Geräusche wie „tungununu“
Sie singen ihn in den Schlaf
ALLE
Frühling, voll
Frühling, verflucht
Frühlingsflammen
Frühlingsrevolution
Der Frühling sitzt an der Türschwelle
Macht Platz für den Frühling
Singt für den Frühling
Betet für den Frühling
Oh, Frühling
#4 Izandla Ziyagezana
ALMA SADÈ
Hände waschen einander
ALLE
Hände waschen einander,
wie Gewässer in den Bergen,
und reinigen den Staub der Dunkelheit.
Wie ein großer heilender Baum,
dessen Wurzeln die Erde umklammern,
wäscht die rechte Hand die linke.
Steigt auf
Licht steigt auf aus der Dunkelheit.
Hände waschen einander.
#5 Nomkhubulwane
ALLE
Vogel des Himmels,
Du überquerst die Länder,
Träger von Samen.
Säe, säe!
Nomkhubulwane (Göttin der Fruchtbarkeit)
Prinzessin
Beschützerin der Natur,
Befruchte diese Erde.
Dies ist eine Zeremonie der Fülle.
Oh ah ah oh oh ah
VHAHANGWELE MOOPO
Mein Schatten lässt Samen aufbrechen,
er spricht in der Sprache
zerbrochener Morgen.
Mein Schatten lässt Samen aufbrechen,
er spricht in der Sprache
zerbrochener Morgen.
Geist des auserwählten Samens, Samens
Geist des auserwählten Samens, oh Erde
Geist des auserwählten Samens
Öffnet euch, Bäume
Öffnet euch, Früchte
Öffnet euch, Samen des Segens
Nemlambo
Öffnet euch, öffnet euch, Samen
Nemambo, Prinzessin des Samens
Beschützerin der Natur
Beschützerin der singenden Vögel
ALLE
Vogel des Himmels,
Du überquerst die Länder,
Träger von Samen.
Säe, säe!
Nomkhubulwane (Göttin der Fruchtbarkeit)
Prinzessin
Beschützerin der Natur,
Befruchte diese Erde.
Dies ist eine Zeremonie der Fülle.
Oh ah ah oh oh ah
Steige herab, oh Samen,
Sprieße, oh Samen.
Geist des Samens im Boden,
Verschmelze mit dem Boden, oh Samen.
Brich hervor, explodiere, oh Samen,
Geist des Samens unter allen Menschen.
Vogel des Himmels,
Du überquerst die Länder,
Träger der Samen,
Säe, säe.
Nomkhubulwane,
Prinzessin,
Beschützerin der Natur,
Befruchte diese Erde,
Dies ist eine Zeremonie der Fülle.
Nemambo, die Prinzessin des Samens,
Beschützerin der Natur,
Beschützerin der singenden Vögel.
#6 Mr. Quignard – Printemps (aria rossignol)
Verliebte Nachtigallen,
auf diesem sprießenden Laubwerk
lasst eure Stimmen erklingen
und singt mit eurem zärtlichen Gesang
Singt
singt von der Liebe und vom Frühling.
Singt
singt, singt, singt und der Frühling
#7 Erotic Chaos
PERTUNIA MSANI
Das Schilf. Das Schilf. Das Schilf.
Ich schreie es heraus.
Ich singe nicht. Ich beiße es, spucke es aus, reite darauf. Das Schilf.
Ich sauge den Frühling durch meine Zähne, bis er mir über das Kinn tropft.
Das Schilf. Das Schilf. Das Schilf…
Ich will deinen Stiel nicht – ich will ein Penisfeld.
Das Schilf? Ich knicke es und rauche es.
Was zum Teufel? Ich nehme es auf der Treppe, im Taxi, während die Sonne zusieht und errötet.
Das Schilf. Das Schilf. Das Schilf.
Du nennst es Hitze.
Ich nenne es Revolte.
Dieser Frühling?
Er reitet ohne Sattel mit nackten Brüsten.
Er tropft.
Dieser sagt „ja“ zu nichts als mehr.
Das Schilf. Das Schilf. Das Schilf.
Ich bin keine Blume, Baby.
Ich bin Pollen mit Fäusten.
Ich werde den Frühling ins Leben ficken.
Ich werde auf dem Altar deiner Scham bluten
und es Wiedergeburt nennen.
#8 Hymn/Chant: Nkosi, bheka ibandla lakho
Gieße deinen Pollen, heilige Quelle,
Auf deine weichen Lippen
Wecke die Wurzelwörter in unserem Blut –
Damit dein Name offenbart wird
Gieße den Heiligen Geist
über deine Kinder
Erwecke dein eigenes Werk
Lass deinen Namen verherrlicht werden
Herr, schau auf deine Gemeinde
Du siehst, dass sie geistig verdorrt ist,
Bewässere sie und belebe sie mit deiner Gnade,
Alles, was uns gehört, ist zu Ende gegangen.
Gieße den Heiligen Geist
über deine Kinder aus
Erwecke dein eigenes Werk
Lass deinen Namen verherrlicht werden
#10 Vivaldi Spring-Movement II + Keke’s answer
ALMA SADÈ
Ich erwache, ich erscheine
Licht weht durch mein Federkleid
Luft in den Mund,
Fliege fort, fliege weit,
Weit, frei,
Ich bleibe nie, ich bleibe nie
GREGORY „KEKELINGO” MABUSELA
Ich war durstig
Sie kam zu mir
Mit einem Atemzug, an den ich mich erinnerte
Ihr Knie auf dem Altar.
Ein beleuchteter Weg
Sie kam
Wie ein Atemzug, an den ich mich erinnerte
Sie kam
Wie Namen, die zurückkehrten
#11 Vivaldi Spring-Movement III
Feg den Hof
Hier kommt die Braut
Sie gehört uns
Feg den Hof
Hier kommt die Braut
Feg den Hof
Hier kommt die Braut
Der fleißige Mann hat ihr Herz erobert
Feg den Hof
Hier kommt die Braut
Sie betritt das Anwesen in ihrem traditionellen Brautkleid
#12 Biko
Es war einmal
ein Löwe, der nicht nach Fleisch jagte –
er jagte Lügen.
Er brüllte:
„Du bist schön.“
„Schwarzer Mann, du bist auf dich allein gestellt.“
Krokodile hörten ihn und zogen ihn unter Wasser.
Der Fluss war geschlossen.
Die Trommeln verstummten.
Sie dachten, das Brüllen sei vorbei.
Aber die Stimme eines Löwen versteckt sich
im Boden.
Sie wandert im Staub, in der Trommel, im Atem.
Mütter hörten sie beim Wiegen ihrer Babys.
Bergleute hörten sie unter Steinen.
Kinder lernten sie auswendig.
Du bist schön.
Schwarzer Mann, du bist auf dich allein gestellt.
#13 Intando
Ich habe einen Willen – er gehört mir.
Meine Entscheidungen sind meine eigenen – jede einzelne habe ich selbst getroffen.
Meine Schritte sind meine eigenen – ich gehe sie selbst.
Ich bin ein Geist der Weisheit – ich gehöre zu mir selbst.
Ich steige auf wie die Sonne
und sehe alles Licht,
ich weiß mit Sicherheit, dass dies meine Reise ist
Ich habe einen Willen – er gehört mir.
Meine Entscheidungen sind meine eigenen – jede einzelne habe ich selbst getroffen.
Meine Schritte sind meine eigenen – ich gehe sie selbst.
Ich bin ein Geist der Weisheit – ich gehöre zu mir selbst.
Ich steige auf wie die Sonne
und sehe das ganze Licht,
ich weiß mit Sicherheit, dass dies meine Reise ist.
Die Sterne flüstern: „Geh weiter, geh weiter“
Geh weiter! Geh weiter! Geh weiter! Geh weiter!
#14 TOYI TOYI
Let’s go!
Get on top of the house!
And tell them that mother is happy. Tell them!
#15 We bafana (War Lullabye)
HLENGIWE LUSHABA MADLALA
„Junge Männer sind aus den Bergen zurückgekehrt“,
berichtete sie im großen Haus.
Sie schrie und sagte: „Der Krieg steht vor der Tür.“
Glücklich ist eine Frau ohne Kind.
ALLE
Hey, junge Männer! (Ji ehh!)
Wo sind die Kälber? (Ji ehh!)
Bei deiner Mutter? (Ji ehh!)
Sie werden gegessen werden! (Ji ehh!)
Der dicke Brei – (Ji ehh!)
Woher hast du ihn genommen? (Ji ehh!)
Aus Gezas Haus. (Ji ehh!)
Was sagt Geza dazu? (Ji ehh!)
Du wirst es verstehen
An diesem Tag.
Nimm noch einen,
Die Krähe,
Koche sie.
PERTUNIA MSANI
Oh oh!
Oh oh! Mutter
Oh oh! Allmächtiger
Oh oh! Das große Haus
Oh oh, unsere Bemühungen sind alle umsonst
Der Wind weht und der Tornado ist da
ALLE
Hey, junge Männer! (Ji ehh!)
Wo sind die Kälber? (Ji ehh!)
Bei deiner Mutter? (Ji ehh!)
Sie werden gegessen werden! (Ji ehh!)
Der dicke Brei – (Ji ehh!)
Woher hast du ihn genommen? (Ji ehh!)
Aus Gezas Haus. (Ji ehh!)
Was sagt Geza dazu? (Ji ehh!)
Wie Brot
Aus Sauerampfer,
Echoht die Wespe im Wald.
Sie sagt „tsege tsege“.
Die Wespe echoht im Wald und sagt „tsege tsege“.
Awu awu awu — hooh — awu awu awu
Es ist sein Gehöft, dieses hier,
In der offenen Ebene.
Er schlug den Hund nieder.
Er schrie und sagte:
„Der Krieg steht vor der Tür“.
Glücklich ist eine Frau ohne Kind.
Wie Brot
Aus Sorghum,
Die Wespe hallt im Wald wider.
Die Wespe hallt im Wald wider und sagt „tsege tsege“.
#16 Litany of names
Oh mein Gott… oh mein Gott
Oh mein Gott…
Oh mein Gott, ich frage mich
Ein schwarzer Mann Schwarz
Das war mein Rücken
Das waren meine Hände
Das war mein Rücken
Das waren meine Hände
Oh mein Gott, ich frage mich
Wer ist diese Person?
Es ist ein schwarzer Mann
Oh mein Gott, ich frage mich
Oh mein Gott, ich frage mich
Wer ist diese Person?
Es ist eine schwarze Frau
Oh mein Gott, ich frage mich
Eine Person ist gefallen!
Eine Person ist gefallen!
Die Zeit weint!
Mutter, oh Mutter
Eine Person ist gefallen!
Die Worte bleiben, oh Mutter
Oh Mutter
Die Zeit weint!
Mutter, oh Mutter
Eine Person ist gefallen!
Die Worte bleiben,
oh Mutter
Oh mein Gott, ich frage mich
Wer ist diese Person?
Es ist ein schwarzer Mann
Oh mein Gott, ich frage mich
Oh mein Gott, ich frage mich
Wer ist diese Person?
Es ist eine schwarze Frau
Oh mein Gott, ich frage mich
Eine Person ist gefallen!
Ein Mensch ist gefallen!
#18 Jiki Jiki
Es tut uns leid für die Asche, die unter der Erde brodelt.
Bitte vergib uns die schmelzenden Felsen.
Um der Liebe zu Skorpionen und Spinnen in den Wolken willen.
Gib uns unsere kostbaren Stirnrunzeln und unser Lächeln zurück.
Mache uns mehr als schön.
Verändere uns. Verändere uns.
Neustart – Neustart.
Aaaaaa
Zum Inhalt

