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Programmheft: I know what you did last Sommernachtstraum

Musiktheater von NO Jung, Bjørn de Wildt, Yuval Halpern und Bahar Meriç

© Murat Aslan

NO Jung verbindet Shakespeare mit Slasher-Vibes. Tanz wird zur Jagd. Chorgesang zum Gerücht. Musik wird zum erhöhten Puls. Ein Musiktheaterabend zwischen Tanz, Szene, Song und Collage. Komisch, präzise, unheimlich. Und vielleicht zu nah dran.

Inhalt

© Peter van Heesen

I KNOW WHAT YOU DID LAST SOMMERNACHTSTRAUM nimmt Shakespeares Ein Sommernachtstraum als Ausgangspunkt und kippt ihn in eine eigene, heutige Nachtwelt. Was zunächst noch wie eine rasante Nacherzählung des Originals beginnt. Mit Liebeschaos, Verwechslungen, Göttern, Zauber und einem Esel, wird nach und nach zu einer viel dunkleren und persönlicheren Reise. 

Im Wald geraten nicht nur die Figuren, sondern auch unsere Vorstellungen von Liebe, Schönheit, Geschlecht und Macht ins Wanken. Wer wird gesehen, wer begehrt, wer darf sprechen – und wer bleibt in vorgegebene Rollen eingeschrieben?

Zwischen Blicken und Begehren verschieben sich Beziehungen, Körper werden zu Projektionsflächen. Doch genau hier öffnet sich ein Raum für Widerstand: für neue Stimmen, für Widerspruch – und für die Möglichkeit, sich Zuschreibungen zu entziehen.

So wird aus dem Sommernachtstraum keine harmlose Verwechslungskomödie, sondern eine wilde Collage über Identität, Konkurrenz, Sehnsucht und den Wunsch, aus vorgegebenen Mustern auszubrechen. Zwischen Musiktheater, Tanz, Chor, Spiel und Übertreibung fragt der Abend, was passiert, wenn die vertrauten Geschichten nicht mehr tragen. Und wer wir sein könnten, wenn wir aufhören, nur das zu spielen, was von uns erwartet wird.

Zur Stückentwicklung & Arbeitsweise

© Peter van Heesen

Diese Inszenierung ist im Prozess entstanden. Ausgehend von Shakespeares Ein Sommernachtstraum haben wir im gemeinsamen Austausch mit dem Ensemble, der Regie, der Komposition, der Choreografie und dem Kostüm untersucht, welche Figuren, Konflikte und Bilder des Stoffes heute noch in uns nachhallen. Und wo wir ihm widersprechen wollen. 

Im Mittelpunkt der Arbeit stand nicht die Frage, wie man Shakespeare möglichst originalgetreu erzählt. Sondern was dieser Stoff in unserer Gegenwart auslöst. Welche Themen uns in unserem eigenen „Nachtraum“ begegnen. Welche Erfahrungen von Liebe, Eifersucht, Ausgrenzung, Rollenbildern, Ohnmacht, Sehnsucht und Widerstand darin sichtbar werden. Aus Improvisationen, Gesprächen, choreografischen Skizzen, musikalischen Entwürfen, einzelnen Textfragmenten und biografischen Impulsen des Ensembles hat sich nach und nach eine eigene Stückfassung entwickelt.  

Dabei war die künstlerische Arbeit ein ständiger Dialog zwischen den Gewerken. Szenen wurden aus Bewegung heraus entwickelt, Texte aus Spielmomenten destilliert, musikalische Motive haben Atmosphären und Haltungen geprägt, und über Kostüm und Bildsprache wurden Figuren und Gruppenzustände weitergedacht. So ist ein Abend entstanden, in dem sich Theater, Tanz, Musik und kollektive Recherche gegenseitig beeinflussen.

Stückentwicklung bedeutet für uns deshalb nicht nur, neues Material zu schreiben. Sondern gemeinsam eine Form zu finden, in der viele Stimmen Platz haben. Eine Form, in der klassische Vorlage, persönliche Erfahrung und kollektive Fantasie aufeinandertreffen. I Know What You Did Last Sommernachtstraum ist das Ergebnis dieses gemeinsamen Suchens. Ein Abend, der Shakespeare nicht nur neu erzählt, sondern ihn durch die Perspektiven dieses Ensembles hindurch befragt und verwandelt.

