Die Fleisch

Vier Rituale mit der Oper Ayamé von Kosaku Yamada
Erstaufführung. Ab 23. Februar. Bis 7. April 2019

1931 schreibt der japanische Komponist Kósçak(»Kosaku«) Yamada – der zuvor u. a. in Berlin studiert hatte – für Paris den Operneinakter Ayamé. Als »Opéra choréographique« untertitelt, ist das zwischen Debussy, Richard Strauss und japanischen Klängen oszillierende Werk alles andere als eine Ballettmusik, sondern das kammerspielartige Drama des Mädchens Ayamé, das als Prostituierte arbeiten muss, um die Schulden des verstorbenen Vaters zu tilgen und die Ehre der Familie wiederherzustellen. Als alle Versuche ihres Bräutigams scheitern, sie aus dem Bordell zu befreien, bleibt dem jungen Paar nur ein anderer – traditionell japanischer – Ausweg.
Wir folgen der Frage Ayamés, wem unser Körper gehört. Zu Beginn wird Ayamé auf den Tokaido geschickt, den großen Handelsweg, an dessen Ziel das Bordell liegt. Scheinbar nur eine weitere Männerphantasie der Operngeschichte. Doch Ayamé widersetzt sich und begehrt auf, fordert Selbstbestimmung über ihren Körper und über ihr Schicksal. Wie weit können wir heute, fast 90 Jahre später, über unseren Körper selbst bestimmen, der längst zu einer Ware geworden ist, deren Wert wir permanent versuchen zu optimieren?
Die Inszenierung von Fabian Gerhardt (Iris, Affe, Der Schuss 2.6.1967 und zuletzt Die Weise von Liebe und Tod) geht vom Ritual aus, auch um (in einem Wort von Vincent Stefan) „der scheinheiligen Ratio der Neuzeit die Groteske, das Geheimnisvolle, das Nichtverstehbare und das Absurde entgegenzustellen…“ Markus Syperek – Musiker, Komponist und Arrangeur für zahlreiche Opern-, Schauspielhäuser und Festivals – schrieb hierfür die musikalische Fassung. Wie die Okichi-Oper wurde Ayamé szenisch noch nie in Europa gespielt, da die geplante Pariser Uraufführung im Juni 1931 nicht zustande kam. So blieb Yamada zunächst nur, Ayamé in Form einer Konzertsuite zu präsentieren – er dirigierte sie mit großem Erfolg u.a. in den USA, in Russland und Berlin – 1937 mit den Berliner Philharmonikern.

Musikalische Einrichtung und Leitung: Markus Syperek | Konzept: Vincent Stefan | Inszenierung: Fabian Gerhardt | Bühne: Sabrina Rossetto| Kostüm: Rebekka Dornhege Reyes | Videos: Florian Japp, Vincent Stefan | Dramaturgie: Bernhard Glocksin| Tasteninstrumente: Markus Syperek | Violoncello: Lorraine Buzea | Saxophone: Ruth Velten/Silke Eberhard
Mit Yuri Mizobuchi, Daniel Arnaldos, Remo Tobiaz

Die Vorstellung ist aufgrund der besonderen Einlasssituation leider nicht barrierefrei.
Fotos: Matthias Heyde