Gedanken zum Frühling in SELEMO
Von Nhlanhla Mahlangu
Vom Anfang zum Anfang
Vom Orchesterstimmen bis #1 QalaQala
Jeder Anfang ist eine Schwelle, eine feine, bebende Linie zwischen dem was war und dem, was zu werden wagt. Für die Schöpferin, den Schöpfer ist der Beginn zugleich Last und Segen – eine Befreiung der Vorstellungskraft, eine Konfrontation mit Möglichkeiten, eine kleine Welt, die sich in der Handfläche formt. Anfänge tragen ethisches Gewicht; sie prägen Beziehungen, Gemeinschaften, Zukünfte. Sie verlangen Mut, Klarheit, das Abstreifen alter Häute. Zu beginnen heißt, sich selbst zu erklären, ein Leben zu wählen und in seine Entfaltung einzutreten.
Die Blüte
Von #2 Spring loaded bis #3 Vivaldi Frühling – Satz 1
Blühen ist relational. Nichts öffnet sich allein; Licht, Jahreszeit, Boden und Gemeinschaft formen den Mut, hervorzutreten. Blühen ist Aufbegehren, die Weigerung, eingeschlossen zu bleiben – ein Aufbrechen von Erde und Geschichte im Namen der Möglichkeit.
Reinheit der Reinheit
Von #4 Izandla Ziyagezana bis #5 Nomkhubulwane und #6 Nightingale
Reinheit ist nicht Perfektion, sondern Bereitschaft. Sie ist das Waschen der Hände, das Stillwerden der Zunge, das Reinigen des Herzens von Bosheit, Hast und Täuschung. Im Insimu kaNomkhubulwane zu pflanzen heißt, unmittelbar zum Leben selbst zu sprechen. Jeder Samen, der in die Erde gedrückt wird, ist ein Gelübde, eine sorgsam gesprochene Äußerung, nur dann getan, wenn die eigenen Absichten ausgerichtet sind; der Boden empfängt nur, was wahrhaft dargebracht wird. Zu pflanzen heißt, sich der Entfaltung der Welt mit Integrität anzuschließen – Unsicherheit und Verantwortung anzunehmen und das stille Wunder des Werdens zuzulassen, im Wissen, dass das, was wächst, den Zustand der pflanzenden Person widerspiegeln wird.
Der Aufbruch
Von #7 Erotic Chaos bis #8 Chant: Nkosi, bheka ibandla lakho
Dies ist ein Manifest aus Fleisch und Feuer, ein Ruf, der über Kirchenharmonien hinweg geschleudert wird und Ritual in Rebellion verwandelt. Begehren wird zur Waffe, Wiedergeburt zur Weigerung, sich einsperren zu lassen. Begehren ist kosmische Kraft. Leben wird ergriffen, nicht gewährt.
Happy Birthday, Zalo und Inyoni
#9 Happy Birthday to You
Beschämt, weil du Sex in einer Kirche beobachtest – und doch selbst durch Sex ins Leben gekommen. Happy Birthday. Geburt ist die bebende Schwelle der Existenz, der Moment, in dem das Unsichtbare eine Gestalt, einen Puls, einen Namen wählt. In der Zulu-Philosophie ist dies Imbeleko, die Offenbarung eines Lebens vor Ahnen, Verwandtschaft und Kosmos. Ein Ritual, das Scham verweigert und sagt: Du bist kein Zufall der Heimlichkeit, du bist die Fortsetzung einer Linie. Das Neugeborene wird erhoben, nicht verborgen. Getragen in die Arme jener, die verstehen, dass Fleisch heilig ist, dass der Körper ein Gefäß der Erinnerung ist, dass Intimität keine Sünde, sondern die Architektur des Werdens ist. Imbeleko erinnert uns: Jeder Anfang ist gemeinschaftlich, relational, leuchtend. Ein Leben tritt nicht nur in den Atem ein, sondern in Geschichte, Ethik, Verantwortung – in das lange Echo derer, die zuvor waren.
Vogelperspektive (Vorgestellte Freiheit)
#10a Vivaldi Frühling – Satz II
Vögel schreiben Freiheit in den Himmel, ihre Flügel zeichnen Möglichkeiten ins offene Blau. Eine Bewegung ohne Mauern, eine Entscheidung von Moment zu Moment. Freiheit ist wie Flug zerbrechlich und aktiv – ein Tanz mit Wind, Jahreszeit und Horizont. Sie ist niemals isoliert; sie existiert in Beziehung zu den Strömungen der Welt.
Liebeslied und Ehe – Der barocke Puls
Von #10b Kekes Lied bis #11 Vivaldi Frühling – Satz III
Freiheit und Bindung begegnen sich in der Ehe wie zwei Strömungen, die in einem Fluss kollidieren. Zu lieben heißt, nichts von sich aufzugeben und doch alles anzubieten. Gehalten zu werden, ohne besessen zu sein. Jedes Gelübde ist ein Paradox: Der Ring ist ein Kreis, ja – aber auch eine Tür. Eine Grenze, die zum Horizont wird. Ehe ist die Choreografie dieses Widerspruchs, ein Duett, in dem jeder Tänzerin ganz sie oder er selbst bleiben muss, damit die Verbindung atmen kann. Zu viel Freiheit – und der Tanz löst sich auf. Zu viel Bindung – und der Tanz zerbricht. Die Kunst liegt in der Spannung. Vereinigung ist kein Käfig, sondern eine gewählte Schwerkraft.
Biko
#12 Biko
Das Lied behauptet, dass Wahrheit nicht zerstört, sondern nur verwandelt werden kann. Der Löwe steht für Bantu Steve Biko, einen Wahrheitsverkünder, dessen Kraft nicht in Gewalt liegt, sondern im Entlarven von Lügen. Seine Stimme verschwindet nicht; sie sinkt ins Land, in den Körper, ins kollektive Gedächtnis. Durch Mütter, Arbeiter*innen und Kinder weitergegeben, wird Wahrheit ahnenhaft, verkörpert und gemeinschaftlich. Das Gedicht legt nahe, dass eine Nation sich nicht durch Monumente oder Führungsfiguren erinnert, sondern durch Atem, Rhythmus und den beharrlichen Mut, das auszusprechen, was wahr bleibt – selbst in der Dunkelheit.
Partituren der Herrschaft
#13 Intando
Ich bin das Orchester, und ich beanspruche dich. Meine Taktstöcke erheben sich wie Grenzen, meine Partituren sind die Gesetze, denen du folgen wirst. Jeder Takt ist ein Befehl, jede Pause eine Warnung. Dein Wille gehört mir. Du wirst meinem Tempo folgen. Deine Entscheidungen sind Illusionen – ich forme jede einzelne für dich. Deine Schritte sind nur erlaubt, weil ich sie gestatte. Meine Ordnung ist der einzige Weg. Du wirst dich bewegen, wie ich es bestimme. Ich bin nun dein Herz, deine Natur, dein Verstand, dein Schatz. Ich bin der Puls, der dich regiert. Mein Orchester kolonisiert den Geist. Du gehörst mir.
Toyi Toyi – Frühlingsrevolution
#14 TOYI TOYI
Der Frühling ist der Moment, in dem das Leben seinen Käfig verweigert. Er durchbricht die Disziplin des Winters, spaltet die Erde und erhebt sich singend – nicht aus Schönheit, sondern aus Bewegung. Musik wird hier Funktion, Kraft, die Trommel, die dem Körper sagt: Bewege dich jetzt, gemeinsam, vorwärts. Wie südafrikanische Freiheitslieder, die nie dazu gedacht waren, Leid zu schmücken, sondern Atem zu organisieren, Mut zu synchronisieren, Angst in kollektiven Schritt zu verwandeln. Frühling ist sichtbar gewordene Revolte. Harmonie wird Strategie. Rhythmus wird Richtung. Melodie wird zur Karte in eine noch ungeborene Zukunft. Erneuerung ist niemals sanft. Sie kommt laut, ungestüm, unaufhaltsam – wie eine Menge, die in Gesang ausbricht, nicht um schön zu klingen, sondern um lebendig zu bleiben, in Bewegung zu bleiben, menschlich zu bleiben.
Klage der Toten
#15 We bafana (War Lullaby)
Junge Männer kehren aus den Bergen zurück, Staub auf den Schultern, Lieder noch warm in ihren Kehlen. IHRE AHNEN SPRECHEN VON DEM, WAS GENOMMEN WURDE. Ihre Stimmen zittern wie Kalebassen im Wind. „Wo sind die Kälber?“, fragen sie. „Wo ist das Land, das sie nährte? Wo ist der Boden, der unsere Fußspuren trug?“ Die jungen Männer senken die Köpfe. Die Kälber sind fort. Die Felder sind eingezäunt. Der Brei schmeckt nach dem Feuer eines anderen. Sie erinnern sich, als die Erde auf ihre Schritte antwortete, als Flüsse keine fremden Namen trugen, als Gehöfte weit waren wie der Atem.
Die Ahnen sprechen erneut: „Wir sahen die Fremden kommen mit Papieren schärfer als Speere, mit Gesetzen schwerer als Schilde. Sie erschlugen den Hund am Tor, nahmen das Gehöft in Besitz und nannten es ihres.“ Awu, awu, awu – die Klage rollt wie Donner. „Junge Männer!“, rufen sie. „Vergesst nicht die Berge. Vergesst nicht die Kälber. Vergesst nicht den Geschmack des Breis aus eurer eigenen Ernte. Das Land erinnert sich an euch, selbst wenn es genommen ist.“
Ewiges Leben – Frühling als Tod – Das notwendige Ende
Von #16 Litany of Names bis #17 Nguni Cosmology und #18 Jiki Jiki
Der Frühling steht dem Tod nicht entgegen; er arbeitet mit ihm. Während neues Leben hervorbricht, fallen alte Formen – nicht aus Tragödie, sondern weil ihr Nutzen erfüllt ist. Das Wachstum des vergangenen Jahres wird zu Brennstoff, zu Kompost, zu Rhythmus – zur Basslinie unter der neuen Melodie. Verlust wird Tempo. Jede Blüte nährt sich von etwas, das weichen musste. Und dennoch geht das Singen weiter – Stimmen steigen auf, fallen, steigen wieder auf –, nicht um die Jahreszeit zu schmücken, sondern um sie voranzutreiben, Erneuerung unvermeidlich zu machen.
Eine leere Leinwand

