
In einer intensiv-immersiven Performance-Oper taucht das niederländische Performance-Kollektiv Club Gewalt mit dem Publikum ein in das Rauschen der Weltuntergangsprognosen – und singt aus voller Lunge dagegen an. Das Ziel: Wieder lieben zu lernen, ein Mensch zu sein.
Willkommen

Lieber Mensch,
zuerst einmal: willkommen.
Du hast es bis hierher geschafft.
Sieh das als einen Zwischenstopp.
Einen Ort, an dem du – für einen kurzen Moment – ausatmen und einfach sein kannst. Ich werde nicht sagen, dass du hier in guten Händen bist, denn das liegt ganz bei dir. Was ich aber sagen kann: Wir freuen uns sehr, dass du hier bist.
Ich möchte auf eine kleine Sache eingehen: das Wort „Kollaps“. Es ist ein wichtiges Wort in dieser Arbeit. Was ich dich bitten möchte im Hinterkopf zu behalten, ist, dass wir, wenn wir von Kollaps sprechen, nicht Zerstörung meinen. Natürlich, natürlich – Zerstörung ist ein Teil von Kollaps. Aber der große Unterschied – für mich – ist, dass ich Kollaps als einen natürlichen Prozess sehe und Zerstörung als einen menschlichen.
Ich weiß, was du denkst: Sind Menschen nicht auch Natur? Und ja, das sind wir.
Aber.
Wir Menschen haben es geschafft, Systeme am Leben zu erhalten, die – im natürlichen Kreislauf des Universums – vielleicht schon längst vergangen wären. Denk an Kapitalismus, Patriarchat, du weißt schon… solche Systeme. Um sie jedoch aufrechtzuerhalten, sehen wir heute, dass Menschen, die von diesen Systemen profitieren, alles in ihrer Macht Stehende tun (von subtiler Unterdrückung bis hin zu Völkermord), um alles abzuschwächen oder zu beseitigen, was ihre Lebensweise infrage stellt. Mach dir nichts vor: Es spielt keine Rolle, wer du bist oder woher du kommst – sobald du den Status quo herausforderst, selbst wenn du in gewisser Weise Teil davon bist, wirst du zum Ziel.
In dieser Arbeit laden wir den Kollaps ein. Damit wir alles zur Ruhe legen können, was uns Menschen nicht dient. Wir wollen den Kollaps einladen, damit wir endlich um all die Leben trauern können, die durch imperialistische Bestrebungen verloren gegangen sind. All die Liebe, die viel zu früh wieder in den Äther zurückgekehrt ist. All die Kinder, denen ihre Zukunft, ihre Eltern, ihr Potenzial genommen wurde.
Wir wollen den Kollaps einladen, um zu heilen.
Um unsere Herzen zu beruhigen, unsere Nervensysteme.
Um in das Gesicht eines Fremden zu schauen und uns selbst zu erkennen.
Denn wir sind sie.
Und zuletzt – danke, dass du bis hierhin bei mir geblieben bist – wenn du in dieser Arbeit (einen Teil von) dir selbst findest, dann wisse bitte: Du bist nicht allein. Wir sind genau hier bei dir.
Oh und…
Hab Spaß!
In Liebe,
Club Gewalt
dem HEiligen Klang DEs Kollaps‘ lauschen

Von Dramaturgin Mara Snip
KOLLAPS
Ein Kollaps kann auf zwei Arten eintreten. Entweder schnell und ziemlich unerwartet – wie Donner am klaren Himmel oder ein plötzlicher Herzinfarkt. Oder er lässt sich Zeit damit, alles auseinanderzureißen; es zeigen sich kleine Anzeichen von Belastung, Spannung baut sich auf, bis es schließlich nachgibt.
Im ersten Fall lebt man sorglos und frei von Angst, bis es einen plötzlich trifft. Im zweiten Szenario hingegen erfordert es mehr Anstrengung, die Anzeichen zu ignorieren und zu unterdrücken. Du bemerkst zum Beispiel bemerken, dass das Wasser im Duschabfluss immer länger braucht, um abzulaufen, und bei jedem Duschen stehst du tiefer in deinem eigenen kleinen Bad, bis es schließlich gar nicht mehr abfließt und die ganze Welt überflutet ist. Oder du siehst die ersten Risse in der Wand und bemerkst Tag für Tag, wie sie größer und größer werden. Du hast Angst vor dem Schaden, den das verursachen kann, doch noch besteht kein unmittelbarer Handlungszwang – zumindest nicht, bis alles tatsächlich zu zerbrechen droht.
