WUNDERKAMMER-Reihe

MUSIK   WELT   STAUNEN

Könnten wir unserem Leben und dieser (meist komplizierten) Welt noch anders als auf der üblichen Weise begegnen? Könnte darin auch Glück liegen?

In einer neuen Veranstaltungsreihe verbinden wir Musik, Kunst, Wissenschaft mit einem etwas anderen Blick auf die Welt, ausgehend von einzelnen Phänomenen aus unserem Alltag. Dabei bieten uns die Spiegelkabinette der historischen Wunderkammern einen produktiven, sinnlichen Echoraum, in dem wir heutige Erfahrungen mit Denkfiguren aus der Antike und Renaissance in Beziehung und Resonanz bringen.

Die Wunderkammern um 1600 – Vorformen heutiger Museen – stellten ihre oft bizarren Exponate aus Kunst, Handwerk, Natur und Wissenschaft in einen ganzheitlichen „Weltzusammenhang“, der uns heute oft fehlt. Davon inspiriert gestaltet die Neuköllner Oper neue, eigene WUNDERKAMMERN, die ein neugieriges Publikum mit Expert*innen aus Musik, Wissenschaft und Kunst zusammenführen. Musik ist hier die wichtigste Verbündete und eine Art Botin, in ihrem Schwingungsfeld fügen wir Fundstücke, Erzählungen und Experimente von damals und heute zusammen – und versuchen uns im Staunen, das mit der „Neugier des Kindes und der des Gelehrten“ (A.v.Humboldt) eine höchst produktive Haltung zur Welt eröffnet.

Die Wunderkammern im Überblick:

WUNDERKAMMER I – Klang und Weltbild
DIE LUFT ZWISCHEN DEN SAITEN.
Eine Reise mit der Barockharfenistin Luise Enzian zu den Ursprüngen der Musikgeschichte und in den Echoraum der Renaissance, mit Erkenntnissen über die Welt, die zentrale Rolle der Musik, kleinen Experimenten und Klangbildern von Lena Wenta.
19./20. September 2020 in der Neuköllner Oper.

WUNDERKAMMER II – Imagination und Geruch
DIE TRÄUME DES ALEXANDER VON HUMBOLDT. Eine Klang- und Geruchsreise nach Mexiko.
Die Komponistin Diana Syrse, die Sopranistin Ana Schwedhelm und die Neurowissenschaftlerin Anna D’Errico (Goethe-Universität & Max Planck Institut Frankfurt) führen in eine Expedition der inneren Sinne.
23. und 24. Oktober 2020 in der Kiez-Kapelle des Prinzessinnengarten Kollektivs Neukölln.

WUNDERKAMMER III – Musik und Kosmos
THE UNANSWERED QUESTION. Eine musikalische Fragestellung an das Universum.
Als der amerikanische Komponist Charles Ives mit The Unanswered Question „die immerwährende Frage nach dem Sein“ stellt, entsteht durch Einsteins Relativitätstheorie ein völlig neues Bild von Raum, Zeit, Kosmos und menschlichem Leben. Wir begegnen den großen, unbeantworteten Fragen auf besondere und persönliche Weise: im Dialog zwischen den beiden jungen Musikern Sebastian Caspar und Michael Riemer (WILD STRINGS) mit Improvisationen, Bach, Bartok u.a. und der Astrophysikerin Sibylle Anderl. In Koproduktion mit der Stiftung Planetarium. Verschoben auf Frühjahr 2022 im Zeiss-Großplanetarium.

WUNDERKAMMER IV – Licht, Farbe und Musik
299.792.458 299.792.458 m/s. – Dein allererstes Wort war: Licht

Welche Erfahrungen können wir noch mit dem machen, was uns so elementar, unausweichlich wie alltäglich umgibt und formt: mit Licht? Dafür begeben wir uns ins Schattenreich einer „unterirdischen, urbanen Höhle“  – in den Großen Wasserspeicher auf dem Wasserturmplatz/Prenzlauer Berg – und hinein in drei konzentrische Kreise. Hier erwarten uns der Regisseur und Videodesigner Vincent Stefan, der Komponist Christopher Verworner, ein Lichtexperte und andere Künstler*innen und laden ein zu einer persönlichen Begegnung mit Licht, Farbe, Gesundheit und Transzendenz. Und natürlich Musik.
27./28. August 2021 im Großen Wasserspeicher, Belforter Str. – Begrenzte Teilnehmer*innenzahl

Weitere WUNDERKAMMERN sind in Vorbereitung:

Ein nächtliches Konzert mit Vögeln: STADT DER NACHTIGALLEN – Eine Begegnung mit äußerst kreativen und kommunikativen Wesen: PILZE-WAS SIE UNS ÜBER INTELLIGENZ LEHREN – Ein besonderer Blick auf unseren KÖRPER ALS WUNDERWESEN – Eine Besichtigung von MUSIK IM KOPF – Ein Spurensuche zu SCHÖNHEIT

Konzeption und Moderation: Bernhard Glocksin

Konzeption, Recherche, Ausstattung: Sabrina Rossetto

 

WUNDERKAMMER I: Die Luft zwischen den Saiten

Eine Reise zum Ursprung abendländischer Musik mit der Barockharfenistin Luise Enzian.