Von Dennis Depta, Dramaturg der Neuköllner Oper
Ich staunte nicht schlecht über die SELEMO-Ausstatterin Nthabiseng Malak, die zur Konzeptionsprobe am 11. Januar 26 vor versammelter Mannschaft im Schillertheater ihre Gedanken und detaillierten Arbeitsschritte mit den Anwesenden teilte, um schließlich auf der letzten Folie ihrer Präsentation mit einer leeren Leinwand zu enden. Sie war wieder am Anfang angekommen. Und das genau einen Monat vor der Premiere. Wow! Restart. Qala Qala. Ich finde das einen wichtigen und ehrlichen Schritt in der Kunstarbeit. Und bewundere diesen Mut. So habe ich im Weiteren alle Beteiligten an der Produktion erlebt, ausgestattet mit einem tiefen ehrlichen Interesse an der gemeinsamen Erkundung des Nie-Dagewesenen, ein „dreaming in real time“ wie Regisseur Nhlahla Mahlangu die Arbeit des Centre for the Less Good Idea beschreibt.
Als ich anfangs hörte, dass sich das Centre mit dem „Frühling“ nach Vivaldi beschäftigen würde, legte sich mein politisches Herz kurz schlafen
Wie arrogant von mir! Hatte ich doch völlig verkannt, welch politische Dimension in der ganzen Sache liegt. So müssen die Südafrikaner*innen seit der Überstülpung des Gregorianischen Kalenders ihr Jahr falsch beginnen. Der Herbst ist der Frühling, weil der eigentliche Frühling im Herbst liegt. Die Zeit ist aus den Fugen. „We need a better spring than the one we are living in. So we will not wait for the calendar“, postuliert Performerin Hlengiwe Lushaba Madlala gleich zu Beginn der Show. Diese Dringlichkeit überträgt sich. Es wird wieder und wieder rearrangiert – auf den Proben, aber auch im Stück selbst. In SELEMO steckt deshalb der Zauber des empowernden Neubeginns und die hässliche Fratze des Fremdbestimmtseins, des kolonialen Erbes, gleichermaßen.
Viele der südafrikanischen Beteiligten arbeiten hier erstmals zusammen und erkunden gemeinsam mit den Musiker*innen und der Sängerin Alma Sadé der Komischen Oper die vielfältigen Dimensionen von spring. Es wird dabei oft im Kreis gejamt, sparsam bis gar nicht notiert, vielmehr gemeinsam gesungen und musiziert, ergo aufeinander gehört, geachtet. Und mit dem musikalischen Leiter S’busiso Shozi modifiziert. Alles passiert im Raum, auf der Probebühne und Bühne. Wie heilsam das im fiesen Januarmatsch von Berlin ist. Im Rahmen einer Opernproduktion entsteht dieser gemeinsame Frühlingsklangkörper, diese Beat- und Music-Machine, der Sound dieser 2026er Wahl-Combo. Das was hier passiert, ist ist das Gegenteil von Oper im festgefahrenen institutionellen musikalischen Sinne. Das zeigt sich in den Körpern auf der Bühne und schwingt. Vivaldi ist hier kein barockes Dekor für festliche Anlässe. Das musikalische Bild in 2D bekommt einen Zweck. Hier versuchen sie gemeinsam zu einem Wissen und einer Wahrhaftigkeit zu kommen. Auf mich wirkt diese Suche auf basale Weise ehrlich – im strengen Gegensatz zu dem, was ich sonst auf deutschsprachigen Bühnen zu sehen bekomme.
The Centre for the Less Good Idea ist ein Möglichkeitsraum. Und ich bin sehr dankbar, dass Centre, Komische und Neuköllner Oper diesen Versuchsraum nach Berlin hin ausgeweitet haben und diese „Marriage of Cultures“ an der Karl-Marx-Straße passieren darf.
Beteiligte