5 Fragen an NO Jung

© Peter van Heesen

Was hat euch an Shakespeares Sommernachtstraum interessiert?
Vor allem die Figuren. Wir haben relativ schnell gemerkt, dass sie vielschichtiger sind, als man vielleicht zuerst denkt. Helena hat uns zum Beispiel berührt, weil in ihr so viel Unsicherheit und fehlendes Selbstwertgefühl steckt. Gleichzeitig gibt es Figuren wie Demetrius oder Hermia, die auf den ersten Blick eher stereotyp wirken, bei denen man dann aber merkt, wie komplex sie eigentlich sind. Hermia lehnt sich gegen das politische und gesellschaftliche System auf, in dem sie lebt, und riskiert dafür alles. Uns hat interessiert, diese Figuren nicht flach zu spielen, sondern nach den Widersprüchen und Emotionen darunter zu suchen.

Woher kam die Idee, Horror in das Stück einfließen zu lassen?
Das ist tatsächlich eher aus einem Witz entstanden. Wir haben überlegt, wie absurd manche Situationen im Stück eigentlich sind: Menschen rennen nachts in den Wald, treffen dumme Entscheidungen, legen sich irgendwo schlafen – wie in einem 90er-Jahre-Slasherfilm. Daraus entstand irgendwann die Idee, mit Horrorelementen zu arbeiten. Dann haben wir angefangen, typische Horrorfilm-Szenen zu improvisieren und mit dem Stoff zu verbinden. Uns ging es dabei aber weniger um Schockeffekte als um Atmosphäre: dieses permanente Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Dass man nie genau weiß, ob das gerade real ist, ein Traum, eine Erinnerung oder etwas komplett anderes.

© Peter van Heesen

Wie habt ihr die Choreografien in der Gruppe entwickelt?
Sehr viel entstand aus Improvisation und gemeinsamer Recherche. Wir haben am Anfang viel mit Gruppenbewegungen gearbeitet, ausprobiert, wie wir uns als Ensemble gemeinsam bewegen können, und Szenen aus dem Original auf unterschiedliche Arten interpretiert. Daraus sind Bilder und Bewegungen entstanden, die wir gesammelt haben. Unsere Choreografin Bahar und Regisseur Bjørn haben diese Elemente später zusammengesetzt. Wichtig war dabei immer die Frage: Welche Bilder transportieren das, was emotional oder inhaltlich erzählt werden soll?

Welche Rolle spielen Bühne, Kostüm und Musik in eurer Inszenierung?
Die Bühne funktioniert fast wie eine Waldlichtung, auf der alles gleichzeitig sichtbar wird. Dadurch entsteht eine besondere Nähe und Unruhe, weil sich niemand verstecken kann. Auch die Kostüme spielen mit Verwandlung und Doppelungen: Figuren wechseln ständig, Rollen werden weitergegeben, Identitäten verschwimmen. Zusammen mit der Musik entsteht dadurch ein Zustand zwischen Traum, Horror und Realität. Genau dieses Unsichere fanden wir passend für Sommernachtstraum – ein Stück, das sich nie komplett eindeutig erklären lässt.

Und was hat es mit dem Esel auf sich?
Der Esel ist bei uns weniger eine einzelne Figur als eher ein Konzept. Er verkörpert etwas, das die Gruppe dazu zwingt, sich mit verdrängten Gefühlen, Rollenbildern und einem gemeinsamen Trauma auseinanderzusetzen. Der Esel stellt Fragen: Wer bin ich eigentlich hinter den Erwartungen, die an mich gestellt werden? Gerade Figuren wie Demetrius versuchen zunächst, bestimmten gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit zu entsprechen. Der Esel bringt diese Konstrukte ins Wanken und fordert Ehrlichkeit ein – emotional, aber auch auf einer Metaebene im Umgang mit Shakespeare-Figuren insgesamt.