Vorab: Was ist die WUNDERKAMMER? Eine neue Veranstaltungsreihe, die Künstler*innen, Philosoph*innen, Wissenschafter*innen und ein neugieriges Publikum zusammen führt in einem gemeinsamen „Resonanzraum“. Hier erleben wir Musik als zentrale Begegnung mit uns selbst und der Welt und verbinden sie mit philosophischen und wissenschaftlichen Betrachtungen und Experimenten. Denn macht es nicht Sinn (und Genuss), sich den Dingen einmal anders zu nähern als über Diskussion, Faktencheck und Disput? In der WUNDERKAMMER lassen wir uns vom Geist der historischen Wunderkammern um 1600 inspirieren: mit der Sammlung unterschiedlichster Fundstücke aus Kunst, Natur und Wissenschaft verband sich damals die Idee, dass alles in unserer Welt miteinander und in besonderer Weise verbunden sei, wahrgenommen über das Staunen, Bewundern und Berührtwerden.

Den Grundstein für unsere vierteilige Reise/Reihe legt die Barock-Harfenistin Luise Enzian. In DIE LUFT ZWISCHEN DEN SAITEN führt sie uns mit ihrem Instrument an die Ursprünge der abendländischen Musik und Kultur und ihrer „Wiedergeburt“ in der Renaissance. Kompositionen vergessener und berühmter Meister aus Renaissance und Barock wie Johann Jakob Froberger, Athanasius Kircher, Johann Hieronymus Kapsberger und Johann Sebastian Bach bringen uns in einen Resonanzraum jener Zeit, in der die Grenzen zwischen Wissenschaft, Intuition und Spekulation noch fließend waren. Wie etwa das musikalische und wissenschaftliche Wirken des Universalgelehrten Athanasius Kircher, der international “vernetzt“ mit führenden Intellektuellen seiner Zeit korrespondierte – u.a. mit dem Vater Galileo Galileis – und zugleich eine Wunderkammer unterhielt, in der er „Himmels- und Erdgloben“, den „Schwanz einer Meerjungfrau“ und eine Orgel ausstellte, die „ein Konzert aus jeglicher Art Vogelgesang spielte und die eine mitten in der Luftschwebende sphärische Kugel trug.“

Die damaligen Studien über Musik, Physik, Pythagoras, Schwingung und Kosmos erzählen auf eindrückliche Weise von einer Welt, in der Musik eine wahrhaft zentrale Rolle spielte. Im Geiste des Wunderns und der Wunderkammern als Forschungs-Labore gewährt uns die Klangkünstlerin Lena Wenta Einblicke in die „Ur-Materie der Musik“, in Schwingungen und Frequenzen, zu sehen in einem physikalisch-ästhetischen Experiment. Aber mehr sei hier nicht verraten: schließlich soll unsere WUNDERKAMMER ein Raum gemeinsamer Entdeckungen sein.

Mit: Luise Enzian (Musik und Moderation), Lena Wenta (Klangbilder) und Bernhard Glocksin (Moderation). Ausstattung: Sabrina Rossetto


Die WUNDERKAMMER-Reihe

Vier Programme laden Sie im Laufe der kommenden Spielzeit zu unterschiedlichen Orten in Berlin, in die Kiez-Kapelle im Prinzessinnengarten an der Hermannstraße in Neukölln, ins Zeiss-Großplanetarium und andernorts. Auf den ersten o.g. Abend folgt am 23. und 24. Oktober eine immersive Klang- und Geruchsreise: MIT HUMBOLDT NACH MEXICO, geleitet von der Komponistin Diana Syrse und der Neurowissenschaftlerin Anna D’Errico (Goethe Universität und Max Planck Institut Frankfurt). Im Februar geht es ins Zeiss-Großplanetarium, dort stellen das Musikerduo „Wild Strings“ und die Astrophysikerin und Philosophin Sibylle Anderl mit Musik von Charles Ives u.a. spannende Fragen an das Universum. Und für den März ist ein Abend mit Skrijabin, dem Videokünstler Vincent Stefan und Pianisten Markus Syperek in Vorbereitung.

Konzeption, Ausstattung: Bernhard Glocksin, Sabrina Rossetto

Bitte beachten Sie unsere Sicherheitshinweise zum Kartenkauf und Besuch unseres Hauses.


Foto: (c) Wenzel Stählin