KO-KOMPONIST, MUSIKALISCHE LEITUNG S’busiso Shozi KO-KOMPONIST, REGIE Nhlanhla Mahlangu MUSIKALISCHER MENTOR Neo Muyanga PRODUKTION Bronwyn Lace PRODUKTIONSASSITENZ Dimakatso Motholo KOSTÜM / BÜHNE Nthabiseng Malaka AUSSTATTUNGSASSISTENZ Elena Gorlatova LICHTDESIGN Michael Inglis VISUAL ARTIST Marcus Neustetter TEXT Stacey Hardy DRAMATURGIE Sophie Jira, Dennis Depta HOSPITANZ DRAMATURGIE Paula Luise Fröhlich REGIEASSISTENZ / SPIELSTÄTTENLEITUNG Sandra M. Heinzelmann HOSPITANZ Facundo Nahuel Aguilar PRODUKTIONSLEITUNG Lucia Leyser MASKE Anne-Claire Meyer ABENSPIELLEITUNG Regina Triebel, Sophie Reavley SOUND ENGINEER Zain Vally TECHNISCHE PRODUKTIONSLEITUNG Helmut Topp TON Ronald Davila
MIT den Performer*innen Hlengiwe Lushaba Madlala, Tshegofatso Khunwane, Gregory „Kekelingo” Mabusela, Vhahangwele Moopo, Pertunia Msani und Alma Sadé/ Polly Ott sowie den Musiker*innen Deniz Tahberer, Julia Lindner de Azevedo Conte, Magdalena Bogner, Arnulf Ballhorn und Tuyêt Pham
Partner
Centre for the Less Good Idea, Johannesburg

Komische Oper Berlin

Schall&Rausch. Festival für brandneues Musiktheater
Biografien
S’busiso Shozi | KO-komponist, musikalische leitung

S’busiso Shozi ist ein in Durban geborener Komponist, Theatermacher, Gesangslehrer und Performer. Als Künstler interessiert sich Shozi vor allem dafür, Klänge, Text und den Körper in Bewegung zu erforschen und nutzt Kollaborationen als Mittel zur Entwicklung von Ideen. Durch seine Praxis erforscht er die Ursprünge und Schnittstellen afrikanischer Klänge, Sprache und Kultur auf dem gesamten Kontinent. Im Jahr 2024 vertiefte und präsentierte Shozi seine Methoden weiter im Rahmen einer Residency, die von der Cartier Foundation in Paris veranstaltet wurde.
Shozi hat für Theaterproduktionen wie African Exodus, das kürzlich im Perelman Performing Arts Center in New York aufgeführt wurde, Texte geschrieben, Musik komponiert, die musikalische Leitung übernommen und produziert. Shozi hat außerdem die Musik für Shaka iLembe Staffel 2 und Queendom Staffel 1 (BET-Telenovela) komponiert. Er ist Komponist und musikalischer Leiter der neuen Kammeroper SELEMO, eine Koproduktion mit der Neuköllner Oper und der Komischen Oper in Berlin.
Nhlanhla Mahlangu | KO-KOMPONIST, REGIE

Nhlanhla Mahlangu ist Sänger, Komponist, Theatermacher, Tänzer und Pädagoge. Er wurde Ende der 1970er Jahre im Phola Park Squatter Camp im Apartheid-Südafrika geboren und erlebte die Konflikte zwischen dem African National Congress, der Inkatha Freedom Party und der „Dritten Kraft“ der 1990er Jahre hautnah mit. Sein bahnbrechendes Werk Chant ist von diesen Erfahrungen geprägt und inspiriert. Durch seine Arbeit gräbt Mahlangu persönliche und gemeinschaftliche Geschichten aus und nutzt gleichzeitig Kunst und Performance als Heilungsinstrumente.
Neo Muyanga | MUSIKALISCHER MENTOR

Neo Muyanga ist Komponist, Musiker und Installationskünstler.
Seine Praxis bewegt sich zwischen Live-Performance, audiovisueller Ausstellung und wissenschaftlicher Arbeit. Muyanga hat seinen Sitz in Südafrika und tourt regelmäßig weltweit, wobei aktuelle Projekte Opern, Chor- und Instrumentalwerke für Kammermusik und großes Ensemble umfassen. Muyanga schafft Klang- und Bildwerke, die von Archivforschung geprägt sind und oft einen starken Fokus auf Stimme als Vektor haben, der die Gesellschaft formt und transformiert.
Muyanga wurde in Soweto geboren und spiegelt weitgehend seine Verwurzelung in der südafrikanischen Chormusik wider, während er eine Mischung aus anderen Einflüssen zeigt – darunter den italienischen Madrigal, den äthiopischen Mezmur und die Shaabi-Tradition Ägyptens –, die er über drei Jahrzehnte seiner künstlerischen Laufbahn kennengelernt hat.
In dieser Spielzeit präsentiert Muyanga als Impresario des Centre for the Less Good Idea SELEMO an Neuköllner Oper, eine Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin.
Bronwyn Lace | PRODUKTION

