WUNDERKAMMER-Reihe

MUSIK   WELT   STAUNEN

Könnten wir unserem Leben und dieser (meist komplizierten) Welt noch anders begegnen als auf der üblichen Weise? Könnte darin auch Glück liegen?

In der Veranstaltungsreihe WUNDERKAMMER verbinden sich Musik, Wissenschaft und Philosophie mit einem etwas anderen Blick auf die Welt, ausgehend von ausgewählten Phänomenen aus unserem Alltag. Dabei bieten uns die Spiegelkabinette der historischen Wunderkammern einen produktiven, sinnlichen Echoraum, in dem wir heutige Erfahrungen mit Denkfiguren aus der Antike und Renaissance in Beziehung und Resonanz bringen.

Die Wunderkammern um 1600 – Vorformen heutiger Museen – stellten ihre oft bizarren Exponate aus Kunst, Handwerk, Natur und Wissenschaft in einen ganzheitlichen „Weltzusammenhang“, der uns heute oft fehlt. Davon inspiriert gestaltet die Neuköllner Oper neue, eigene WUNDERKAMMERN, die ein neugieriges Publikum mit Expert*innen aus Musik, Wissenschaft und Kunst zusammenführen. Musik ist hier die wichtigste Verbündete und eine Art Botin, in ihrem Schwingungsfeld fügen wir Fundstücke, Erzählungen und Experimente von damals und heute zusammen – und versuchen uns im Staunen, das mit der „Neugier des Kindes und der des Gelehrten“ (Alexander von Humboldt) eine höchst produktive Haltung zur Welt eröffnet.

Die WUNDERKAMMER Reihe begann mit zwei Programmen im Herbst 2019.

Aufgrund ihres Erfolges findet eine neue Reihe mit vier Programmen in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Schering Stiftung statt.

Konzeption und Moderation: Bernhard Glocksin, Künstlerischer Leiter der Neuköllner Oper
Konzeption, Recherche, Ausstattung: Sabrina Rossetto, Architektin/Bühnenbildnerin


WUNDERKAMMER III – PILZE: WARUM WIR KEINE INDIVIDUEN SIND

Im herbstlichen Prinzessinnen-Garten begegnen wir faszinierenden Lebewesen. Sie lassen uns staunen, singen und die Welt anders sehen. Was auch immer Sie über Pilze dachten: Pilze und Menschen sind ein untrennbares Team. Sie sind überall, in, um und zwischen uns. Sie halten uns am Leben, bauen Schadstoffe in der Atmosphäre ab, verändern das Verhalten von Tieren und Pflanzen und beeinflussen, wie wir Menschen fühlen und denken. Und: Pilze und vor allem Myzelien, ihr unterirdisches Geflecht aus fadenförmigen Ausläufern, zeigen faszinierende Muster von Intelligenz, Kommunikation und Organisation – auch, dass wir keine Individuen im klassischen Wortsinn sind. Inspirationen zur Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit?

Mit der Pilz Expertin, Mikrobiologin und Künstlerin Vera Meyer, dem Fachmann für Schwarm- und andere Organisationsformen Jens Krause und Musiker*innen begeben wir uns auf eine Reise durch Gärten, Kapelle und Friedhof, werden selbst Teil von Strukturen und einer Musik, die über einfache Kanons bis zu komplexer Polyphonie sinnliche Widerspiegelungen des Erlebten sind.

Mit Prof. Dr. Vera Meyer, Mikrobiologin (TU Berlin), Prof. Dr. Jens Krause (HU Berlin), Markus Syperek (Musikalische Leitung) und weiteren Musiker*innen mit Musik von Monteverdi bis Gegenwart.
Gastgeber und Moderation: Bernhard Glocksin
Raumgestaltung: Sabrina Rossetto

Prinzessinnengarten und Kiezkapelle Neukölln, 9. – 11. September 2021

 

WUNDERKAMMER IV – WUNDERWERK KÖRPER

Einladung zum Blind Date: mit dem wichtigsten Partner – unserem Körper und Geist. Treffpunkt: die Rotunde von Schinkel im Alten Museum, dort wo uns Asklepius, der große Arzt der Antike zusieht. Wo uns Musik empfängt und führt, zur Begegnung mit dem Organismus, der wir sind, voll raffinierter Selbstregulation im Wechselspiel von „body and mind“, Geist, Körper und Seele. Da jedes Denken über den Körper auch ein Blick aufs Ganze, jedes Gesundheits- „System“ auch ein Weltbild ist, laden wir ganz konkret und mit allen Sinnen zum Blickwechsel und zur Selbstbegegnung ein. Reiseleitung: der Neurowissenschaftler, Arzt und Bestseller-Autor Tobias Esch und die Anthropologin Mona Schrempf mit aktuellen wie grundlegenden Erkenntnissen zur Integrativen Medizin, zu asiatischen Konzepten und Heilmethoden, zur Psychoneuroimmunologie u.a. Mit Musik aus China und Europa aus unterschiedlichsten Zeiten, gespielt vom Sheng-Virtuosen Wu Wei und dem Komponisten Niko Meinhold.