Offensichtlich hängt es stark von der geopolitischen Position ab, wie sich ein Kollaps vollzieht. Und natürlich kann man argumentieren, dass wir unser Leben weiterleben müssen und uns nicht von einzelnen Ereignissen besiegen lassen dürfen – doch es zeigt etwas Interessantes über uns Menschen: Man muss oft persönlich stark leiden, um sich wirklich zu wünschen, dass sich etwas ändert. In unserer neoliberalen, kapitalistischen und patriarchalen Gesellschaft wird früher oder später jeder eine Form von Kollaps erleben. Manchmal erfährt man Unterdrückung oder Gewalt, von der man nie gedacht hätte, dass sie einen selbst treffen würde – und genau das macht einen auf Machtstrukturen aufmerksam und führt zum eigenen Kollaps. Oder vielleicht ist es zunächst nicht die eigene Erfahrung, sondern der (zukünftige) Kollaps eines anderen Menschen, der einen selbst zum Zusammenbruch bringt, weil man sich so sehr um ihn sorgt.
Aber was wäre, wenn ein Kollaps nicht nur Zerstörung bedeutet?
Was, wenn wir ihn als eine Chance für die Menschheit begreifen würden, zu heilen?
DAS IST SANNA
Lass mich dir Sanna von Club Gewalt vorstellen. Sanna ist zusammengebrochen. Sie hat den Kollaps der Welt schon eine Weile beobachtet, doch erst einige Jahre nach der Gründung ihrer eigenen Familie ließ ihr Burn-out sie die Bedeutung dieser Entwicklungen wirklich erkennen. Sanna war schon immer ein ängstlicher Mensch, doch jetzt betrifft es nicht nur sie, sondern auch ihre Kinder. Sie begann Bücher zu lesen, wollte ihren Stresszyklus verstehen. Sie trat beruflich kürzer, während sie sich den Herausforderungen der Mutterschaft stellte. Sie wurde sich ihrer Privilegien in dieser von fossilen Brennstoffen geprägten, zusammenbrechenden Demokratie bewusst. Der Gedanke ließ sie nicht los, was sie ihren Kindern weitergibt: ein Todesurteil. Sanna braucht Sinn, um all diesen Kollaps zu begreifen – um sich wieder in das Menschsein verlieben zu können.
GERÄUSCH, WEIL WORTE NICHT AUSREICHEN
Wenn wir als Menschheit heilen wollen, müssen wir zu unseren Sinnen zurückkehren. Wir müssen die Neugier auf uns selbst und aufeinander wieder einladen. Wir müssen uns eine Welt vorstellen, die für uns alle neu ist – eine, um die wir uns gemeinsam kümmern. Wir müssen wieder lernen zuzuhören.
Eine Sprache braucht nicht nur Worte, sie braucht auch Geräusch. Geräusch, um unseren Schmerz, unsere Freude, Traumata, Sehnsüchte und Visionen auszudrücken. Geräusch, um Stille für unsere Gedanken einzuladen. Geräusch, um ein körperliches, unmittelbares Verständnis davon zu entwickeln, am Leben zu sein. Geräusch, das uns alle verbindet.
Es ist vielleicht nicht immer angenehm, ihm zuzuhören – so wie das Leben nicht immer angenehm ist. Doch Geräusch kündigt eine Möglichkeit an, wieder zusammenzukommen, einander als die Menschen zu sehen, die wir sind, und gemeinsam neu zu beginnen.
5 Fragen an Club Gewalt

NO: Ihr arbeitet als Kollektiv. Wie ist Club Gewalt entstanden, und wie prägt das eure Arbeit?
Club Gewalt: Wir haben uns am Konservatorium in Rotterdam kennengelernt, wo wir alle Musiktheater studiert haben. Ursprünglich wurden wir als Performer*innen ausgebildet, aber wir hatten ein starkes Bedürfnis, eigenes Material zu entwickeln. Kollektiv zu arbeiten fühlte sich für uns sehr natürlich an – es war eine Art gemeinsame Energie, die während unseres Studiums immer weiter gewachsen ist.
Gleichzeitig haben wir in einer Zeit großer Förderkürzungen in den Niederlanden abgeschlossen, sodass die Aussichten für individuelle Karrieren ziemlich düster waren. Ein Kollektiv zu gründen gab uns Autonomie: Wir konnten unsere eigene Ästhetik definieren, unsere eigenen Entscheidungen treffen und gemeinsam Sichtbarkeit aufbauen. Viele Stimmen statt einer einzigen zu sein, macht einen echten Unterschied.