Bronwyn Lace ist eine aus Botsuana stammende bildende Künstlerin, die zwischen Johannesburg und Wien lebt und arbeitet. Ortsspezifität, Reaktionsfähigkeit und Performativität stehen im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Lace konzentriert sich auf die kollaborativen Beziehungen zwischen Kunst und anderen Bereichen, darunter Physik, Geschichte, Museologie, Philosophie und Literatur.
2004 schloss Bronwyn Lace ihr Studium im Studienfach Fine Arts ab und gründete 2016 gemeinsam mit William Kentridge das Centre for the Less Good Idea in Johannesburg, Südafrika, das sie heute leitet und als internationale Kontaktperson fungiert. Im Jahr 2020 war Lace Mitbegründerin von The Zone, einem Kollektiv aus Wien, das sich für die Entwicklung eines völlig neuartigen transdisziplinären und deliberativen Ansatzes für die Untersuchung und kuratorische Arbeit in Kunst und Wissenschaft einsetzt. Als Teil des Centre for the Less Good Idea präsentiert sie in dieser Spielzeit gemeinsam mit der Komischen Oper Berlin und der Neuköllner Oper die Kammeroper SELEMO.
Dimakatso Motholo | PRODUKTIONSASSITENZ

Dimakatso Motholo-Miya ist Expertin für Kunstmanagement, Administratorin, Stage Managerin und Produzentin mit einem Masterabschluss in Cultural Policy und Arts Management von der University of Witwatersrand.
Als Leiterin des Centre verantwortet sie die strategische Ausrichtung, die operative Umsetzung, die Führung von Teams, die Koordination von Programmen sowie die Pflege der Beziehungen zu Stakeholdern. Diese funktionsübergreifende Rolle erfordert Anpassungsfähigkeit, starke Kommunikationsfähigkeiten und Integrationskompetenz für den Erfolg des Centre.
Die Arbeit in einem nicht-hierarchischen, experimentellen Inkubatorraum ermöglicht es ihr, gleichermaßen beizutragen und zu lernen, während ihr Hintergrund im Performance-Bereich ihr Einblicke in kreative Produktionsprozesse verschafft. Die inhärent experimentelle und prozessorientierte Natur des Centre entspricht Motholos Methodik: durch praktisches Tun zu lernen und zu produzieren.
Nthabiseng Malaka | KOSTÜM / BÜHNE

Nthabiseng Malaka ist eine südafrikanische Theatermacherin mit dem Schwerpunkt Szenografie und Kostümbild. Sie schloss ihr Studium an der University of the Witwatersrand mit einem BA in Dramatic Arts ab. Derzeit ist sie Hausdesignerin am The Centre for the Less Good Idea und hat an zahlreichen Theaterproduktionen in verschiedenen Spielstätten in Gauteng gearbeitet, darunter das Market Theatre, das Joburg Theatre und das Soweto Theatre.
2023 wurde Malaka als eine von drei Bühnenbildner*innen für ein internationales Programm in Zusammenarbeit mit Scenography Today, Opera for Peace und UNITA for the Future ausgewählt, wo sie von Christian Schmidt mentoriert wird.
Anfang 2020 wurde sie von der international renommierten Kostümbildnerin Greta Goiris betreut. Anschließend entwarf sie Bühnenbilder und Kostüme für die Spielzeiten 8, 9 und 10 des Centre und entwickelte zudem Goraa Goreng?, ein Projekt, das Szenografie als Installation integrierte.
Für ihre Arbeit im Theater erhielt sie Nominierungen für den Naledi Theatre Award sowohl im Bereich Kostümbild als auch Bühnenbild. Darüber hinaus war Malaka seit der Uraufführung 2023 in Buenos Aires, Argentinien, Kostümbildnerin für Disneys The Magic Box. Für Selemo ist Malaka als Szenografin und Kostümbildnerin tätig.
Michael Inglis | Lichtdesign

Michael Inglis’ vielfältige Karriere als Theatermacher hat ihn in verschiedenen kreativen und technischen Rollen an Theaterhäuser rund um den Globus geführt. Er wanderte bereits durch die verschiedensten Genres, von Musicals und zeitgenössischem Zirkus bis hin zu Theater, physischem Theater, Puppenspiel und visuellem Theater.
Seine Kompanie, Emmet Theatre, widmet sich der Schaffung innovativer südafrikanischer Theaterstücke, die kreatives und technisches Wissen verbinden, um bemerkenswerte Theatererlebnisse zu schaffen.
In den letzten drei Jahren ist er regelmäßiger Mitarbeiter am Centre for the Less Good Idea bei verschiedenen Produktionen in Südafrika und im Ausland. Zuvor arbeitete er als Lichtdesigner mit Nhlanhla Mahlangu und S’busiso Shozi an deren Produktion African Exodus während der zehnten Saison des Zentrums in Johannesburg (Südafrika) sowie am Perelman Performing Arts Centre in New York (USA) und präsentiert derzeit SELEMO in Zusammenarbeit mit der Komischen Oper Berlin und der Neuköllner Oper als Technischer Direktor und Lichtdesigner.
Marcus Neustetter | VISUAL ARTIST

Marcus Neustetter (geb. 1976 in Johannesburg) erwarb 2001 einen MA Fine Arts an der Univ. of the Witwatersrand. Seine künstlerische Praxis ist geprägt von transdisziplinärer Zusammenarbeit, Ortsbezogenheit, sozial engagierten Interventionen sowie der Schnittstelle von Kunst und kulturellem Aktivismus. In Projekten in Afrika, Europa, Amerika und Asien sucht seine Arbeit eine Balance zwischen poetischer Form und kritischer Fragestellung, wobei die Zeichnung ein zentrales Element seines kreativen Prozesses bildet. Im Jahr 2000 gründete Neustetter The Trinity Session mit dem Fokus auf soziale Teilhabe und Kunst im öffentlichen Raum in komplexen Kontexten. 2020 war er Mitbegründer von The ZoNE, einer transdisziplinären Plattform für Forschung und Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft. Derzeit arbeitet er zwischen seinen Ateliers in Johannesburg und Wien.
Stacey Hardy | TEXT

Stacy Hardy ist Autorin, Forscherin und Herausgeberin, deren Arbeit die Schnittstellen von Verkörperung, Individuum und Gesellschaft erforscht. Sie ist Autorin der Kurzgeschichtensammlungen Because the Night (Pocko, 2015) und An Archaeology of Holes (Rot-Bo-Krik, Paris 2022; Bridge Books, Chicago 2023), und Co-Autorin von The Breathers zusammen mit Daniel Borzutzky. Ihre von der Kritik gefeierten Stücke und preisgekrönten Libretti wurden weltweit an Veranstaltungsorten und Festivals wie dem Festival d’Aix-en-Provence in Frankreich und dem Royal Opera House in London aufgeführt. Hardy ist Dozentin für Kreatives Schreiben an der Wits University, Redakteurin der panafrikanischen Plattform Chimurenga, Partnerin der afrikanischen Kreativschreib-Lehrinitiative Saseni und Gründerin von Ukuthula, einem Projekt, das neue Texte aus und gegen geschlechtsspezifische Gewalt entwickelt.
Sophie Jira | Dramaturgie