Beteiligte

© Peter van Heesen

MIT Fynn Berger, Luise Döring, Sam Enders, Anni Hellwich, Nele Langner, Emma Klessen, Anaise Kliemann, Johanna Lanzky, Luise Marr, Jenna Sintic, Lara Sukatsch

REGIE Bjørn de Wildt MUSIK Yuval Halpern CHOREOGRAPHIE Bahar Meriç KOSTÜM Federica Fugazzi KOSTÜMASSISTENZ Morghan Welt REGIEASSISTENZ / PRODUKTIONSLEITUNG Lisa Blumberg HOSPITANZ Lena Wetzel                            

TECHNISCHE PRODUKTIONSLEITUNG Gregor von Glinski TON Klim Losovsky LICHT Ralf Arndt KOSTÜMABTEILUNG Kathy Tomkins (Leitung), Christina Kämper MASKE Anne-Claire Meyer ABENDSPIELLEITUNG Sophie Reavley, Regina Triebel LEITUNG ABENDSERVICE Vanda Hehr

Ensemble

Anaise Kliemann

© Louise Desjean

So sieht mein perfekter Sommernachtstraum aus

Die Luft ist warm und es riecht gut nach Sommernacht, die Straßen glühen noch leise vom Tag. Wir fahren mit dem Fahrrad durch die Nacht, lachen zu laut, reden über alles und nichts, als gäbe es kein Morgen. Irgendwo läuft Musik, und alles fühlt sich leicht an. Irgendwann landen wir bei unser’m Lieblings-Späti, sitzen auf dem Bordstein und schauen zu, wie die Stadt nicht schlafen will. Es ist einer dieser Momente, die sich anfühlen wie für immer.

Anni Hellwich

© Louise Desjean

Mein Gedicht an die Nachwelt

Du [Esel] hast einen Punkt berührt,
diesen Punkt ganz tief in mir.
Der Wind weht kalt, die Welt erstarrt,
auf meiner Haut ein Riss.

Die Scheibe springt,
die Mauern zerbersten,
jede Faser erwärmt sich,
ins Dunkel fällt Licht.

Tränen brennen, mein Kopf explodiert,
Gedanken donnern, während ich mich verlier’.
Zu laut! Zu schnell! Zu viel!
Es zerreißt mich, zerbricht mich,
dein Bild ertrag’ ich nicht.

Ich ertrinke …
Ich verbrenne …
Ich fühle mich selbst nicht mehr.

Was so lang war begraben,
rinnt aus meiner Haut.
Die Kraft der Gefühle
halt ich nicht mehr aus.
Ich zerbreche in Scherben,
zerfalle zu Staub.

Emma Klessen

Mein Gedicht an die Nachwelt

Nichts
Du küsst meine Wange und meine Augen und alles ist schön
Ich wache mit einer unnatürlichen Freude in der Brust auf
Die Welt ist bunt
Ich weiß jetzt was ich will, habe Worte schon im Mund, die nur noch die Lippen überqueren müssen
Ich laufe wie auf dem Mond, wie Unterwasser, ich kann nicht anders
Ich rieche Blüten, meine Augen brennen
Ich denke nichts. Nichts.
Wie habe ich mir das gewünscht, wie habe ich gebetet
Auf Knien, Kopf an der Wand
Wie habe ich gewollt.

Fynn Berger

Mein absoluter Horror

Horrorfilme. Außer, wenn ich sie selbst spiele.

Jenna Sintic

© Louise Desjean

Mein Gedicht an die Nachwelt

last night i dreamed a perfect dream
a different world we once wished for
finally started to bloom
out of the seeds
that we planted with hopes
for our future souls to grow on

no more wars and untouched soil
rather fields of flowers and fruits where birds and people sing
loud and proud
all day long until the sun goes down
and i pray that she rises every morning again and again
for everyone
shall be freed
from prisons of the evil tongues

at night, turn to the moon
the divine feminine says your body is all yours
no orders to obey from above
together we raise our voices
because all we need is love

Johanna Lanzky

© Louise Desjean

Mein Sommernachtssoundtrack

Magnolias (ROSALÍA)

Ein Sommernachtstraum, Ouvertüre, Op. 21 (Felix Mendelssohn Bartholdy)

Just Like Heaven (The Cure)

Lara Sukatsch

© Louise Desjean

Es ist dunkel im Wald. Es riecht nach nassem Laub, feuchter Erde und es liegt etwas in der Luft. Das spüre ich ganz deutlich. Etwas tierisches. Ein Fuchs? Nein, das riecht anders, das kenn’ ich aus Berlin. Vielleicht ein Reh oder Hirsch? Joar, das geht schon in die richtige Richtung. Aber mit dem Geweih, das passt nicht ganz. Nein, kein Geweih, Ohren. Apropos Ohren…. Hörst du das?
IIIIIIAAAAAA
What the fuck macht ein Esel im Wald?

