Hundeherz

Kammeroper von Antonis Anissegos
Gewinner des dritten Neuköllner Opernpreises 2000 – gestiftet von der GASAG
Nach Motiven der Novelle von Michail Bulgakow in einer Texteinrichtung von Peter Lund
Uraufführung am 16. November 2000, 20 Uhr

Russland, 1925.
Professor Preobrashenski kann Wunder vollbringen. Die Jugend, das Haupthaar und die sexuelle Potenz, all das kehrt zurück, wenn der Professor sein Skalpell anlegt und der Moskauer Haute Volée Affenhoden und Ziegendrüsen einpflanzt.
Bis der Professor und sein devoter Assistent Bormental eines Tages auf die Idee kommen, die Prozedur einmal umzukehren. Und so wird aus dem Straßenhund Bello per Hirnanhangsdrüse eines hingerichteten Verbrechers der Bürger Bellow, mit allen Rechten und Pflichten, mit denen das russische Proletariat just in den Jahren ausgestattet wurde, in denen Michail Bulgakow seine bitterböse Groteske schrieb und nicht veröffentlichen durfte.
Denn was Bulgakow als Vison entwickelt, wenn die Hunde zu Verstand kommen, ist ebenso niederträchtig wie tragikomisch. Und enthält sich auf hochintelligente Weise eines Kommentars, ob nun die Ideologie oder nur der Mensch an sich Ursache allen Übels ist.
Diese zeitlose Novelle ist nach Alice im Wunderland die zweite literarische Vorlage, die sich die NEUKÖLLNER OPER für ihren nunmehr zum dritten Mal stattfindenden Opernwettbewerb gewählt hat. Ob als zeitkritisches Stück, als warnender Rückblick auf den Beginn der Moderne oder als aktueller Kommentar zur Gentechnikdiskussion ohne rote Karte zwischen Küche und OP inszeniert von Robert Lehmeier; in jedem Fall glauben wir, dass mit diesem Werk, das der diesjährige Preisträger des Neuköllner Opernpreises Antonis Anissegos für uns schreiben wird, ein aufregendes Stück Musiktheater entstehen wird. Und mit besonderem Vergnügen präsentieren wir an jedem Abend darüberhinaus Ausschnitte aus dem 2. und 3. Platz – damit das Publikum selbst entscheiden kann, ob unsere hochkarätige Jury die richtige Wahl getroffen hat.

Regie: Robert Lehmeier | Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg | Bühne: Tom Musch | Kostüme: Erwin Bode

Mit: Michael Bielefeldt, Barbara Ehwald, Bernd Grabowski, Christian Grygas und Hartmut Kühn