Sophie Jira ist seit der Spielzeit 2024/25 Dramaturgin an der Komischen Oper Berlin, wo sie mit Regisseur:innen wie Kirill Serebrennikov, Ruth Brauer-Kvam und Martin G. Berger zusammenarbeitete. Zudem gastiert sie regelmäßig an der Volksoper Wien und legt ihren Schwerpunkt auf Operette und Wiener Musik. Ihre Jugend verbrachte sie auf dem Stehplatz der Oper und studierte Musikwissenschaft an der Universität Wien. Erste berufliche Erfahrungen sammelte sie im Pressebüro der Wiener Staatsoper, der Organisation des Wiener Opernballs, im Wiener Narrenturm sowie in der Sendungsgestaltung beim Kultur-Radiosender Ö1.
Von 2020 bis 2024 war Sophie Jira als Musiktheaterdramaturgin am Theater Altenburg Gera engagiert, wo sie u. a. mit Achim Freyer, Bernd Mottl und Laurence Dale zusammenarbeitete. Ihre erste abendfüllende Operette Redoute in Reuß (Musik: Olav Kröger), verortet im Fürstentum Reuß-Greiz-Schleiz, wurde 2024 am Theater Gera uraufgeführt. Es folgten weitere Auftragswerke wie das Freilichtspektakel Der Weg des Orpheus (2025).
Sophie Jira ist Stipendiatin der Akademie Musiktheater heute der Deutsche Bank Stiftung in der Sparte Libretto. Ihr Opern-Dreiteiler SONST GUTE NACHT wird 2026 vom Ensemble Modern in Frankfurt am Main uraufgeführt.
DenNis Depta | Dramaturgie

Dennis Depta, 1988 in Cottbus geboren, ist Dramaturg, Performer und Musiker. Mit der Berliner (Musik)-Theatergruppe glanz&krawall sucht er seit 2014 unbekümmert die Konfrontation mit dem Rest der Gesellschaft– von der Hochkultur der Oper bis zur poetischen Verlorenheit eines Alleinunterhalters in der Dorfdisko. Dafür holt er mit Regisseurin Marielle Sterra Formate der Populärkultur wie Wrestling, Circus, Punkkonzerte oder Trabrennen ins Theater und bringen das Theater vermehrt in den Stadtraum, z.B. in Clubs, Strandbäder oder Psychiatrien. Seit 2019 initiieren Depta und Sterra die inklusive Theater- und Musik-Festivalreihe BERLIN is not…, für die Musikacts und Gruppen der Darstellenden Künste gleichermaßen Opern von Richard Wagner & CoKG für ein breites Publikum bearbeiten. Seit der Spielzeit 2025/2026 ist Depta Dramaturg an der Neuköllner Oper, Berlin. Er ist Gitarrist der Bands SCHROTTI STAR ORCHESTER und KANAL. Depta glaubt, dass Kunst von Wollen und nicht von Können kommt.
Sandra M. Heinzelmann | REGIEASSISTENZ / PRODUKTIONSLEITUNG

Nach ihrem Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, wo sie ihr Diplom in Musiktheater-Regie erlangte, zog sie nach Berlin. Dort wurde sie als Freiberufliche schnell Teil der pulsierenden Kulturszene der Hauptstadt. Neben der Theaterarbeit erforschte sie die Street Art-Welt, kreierte atmosphärische Soundscapes für Vernissagen und begeisterte das Publikum als Kassetten-DJane. Mit der Band Aeternitas schrieb und inszenierte sie das erste Goth-Rock-Musical der Welt – ein Experiment, das ihre Liebe zu außergewöhnlichen Formen des Musiktheaters widerspiegelt. Diese Leidenschaft lebt auch in den Live-Tutorials IT’S JUST OPERA, HONEY und IT’S JUST A LEITMOTIF, HONEY, die sie für die Neuköllner Oper entwickelte. Dank ihrer freiberuflichen Tätigkeit arbeitete sie mit renommierten Institutionen wie der Komischen Oper Berlin, Atze Musiktheater, Staatsoper unter den Linden und der Universität der Künste zusammen.
Hlengiwe Lushaba Madlala | Performerin

Hlengiwe Lushaba Madlala wurde in KwaMashu in Südafrika geboren und erhielt ihre Schauspiel-, Gesangs- und Tanzausbildung an der Tecknikon Natal (heute Durban Institute of Technology). Seither entwickelte sie diverse Choreografien und Inszenierungen für u. a. das EDGE Programme (It’s not over until the Fit Fat Phat Lady Sings) und das Dance Umbrella Festival (Is this Africa put a cross on the appropriate woman). Madlala wurde für ihre Arbeit mit dem Standard Bank Award für Tanz und dem Gauteng MEC Choreographic Award ausgezeichnet und ebenfalls durch ihre Schauspielleistung in My Brother’s Keeper 2024 für das SAFTA Golden Horn nominiert.
Auch stand sie bereits in Musicalproduktionen auf der Bühne, so u. a. für Hairspray The Musical, Touch my Blood und Lost in the Stars. 2013 inszenierte Madlala außerdem für die Via Katlehong Dance Company Cabaret. An der Komischen Oper Berlin tritt sie nun gemeinsam mit dem Kollektiv Centre for the Less Good Idea in Selemo auf.
Tshegofatso Khunwane | Performer

Tshegofatso Khunwane ist ein vielseitiger Vokalkünstler und afrikanischer Perkussionist, dessen Arbeit Musik, Tanz und Theater auf lokalen wie internationalen Bühnen miteinander verbindet. Er besitzt ein National Diploma in Vocal Arts sowie ein Advanced Diploma in Performing Arts (Musik) von der Tshwane University of Technology (TUT), wo seine Ausbildung die Grundlage für eine multidisziplinäre Performancekarriere legte.
Als Sänger und Perkussionist wirkte Tshegofatso an renommierten Tanzproduktionen mit, darunter Lekgoba unter der Regie von L.J. Makhele, präsentiert bei der Dance Umbrella (2019), im Incubator Programme (2020) sowie später am State Theatre im Rahmen des Kucheza Afrika Festivals (2021). Zu seinen weiteren Bühnenengagements zählen die TUT Dance Season (2019) sowie Internal von Sibonelo Mqunu, aufgeführt beim Kucheza Afrika Festival (2022) und an der Durban University of Technology (2024). Zudem war er als Sänger und Perkussionist in Imxinwa und Maai zu sehen, zwei Produktionen von Ziyabukwa Mankabane.
Ein bedeutender Höhepunkt seiner Karriere ist die fortlaufende Zusammenarbeit an Broken Chord, geschaffen von Gregory Maqoma und Thuthuka Sibisi. Als Teil des Quartetts tourte er zwischen 2021 und 2024 ausgiebig durch Europa sowie die USA, Kanada und das Vereinigte Königreich. Von 2022 bis 2024 war er zudem Mitglied von Mohile Music and Events, wo er als Perkussionist, Sänger, Tänzer und Casting Director an kulturellen Austauschprojekten in Indien (Mumbai, Greater Noida und Neu-Delhi) beteiligt war.
In seinem Abschlussjahr an der TUT übernahm Tshegofatso die Rolle des Monostatos in Mozarts Oper Die Zauberflöte. Seit 2022 tritt er weiterhin mit einer Vielzahl von Jazz-, African-Jazz-, Afro-Pop-, Perkussions- und Theaterensembles auf, darunter Routed Stems, Waffle House, Ibutho (Phila Dlozi), Milanzi Melodies und Indlovukazi, und arbeitet zudem mit DJs bei Veranstaltungen wie Gbedu Nights zusammen.
Die künstlerische Arbeit von Tshegofatso Khunwane zeichnet sich durch Vielseitigkeit, kulturellen Austausch und ein tiefes Engagement für afrikanischen musikalischen Ausdruck auf internationalen Bühnen aus.
Gregory „Kekelingo” Mabusela | Performer