Luise Döring

© Louise Desjean

Was passieren würde, wenn ich dem Esel nachts im Wald begegne

Esel: Sag mir, wer bist du wirklich? Was verschweigst du?
Lu: Ich hab als Kind Sachen ausversehen kaputtgemacht und das dann unauffällig verschwinden lassen?
Esel: Meinst du die hier? (Zieht eine Kamera hinter dem Rücken hervor) Langweilig!
Lu: Was willst du denn hören? Ich hab in der Schulzeit nie die klassischen Werke gelesen und mir nur die Playmobilzusammenfassungen angeschaut.
Esel: Nein, nein, nein. Schau genauer hin!
Lu: Okay, okay… Ich versuche alles immer zu kontrollieren… weil ich Angst habe, dass sonst alles auseinanderfällt… vor allem ich selbst.
Esel: Endlich ehrlich!

Luise Marr

© Louise Desjean

Mein Sommernachtssong

Half Day Closing (Portishead)

Nele Langner

© Louise Desjean

Mein Sommernachtssong

mary magdalene (FKA twigs)

Sam Enders

© Louise Desjean

Mein Gedicht an die Nachwelt:

Rosen sind rot

Veilchen sind blau

Ich bin schon tot

Und du jetzt bald auch

Biografien

Bjørn de Wildt | Regie

Bjørn de Wildt wurde angeblich mit 18 Jahren unfreiwillig Leiter einer leicht aus der Zeit gefallenen Eselfarm. Seitdem weiß er zwei Dinge ganz genau. Erstens, Esel hören nur zu, wenn es sich wirklich lohnt. Zweitens, jede gute Geschichte braucht einen Moment, in dem alles aus dem Ruder läuft.

Nach einigen Jahren zwischen Heu, Hufschlägen und philosophischen Gesprächen mit besonders sturen Vierbeinern zog es ihn doch ins Theater. Dort arbeitet er heute als Regisseur mit jungen Menschen und stellt sich immer wieder dieselbe Frage. Was passiert, wenn plötzlich nicht mehr die Helden sprechen, sondern die, die sonst übersehen werden? Seine Arbeiten bewegen sich irgendwo zwischen Traum und Kontrollverlust. Zwischen Shakespeare und Stallgeruch. Und manchmal, ganz ehrlich, weiß man nicht mehr genau, wer hier eigentlich die Führung übernommen hat.

Yuval Halpern | Musik

Yuval Halpern wurde im beschaulichen Rosenheim groß. Seine Eltern waren aus Israel nach Rosenheim gezogen, als Yuval fünf Jahre alt war. Während andere Kinder Fußball spielten, experimentierte er lieber mit Kuhglockenrhythmen. Mit 13 zog es ihn nach Berlin. Dort tauschte er Lederhose gegen Hoodie und kombinierte experimentell mit U-Bahn-Geräuschen und dem rhythmischen Piepen von Fußgängerampeln. Später studierte Yuval Komposition und entwickelte einen unverwechselbaren Stil, den Kritiker als „Elektro-Folklore mit existenzialistischem Einschlag“ beschrieben.

Bahar Meriç | Choreografie

Bahar Meriç (1986, Berlin)

Ich bin Choreographin, Tanzvermittlerin und Künstlerische Leitung von Future Move e.V. Meine Arbeit ist projektbasiert und interdisziplinär. Ich arbeite mit professionellen Tänzer*innen, Schauspieler*innen sowie mit Laien unterschiedlicher Altersgruppen in den Bereichen Tanz, Theater, Performance, Film und Community Dance. Dabei entwickle ich künstlerisch-edukative Formate und Programme in Deutschland und europaweit, die künstlerische Praxis mit langfristiger Bildungsarbeit verbinden.  

Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in den Themenfeldern Identität und Diversität. Meine Arbeitsweise ist partizipativ. Dabei ist der Ausgangspunkt die Lebensrealitäten und Erfahrungswelten der beteiligten Menschen, die den künstlerischen Prozess maßgeblich prägen.   Meine Projekte realisiere ich in unterschiedlichen institutionellen Kontexten, darunter Schulen, Museen, Theater und kulturelle Einrichtungen. Internationale Kooperationen führen mich regelmäßig nach Griechenland, Rumänien, Frankreich und in die Region des Westbalkans.  

Als Choreographin war ich unter anderem an Produktionen am Maxim Gorki Theater, den Sophiensälen Berlin, dem Staatstheater Hannover, dem Residenztheater München, dem Theater an der Parkaue – Junges Staatstheater Berlin sowie für das Goethe-Institut in Karachi (Pakistan) beteiligt.  

Im Oktober 2021 gründete ich gemeinsam mit weiteren Akteur*innen Future Move e.V. Der gemeinnützige Verein entwickelt künstlerisch-edukative Programme mit dem Ziel, insbesondere jungen Menschen aus marginalisierten Kontexten Zugang zu Kunst, Kultur und Bildung zu ermöglichen. Im Fokus stehen Empowerment, Teilhabe und die Unterstützung künstlerischer Berufswege.
www.baharmeric.com
www.futuremove.eu

Federica Fugazzi | Kostüm

Federica “though she be but little, she is fierce!”

Let the writers write, let the poets do the poetry, and let me do what I do best, she said.

“And what is it?” the Donkey asked.

She just smiled.

Morghan Welt | Kostümassistenz

Morghan Welt ist Nachwuchsregisseurin und -autorin für Sprech- und Musiktheater.
Wenn sie nicht gerade Eselhaar flechtet, macht sie ihren Master in Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Zuvor schloss sie ihren Bachelor in Drama & Theatre Studies am Trinity College Dublin ab, wo sie ein Stipendium und eine Goldmedaille für außerordentliche akademische Leistungen erhielt.
Ihr eigener Mitsommernachtstraum erfüllte sich als ihr Stück But We‘re Right 2024 durch Irland, England und Schottland tourte, finanziell unterstützt vom Goethe-Institut, und nun zum staatlich geförderten Spielfilm entwickelt wird.
Morghan arbeitet seit 2023 regelmäßig an der Neuköllner Oper als Regie- und Kostümassistentin. Sie freut sich, das zweite Jahr in Folge mit Federica Fugazzi junge Theaterträume zu be- und verkleiden.

Lisa Blumberg | Regieassistenz & Produktionsleitung

Nun jag ich euch, und führ euch kreuz und quer,
durch meinen wilden Pfad, durchwachsen sehr.
Durch Dorn, durch Busch, durch Sumpf, durch Wald.
Spielt’ ich als Kind, noch jung, kaum alt,
mit Mensch, mit Tier, mit Stock und Stein,
ward’ beflügelt durch Vielschichtigkeit und fantasievollem Sein.
So kam ich der Lust nach Verwandlung und Spiel näher.
Bald bin ich Pferd, bald Eber, Hund und Bär,
fand gleichgesinnte Laien am Wegesrand,
doch irgendwann verschwand ich ins ferne Land.
Fand Abenteuer, Eindrücke und Komplexität,
und hinterfragte, warum die Erde sich derartig dreht.
So schwankte mein Blick und mein Herzschlag hing fest,
ich verirrte mich im sozialen Geäst.
Und hänge erfüllt bis zu heutiger Stund’
in Sinnhaftigkeit wohl aus gutem Grund.
Doch ein Blitz der Geister wollt’ mich ereilen im Traum,
ich begriff, was mir gefehlt, wie eine Wurzel vom Baum:
das Spiel, der Ausbruch, die Metamorphose,
Erkenntnis verwandelt mein Herz in eine blühende Rose.
Erschein als Werwolf und als Feuer bald.
Will grunzen, wiehern, bellen, brummen, flammen,
wie Eber, Pferd, Hund, Bär und Feu’r zusammen.

Nun schwelge ich in einer traumhaften Sommernacht,
und danke euch, dass ihr mein theatralisches Herz wieder habt entfacht.

Monogram Neuköllner Oper