Fromme Lügen

Kammermusical nach einer Novelle von Irene Dische mit Musik von Alan Marks
Uraufführung am 23. September 1999

West-Berlin 1984, eine hermetische Stadt, die Mauern atmen geschichtliche Halbwahrheiten, hinter heruntergekommenen Altbauwohnungen leben verbogene Seelen mit ihren zusammengezimmerten Lebenslügen: ahnungslos kommt der zum Katholizismus konvertierte Amerikaner Charles Allen in diese Stadt, um das Erbe seines Vaters, einen Trödelladen mit merkwürdigem Geschäftsgebaren samt viriler Chefin anzutreten. Ein doppeltes Vermächtnis: die so traurig wie rührend komische Liebesgeschichte mit der resoluten Jüdin Esther verknotet sich unentwirrbar mit einer längst vergessenen und verdrängten Herkunft bis zur finalen Katastrophe.
West-Berlin 1980, ein idealer Nährboden für Feldstudien in vitro und in vivo gleichermaßen. Unabhängig voneinander ziehen die Journalistin Irene Dische und der Pianist Alan Marks aus den USA in die eingemauerte Stadt, um hier zu leben und zu arbeiten. Alan Marks reüssiert als subtiler und vielseitiger Interpret von Schubert bis Satie und als Performer in unvergeßlichen Produktionen gemeinsam mit Sona MacDonald und Udo Samel. 1995 verstorben, wäre er im Mai diesen Jahres 50 Jahre alt geworden: Berlin 1999, eine vergeßliche Stadt. Irene Dische schreibt u.a. für „Transatlantik“ und „Die Zeit“ in einer klugen Mischung aus Reportage und Fiktion. Als Auftragswerk für das Theater des Westens kommt es 1988 zu einer Zusammenarbeit. Für das nicht realisierte Musical Metropolitan Mommy komponierte Alan Marks die Songs, Irene Dische schrieb das Buch und die Songtexte. Ihre ersten belletristischen Arbeiten auf deutsch legt Irene Dische mit dem Erzählungsband Fromme Lügen 1989 vor. Die mehrfach umgeschriebene Erzählung Eine Jüdin für Charles Allen war ursprünglich als Drehbuch konzipiert. Das ZDF lehnte seinerzeit dankend und mit dem Hinweis ab, daß man diesen Stoff in Deutschland nicht zeigen könne.

Textbearbeitung: Peter Lund; Musikbearbeitung: Wolfgang Böhmer; Regie: Bernd Mottl; Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg; Bühnenbild: Dirk Immich; Kostüme: Susanne Suhr; Choreographie: Nicola Wendt

Mit: Christiane Mueller, Boris Pilar, Klaus Hoser, Silvia Bitschkowski, Anton Rattinger, Michael Hoffmann, Karin Bremer, Josta Hoffmann und Wolfgang Teddy Klapper