Kekelingo (geboren als Gregory Kekeletso Mabusela) ist ein Musiker aus Soweto in Johannesburg.
Seine musikalische Reise begann 2001, als sein Lehrer für Kunst und Kultur ihm die Aufgabe stellte, Musikinstrumente zu bauen. Kekelingo begann damit, Trommeln aus recycelten Eimern und Dosen herzustellen. In diesem Prozess baute er außerdem ein Plastikhorn aus Plastikflaschen und einem Roll-on-Behälter. Dieses Instrument erzeugte Klänge, die an ein Saxophon und eine Trompete erinnerten.
2007 lief Kekelingo die Vilakazi Street in Orlando entlang und spielte dort als Straßenmusiker für Tourist*innen. Später war er regelmäßig in Newtown, Johannesburg, vor dem Market Theatre anzutreffen, wo er Hugh Masekela begegnete. Masekela war fasziniert von den Klängen, die Kekelingos Horn erzeugte, und ermutigte ihn, weiterhin auf dem Instrument zu spielen.
2009 nahm Kekelingo an SA’s Got Talent teil und erreichte das Halbfinale. Dieses Ereignis markierte den Beginn seiner Laufbahn als hauptberuflicher Musiker.
2010 schloss sich Kekelingo der international preisgekrönten Band The Muffinz als Schlagzeuger und Sänger an.
Auswahl weiterer Stationen:
2025: ACCES – Music In Africa Conference for Collaborations, Exchange and Showcases
2013: Siebenfache Nominierung für die SAMA Awards (mit The Muffinz)
2014: Metro FM Award als Beste Gruppe (The Muffinz)
2017: The Centre for the Less Good Idea, Season 2 – Enyangeni
2019: Holland Festival, Amsterdam (Enyangeni)
2023: Veröffentlichung der EP Kekelingo Due
2025: Moya – Chekhov International Theatre Festival
Vhahangwele Moopo | Performerin

Vhangwele Moopo ist eine südafrikanische Sängerin, deren Werk Chor-, klassische und Opernmusik umfasst. Ihr Talent zeigte sich früh und brachte ihr zahlreiche Auszeichnungen bei den Thirisanho-Schulwettbewerben ein. Später erweiterte sie ihre Bühnenerfahrung durch die Teilnahme an verschiedenen Diözesanchören und Auftritte bei den Old Mutual Choirs Wettbewerben zwischen 2010 und 2012. In dieser Zeit trat sie auch international in Deutschland mit dem Harmonious Ensemble auf und erlangte weltweite Bekanntheit. 2016 trat sie dem Vokalquartett LA Africa bei, das von Buchanan Marais geleitet wurde. Ihr klassisches Repertoire umfasst Soloauftritte aus Händels Messiah mit Soweto Angelic Voices. 2018 führte sie afrikanische Kunstmusik mit dem IONIAN Orchestra unter der Leitung von Bab Bhekumuzi Mngoma auf. Diese Zusammenarbeit setzte sich bis 2022 mit Aufführungen von Judas Makkabäus fort. Von 2023 bis 2024 arbeitete Moopo mit CSMI (Creator Senzo Music Initiative) in Partnerschaft mit dem IONIAN Orchestra unter der Leitung von Bab Mngoma zusammen.
Sie erweiterte auch ihr Opernrepertoire und arbeitete mit der malagassischen Tänzerin Gaby Saranouffi als Opernsängerin in Ranavalona III:The Chrysalis Queen of Madagascar zusammen. In dieser Spielzeit arbeitet sie als Performerin an SELEMO in Zusammenarbeit mit der Neuköllner Oper und der Komischen Oper Berlin.
Pertunia Msani | Performerin

Pertunia Mpumelelo Msani ist Absolventin der University of KwaZulu-Natal. Msanis berufliche Praxis basiert auf sozialem Engagement und Wirkung – Musik und Theater werden genutzt, um Welten zu überbrücken und Geschichten zu erzählen, die beginnen, unsere Gemeinschaften zu verändern. Msani ist eine Vokalkünstlerin, deren Interesse der Fähigkeit der Stimme gilt – ihrer Kraft sowie Menschen dabei zu helfen, ihre eigenen Stimmen zu entdecken. Msani hat einen Workshop-Prozess namens IZWI, der die Teilnehmer dazu einlädt, gemeinsam mit ihren eigenen Stimmen Lieder zu kreieren. Der Workshop-Prozess entstand durch Msanis EP Izwi., die den Beginn ihres Interesses an der Stimme als Instrument oder Werkzeug für Veränderung markierte. Msani war mehrere Jahre als kreative Forscherin und Mitglied einer Theatergruppe an University of the Witwatersand, Johannesburg tätig und arbeitete eng mit benachteiligten Gemeinschaften und Jugendlichen durch innovative Theaterinterventionen zusammen. Msani ist außerdem Partnerin des Centre for the Less Good Idea, wo professionelle Theaterstücke kreiert werden und mit diesen getourt wird.
Alma Sadé | Performerin

Alma Sadé hatte in ihrer Jugend mit Musik zwar wenig am Hut, aber zur Kunst zog es sie dennoch. In ihrer Heimat Tel Aviv hospitierte sie bei einem Schulpraktikum zunächst in der Requisitenabteilung des dortigen Opernhauses und verdingte sich anschließend als Inspizientin.
Auch damals war die Situation in Israel politisch aufgeheizt, geprägt von der Angst vor Krieg und Terror. Einmal begleitete Alma Sadé ihre Tante, eine Designerin, zu einer Fashion Show nach New York. Sadé blieb in der Stadt, die niemals schläft, und schlug sich durch. In der neuen Umgebung entdeckte sie schließlich auch ihre eigene Stimme. Erst beim Jazz, später auch im klassischen Gesang. Vier Jahre lang studierte sie am renommierten Mannes College in New York und wurde anschließend an die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf/Duisburg engagiert.
Mit Theresa Kronthaler, ihrer Arbeitskollegin und besten Freundin in Düsseldorf, besuchte sie Berlin, kurz nachdem diese dorthin ins Ensemble der Komischen Oper gewechselt hatte. Nur wenig später ergab sich dazu bereits eine Gelegenheit, als eine Zerlina für Peter Konwitschnys Inszenierung von Don Giovanni gesucht wurde. Barrie Kosky hörte sie und lud sie zu einer Arbeitsprobe. Seit der Spielzeit 2014/15 ist sie nun festes Ensemblemitglied an der Komischen Oper Berlin.
Polly Ott | Performerin

Polly Ott ist eine neuseeländische Sopranistin und lebt seit 2012 in Berlin. Sie studierte an der University of Canterbury in Christchurch sowie an der Universität der Künste Berlin, wo sie ihren Master in Oper mit Auszeichnung abschloss. Ihr erstes Engagement in Deutschland führte sie 2013 an die Neuköllner Oper mit AIRRossini.
Seither gastiert sie an Opern- und Konzerthäusern in Europa und Neuseeland, darunter die New Zealand Opera, die Berliner Philharmonie, die Komische Oper Berlin, das Theater Magdeburg, die Laeiszhalle Hamburg und das Cuvilliés-Theater München. Zu ihren prägenden Partien zählen Despina (Così fan tutte) und Anne Frank (The Diary of Anne Frank). Im Konzertfach war sie unter anderem in Mozarts Exsultate Jubilate, Bachs Johannes-Passion und Mahlers 2. Sinfonie zu erleben.
Polly Ott vereint stimmliche Vielseitigkeit mit eindrucksvoller Bühnenpräsenz – OperaWire lobt sie als „contemporary singing actor“. Als eigenständige Künstlerin realisierte sie das international ausgezeichnete Musikvideo Ophelia’s Aria und veröffentlichte 2024 ihr Debütalbum Mother Earth bei Atoll Records.
Deniz Tahberer | Violine

