Blaubart

Oper von André Ernest Modeste Grétry (1789)
Regie: Rudolf Danker, Musikalische Leitung: Winfried Radeke
Premiere am 30. Juli 1999 im Stift Neuzelle

Im gleichen Jahr, in dem die Französische Revolution begann, 1789, schrieb der Belgier Grétry in Frankreich seine Oper Blaubart (Raoul Barbe-Bleue), die auf’s Schönste mit diesem geschichtsträchtigen Datum korrespondiert. Blaubart ist bei genauerem Hinsehen durchaus ein Stück Musiktheater, das das damals wie heute überaus heikle Thema des Tyrannenmordes verhandelt, wenn auch in ein märchenhaftes Gewand verhüllt. Diese Märchenumhüllung allerdings ist derart makaber, daß sie beim ersten Hinsehen fast nicht zur Schönheit und G-dur – Seligkeit der Musik zu passen scheint. Beim zweiten und genaueren Hinsehen eröffnet sich allerdings eine ganz andere, vielschichtigere Dimension: Grétry beschreibt eine Welt, die unter der polierten, harmonischen und sich edel und parfümiert gebenden Fassade von Abgründen und Alpträumen gehetzt wird. So wird das bei Charles Periault entliehene Märchen vom Frauenmörder Blaubart plötzlich zu einem erhellenden Beitrag über eine Epoche, die sich längst überlebt hat, die an der Schwelle zu einer neuen Zeit steht. Daß diese Oper, die ziemlich unverblümt den Tyrannenmord zur Diskussion stellt, aber außerdem eine herzlich dekadente Welt präsentiert, einigen Zeitgenossen ein wenig contre coeur ging, ist durchaus zu verstehen – und genau darin liegt noch heute ihre Qualität.

Textfassung von Winfried Radeke nach einer Übersetzung aus dem Alt-Französischen von Frédérique Brillouin; Musikalische Leitung: Winfried Radeke/Hans-Peter Kirchberg/Christian Glinz; Regie: Rudolf Danker; Bühnenbild und Kostüme: Barbara Keiner

Mit: Lilia Milek, Dirk Kleinke, Burkhard Schulz, Alwin Kölblinger, Klaus Wegener, Ralf Moritz, Linda Naumann, Silvia Däumichen und Alexandra Stolzenburg