Mit Prof. Dr. Tobias Esch (Uni Witten Herdecke), Dr. Mona Schrempf (u.a. HU Berlin), Wu Wei (Sheng und andere traditionelle chinesische Instrumente), Niko Meinhold (Harfe, Glockenspiel u.a.)
Gastgeber und Moderation: Bernhard Glocksin

12. und 13. November 2021, Schinkel Rotunde im Alten Museum zu Berlin

 

WUNDERKAMMER V: MUSIK IM KOPF

Wir sind erneut selbst das „Material“ unserer Entdeckungsreise: Wir, das Publikum und die Sänger*innen und Musiker*innen bei Ausschnitten des Musiktheaters LILI – über die Lebensgeschichte und Musik der hochtalentierten und früh verstorbenen Lili Boulanger.
Der Theatersaal wird nun zum Erlebnisraum, der Gehirnaktivitäten bei und durch Musik sichtbar macht und – das wäre ein zweites Experiment – Messwerte zurück verwandelt in Musik und Bild. Hierzu tragen ausgewählte Testpersonen aus dem Ensemble und Publikum leichte Headsets, die Messwerte ihrer Gehirnströme sichtbar machen. So werden Kenntnisse der Neurowissenschaften und angewandter Disziplinen (Brain Computer Interface etc) sicht- und erlebbar, und wir können uns auf die Spur gewisse Fragen begeben: wie ist das mit dem „Gänsehauteffekt“ bei spezieller Musik? Bei wem tritt er wann auf, und bei wem nicht?  Wie lassen sich verwandte Gefühle wie Mitgefühl oder Ergriffenheit messen und erklären? Und schließlich: zu welchen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen komme ich beim Opern- und Theaterbesuch?

Mit Prof. Dr. Petra Ritter (FU Berlin, angefragt) u.a., Ensemblemitgliedern des Stücks LILI und Publikum der Neuköllner Oper.
Gastgeber und Moderation: Bernhard Glocksin
Raumgestaltung: Sabrina Rossetto

Ende April 2022, Neuköllner Oper

 

WUNDERKAMMER VI: SEHNSUCHT NACH SCHÖNHEIT    

Sommerabend in einer außergewöhnlichen Echokammer: einem Orientalischen Garten. Wo sonst könnten wir der großen Frage nach der Schönheit umfriedeter und anschaulicher begegnen als hier? Der geheimnisvollen Kraft nachspüren, die Schönheit und Musik in uns wachrufen? Die „verborgenen“ Gärten des arabischen und des christlichen Kulturraums waren Orte der Inszenierung von Schönheit als Zeichen und Weg zu einem Darüberhinaus-Liegenden. Hier im Wechselspiel von Orient und Okzident gehen wir auf eine interkulturelle Entdeckungsreise zur Gestalt und Wirksamkeit von Schönheit, im Blick „zurück“ mit dem Altorientalisten Walter Sommerfeld und im Blick „voraus“ zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen mit der Neurokognitions-Psychologin Rasha Abdel Rahman (angefragt). Barockharfe, persische Kunstlieder und heutige Elektronik verbinden sich zu einem die Kulturen und Jahrhunderte durchschreitenden musikalischen Ost-West-Diwan.

Und: Was wäre „Schönheit“ in Beziehungen unter Menschen, in der Gesellschaft sowie zur Natur und Zukunft? Könnte sie eine neue Dynamik und produktive Kraft im Sozialen entfalten?