Deniz Tahberer ist ein türkisch-kanadischer Geiger und Komponist, der für seine ausdrucksstarken solistischen und kammermusikalischen Interpretationen ebenso geschätzt wird wie für seine stilistische Offenheit und künstlerische Neugier. Als Solist und Kammermusiker ist Deniz Tahberer eine feste Größe im Musikleben Sachsens und Berlins.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte er durch den Gewinn des 1. Preises beim XXIX. Michelangelo-Abbado-Violinwettbewerb in Mailand (2010). Zwei Jahre später folgte – gemeinsam mit dem Pianisten Ammiel Bushakevitz – der 1. Preis beim Internationalen Duo-Wettbewerb der Musikakademie Lausanne (2012). Diese Auszeichnungen markierten den Beginn einer internationalen Karriere, die ihn auf renommierte Bühnen in ganz Europa führte.
Neben seiner Tätigkeit als Interpret widmet sich Tahberer mit großer Leidenschaft dem Komponieren. Seine frühen Werke entstanden im Spannungsfeld zwischen traditioneller türkischer Musik und europäischen klassischen Formen. In den letzten Jahren hat sich seine kompositorische Sprache deutlich erweitert: Elektronische Klangwelten, globale Einflüsse sowie rhythmische Impulse aus südafrikanischen und anderen weltmusikalischen Traditionen prägen zunehmend sein aktuelles Schaffen. Seine Musik reflektiert eine offene, zeitgenössische Haltung und überschreitet bewusst kulturelle und stilistische Grenzen.
Seit mehreren Jahren ist er als stellvertretender Konzertmeister an der Komischen Oper Berlin tätig, wo er seine Erfahrung als Solist, Kammermusiker und Ensemblekünstler vereint.
Julia Lindner de Azevedo Conte | Viola

Julia Lindner de Azevedo Conte ist seit 2019 Bratschistin an der Komischen Oper Berlin und bei SCHALL&RAUSCH eine vertraute Stimme: die Festivalreihe ist für sie seit der ersten Ausgabe Labor und Spielwiese zugleich — ein Ort, an dem Orchestererfahrung auf experimentelle Formate trifft und interkulturelle Verbindungen schafft.
Kammermusik, zeitgenössische Uraufführungen und unkonventionelle Kollaborationen gehören genauso zu Julia wie das klassische Repertoire. Sie studierte ihr Instrument an der HfM Hanns Eisler Berlin bei Prof. Pauline Sachse und schloss 2023 ihren Master an der UdK Berlin bei Prof. Wilfried Strehle ab (ehemals Solo-Bratschist der Berliner Philharmoniker).
Meisterkurse bei Prof. Andreas Willwohl und Prof. Hartmut Rohde, sowie der intensive Austausch mit Elizaveta Zolotova (RSB) waren ebenso musikalische Impulsgeber wie das Experimentieren im Studio mit Bands wie Corvus Corax und The Tunics, oder dem Jazz-Klavierquintett Maria Baptist&Strings, dem sie 2014-2016 angehörte.
Als Akademistin im Rundfunksinfonieorchester Berlin und in mehreren Jahre als temporäres Mitglied im Gewandhausorchester Leipzig lernte sie die gefragtesten Solisten und Dirigenten unserer Zeit kennen und erarbeitete sich ein orchestrales Repertoire durch sämtliche Epochen und Genres. Dieses breite Spektrum macht sie heute zur gefragten Aushilfe in diversen Orchestern national und international, wie u.a. dem DSO, dem Konzerthaus, der Deutschen Oper Berlin oder dem OSESP in São Paulo.
Mit dem Kammerorchester Metamorphosen Berlin spielte sie mehrere CDs für Sony classical ein.
Arnulf Ballhorn | Kontrabass

Arnulf Ballhorn ist seit über 25 Jahren Bassist im Orchester der Komischen Oper Berlin und dort auch in kammermusikalische Produktionen und interkulturelle Projekte involviert. Sein Kontrabass-Studium absolvierte er bei Prof. Rainer Zepperitz, dem langjährigen Solo-Bassisten der Berliner Philharmoniker.
Musikalische Vorlieben lassen sich für ihn schwer eingrenzen: Neben seiner Arbeit im Orchester gehören zeitgenössische Musik und klassische Kammermusik ebenso wie Jazz und Tango und die intensive Arbeit mit dem E-Bass zu seinen musikalischen Grundbedürfnissen. Er spielt regelmäßig auf internationalen Festivals unterschiedlichster Musikrichtungen und betreibt außerdem ein eigenes Label und Studio.
Im Orchester geht sein Engagement über den „normalen“ Dienst weit hinaus. Im Team von SelamOpera und besonders für den „Operndolmuş“ konnte Arnulf Ballhorn Ideen und Erfahrungen einbringen.
Bei einigen der aufsehenerregenden Festivals der Komischen Oper Berlin der vergangenen Jahre (u. a. den beiden Tango-Festivals und dem Festival SCHALL&RAUSCH) sind verschiedene Programmbausteine maßgeblich von ihm gestaltet worden.
Magdalena Bogner | Querflöte

Die österreichische Flötistin Magdalena Bogner ist seit September 2015 Soloflötistin an der Komischen Oper Berlin. Sie gastiert bei Orchestern wie den Wiener Symphonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig und der Staatsoper Unter den Linden sowie bei führenden deutschen Rundfunkorchestern und arbeitete mit renommierten Dirigenten wie Kirill Petrenko, Zubin Mehta und Simon Rattle.
Neben vielseitiger kammermusikalischer Tätigkeit ist sie seit 2017 festes Mitglied des Ensembles der 14 Berliner Flötisten. Des Weiteren begleitet sie seit Juli 2023 als Dozentin der Flötengruppe das Verbier Festival Junior Orchestra.
Seit dem Sommersemester 2025 baut Bogner eine eigene Flötenklasse an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar auf.
Tuyêt Pham | Klavier

Tuyêt Pham wurde als Kind vietnamesischer Eltern in Paris geboren und lebt heute in Berlin. Als Pianistin widmet sie sich vorwiegend der Kammermusik. Neben dem klassischen Repertoire beschäftigt sie sich mit lateinamerikanischer Musik, jüdischen
Liederabenden, zeitgenössischer Musik, sowie improvisierte Musik. Sie war Mitgründerin der Gruppe Vibratanghissimo (Tango/Jazz), mit der sie über viele Jahre konzertierte. Mit dem Bandoneonisten und Komponisten Helmut Abel gründete sie das Mafalda Ensemble, das sowohl Werke von Helmut Abel als auch tango-inspirierte Musik aufführt.
Tuyêt Pham studierte in Paris und Berlin. Künstlerisch prägend waren für sie insbesondere die Begegnungen mit und der Unterricht bei Klaus Hellwig, György Sebők, Aribert Reimann und Dietrich Fischer-Dieskau.
Neben ihre Konzerttätigkeit ist Tuyêt Pham eine engagierte Musikpädagogin und unterrichtet seit vielen Jahren in Berlin.
In Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin und dem Centre for the Less Good Idea, Johannesburg


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