Mit Prof. Dr. Walter Sommerfeld (Uni Marburg), Prof. Dr. Rasha Abdel Rahman (HU Berlin, angefragt), Luise Enzian (Barockharfe), Kaan Bulak  (Electronics, Komposition), Cymin Samawatie (Gesang, Komposition). Gastgeber und Moderation: Bernhard Glocksin, Einrichtung: Sabrina Rossetto

8./9. Juli 2022 im Orientalischen Garten/Saal der Empfänge, Gärten der Welt


In Kooperation mit

 

 

 


Bisher:

WUNDERKAMMER I – Klang und Weltbild
DIE LUFT ZWISCHEN DEN SAITEN.
Eine Reise mit der Barockharfenistin Luise Enzian zu den Ursprüngen der Musikgeschichte und in den Echoraum der Renaissance, mit Erkenntnissen über die Welt, die zentrale Rolle der Musik, kleinen Experimenten und Klangbildern von Lena Wenta.
19./20. September 2020 in der Neuköllner Oper.

WUNDERKAMMER II – Imagination und Geruch
DIE TRÄUME DES ALEXANDER VON HUMBOLDT. Eine Klang- und Geruchsreise nach Mexiko.
Die Komponistin Diana Syrse, die Sopranistin Ana Schwedhelm und die Neurowissenschaftlerin Anna D’Errico (Goethe-Universität & Max Planck Institut Frankfurt) führen in eine Expedition der inneren Sinne.
23. und 24. Oktober 2020 in der Kiez-Kapelle des Prinzessinnengarten Kollektivs Neukölln.


Foto: © Sabrina Rossetto

WUNDERKAMMER I: Die Luft zwischen den Saiten

Eine Reise zum Ursprung abendländischer Musik mit der Barockharfenistin Luise Enzian.

Vorab: Was ist die WUNDERKAMMER? Eine neue Veranstaltungsreihe, die Künstler*innen, Philosoph*innen, Wissenschafter*innen und ein neugieriges Publikum zusammen führt in einem gemeinsamen „Resonanzraum“. Hier erleben wir Musik als zentrale Begegnung mit uns selbst und der Welt und verbinden sie mit philosophischen und wissenschaftlichen Betrachtungen und Experimenten. Denn macht es nicht Sinn (und Genuss), sich den Dingen einmal anders zu nähern als über Diskussion, Faktencheck und Disput? In der WUNDERKAMMER lassen wir uns vom Geist der historischen Wunderkammern um 1600 inspirieren: mit der Sammlung unterschiedlichster Fundstücke aus Kunst, Natur und Wissenschaft verband sich damals die Idee, dass alles in unserer Welt miteinander und in besonderer Weise verbunden sei, wahrgenommen über das Staunen, Bewundern und Berührtwerden.

Den Grundstein für unsere vierteilige Reise/Reihe legt die Barock-Harfenistin Luise Enzian. In DIE LUFT ZWISCHEN DEN SAITEN führt sie uns mit ihrem Instrument an die Ursprünge der abendländischen Musik und Kultur und ihrer „Wiedergeburt“ in der Renaissance. Kompositionen vergessener und berühmter Meister aus Renaissance und Barock wie Johann Jakob Froberger, Athanasius Kircher, Johann Hieronymus Kapsberger und Johann Sebastian Bach bringen uns in einen Resonanzraum jener Zeit, in der die Grenzen zwischen Wissenschaft, Intuition und Spekulation noch fließend waren. Wie etwa das musikalische und wissenschaftliche Wirken des Universalgelehrten Athanasius Kircher, der international “vernetzt“ mit führenden Intellektuellen seiner Zeit korrespondierte – u.a. mit dem Vater Galileo Galileis – und zugleich eine Wunderkammer unterhielt, in der er „Himmels- und Erdgloben“, den „Schwanz einer Meerjungfrau“ und eine Orgel ausstellte, die „ein Konzert aus jeglicher Art Vogelgesang spielte und die eine mitten in der Luftschwebende sphärische Kugel trug.“

Die damaligen Studien über Musik, Physik, Pythagoras, Schwingung und Kosmos erzählen auf eindrückliche Weise von einer Welt, in der Musik eine wahrhaft zentrale Rolle spielte. Im Geiste des Wunderns und der Wunderkammern als Forschungs-Labore gewährt uns die Klangkünstlerin Lena Wenta Einblicke in die „Ur-Materie der Musik“, in Schwingungen und Frequenzen, zu sehen in einem physikalisch-ästhetischen Experiment. Aber mehr sei hier nicht verraten: schließlich soll unsere WUNDERKAMMER ein Raum gemeinsamer Entdeckungen sein.

Mit: Luise Enzian (Musik und Moderation), Lena Wenta (Klangbilder) und Bernhard Glocksin (Moderation). Ausstattung: Sabrina Rossetto

Bitte beachten Sie unsere Sicherheitshinweise zum Kartenkauf und Besuch unseres Hauses.


Foto: (c) Wenzel Stählin