Im Laufe der Jahre hat sich unsere Arbeitsweise verändert. Was als etwas sehr Intuitives begann – getragen von „Vibe“, der für uns aber immer noch essentiell ist – wurde strukturierter. Wir mussten reflektieren, wie wir zusammenarbeiten, wessen Stimmen gehört werden und wie wir den Prozess transparent und nachhaltig gestalten können. Dieser Wandel war notwendig, um die Arbeit sowohl gesund als auch spannend zu halten.
NO: Eure neue Performance NOISE beschäftigt sich mit Zusammenbruch. Wie ist diese Idee entstanden?
Club Gewalt: Der Ausgangspunkt war eine persönliche Erfahrung von Zusammenbruch – etwas Beängstigendes und Verstörendes, aber gleichzeitig Unvermeidliches. Systeme, Strukturen, sogar persönliche Identitäten zerfallen irgendwann.
Die Frage wurde: Wie können wir uns anders zu Zusammenbruch verhalten? Nicht nur durch Angst, sondern als etwas, das auch Raum für Transformation öffnen kann. Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht gegen bestimmte Zusammenbrüche wehren sollten – wie etwa den Zusammenbruch der Demokratie – aber wenn unser einziges Ziel Bewahrung ist, bleiben wir in der Angst stecken.
So wurde NOISE zu einer Möglichkeit, Zusammenbruch als Lebensbedingung zu erforschen und sich vorzustellen, was danach kommen könnte.
NO: Das Stück scheint sehr persönliche Erfahrungen mit globalen Krisen zu verbinden. Wie greifen diese Ebenen ineinander?
Club Gewalt: Das Projekt begann aus einer sehr persönlichen Perspektive – Fragen rund um Mutterschaft, Todesangst und sogar die Suche nach Gott. Diese Erfahrungen sind zutiefst individuell, aber uns interessierte, sie in etwas Universelleres zu übersetzen. Wir werden täglich daran erinnert, dass wir in dem leben, was viele als „Polykrise“ beschreiben: Klimakatastrophe, politische Instabilität, zunehmender Faschismus, Genozid, überwältigende Informationsströme.
Diese großskaligen Krisen erzeugen konstanten Stress, aber oft verarbeiten wir diesen Stress selbst gar nicht. Eine wichtige Idee für uns – teilweise inspiriert von Emily Nagoskis Arbeit – ist, dass man den „Stresszyklus abschließen“ muss. Das bedeutet, Emotionen wie Angst, Trauer oder Wut tatsächlich zu fühlen, statt sie zu unterdrücken.
In der Performance versuchen wir, einen Raum zu schaffen, in dem das Publikum diese Emotionen kollektiv erleben und verarbeiten kann.
NO: Formal spielt NOISE mit der Struktur eines Seminars. Warum diese Entscheidung?
Club Gewalt: Uns interessiert es sehr, mit vertrauten und dadurch zugänglichen Formaten zu arbeiten, die klare Konventionen haben – wie ein Seminar – und diese dann zu stören. Ein Seminar ist stark strukturiert, informativ und wird normalerweise nicht als künstlerisch wahrgenommen, was einen spannenden Kontrast zum Musiktheater bildet.
In NOISE sieht man ein Seminar, das nach und nach zusammenbricht. Eine Figur wird in fünf parallele Versionen aufgespalten, die alle versuchen, dieselbe Präsentation zu halten. Was als etwas Wiedererkennbares beginnt, wird zunehmend absurd, musikalisch und immersiv.
Das kombinieren wir mit Sound, Stimme und Synthesizern und bewegen uns zwischen Sprache, Musik und Geräusch. Die Idee ist, die Form so weit zu dehnen, bis sie bricht – und zu sehen, was daraus entsteht.
NO: Welche Rolle spielt „Noise“ im Stück – musikalisch und konzeptuell?
Club Gewalt: Noise ist für uns weniger ein strenges Genre als vielmehr ein Ansatz. Es geht darum, mit Klängen zu arbeiten, die traditionell nicht als „schön“ gelten, und Unbehagen zuzulassen.
Historisch ging es in der Noise-Musik darum, musikalische Konventionen aufzubrechen und durch Intensität und sogar Unangenehmes kathartische Erfahrungen zu schaffen. Das passt stark zu unseren Themen. Uns interessiert keine Musik, die nur schön ist – Musik kann auch verarbeiten, konfrontieren und transformieren.
In NOISE übersetzt sich das in eine Performance, die sich von Struktur zu Überforderung bewegt, vom Bedürfnis nach Klarheit hin zu einem Eintauchen ins Chaos. Es wird zu einem immersiven Klangerlebnis, in dem das Publikum die Spannung, den Stress und hoffentlich auch eine Art von Befreiung spüren kann.
Beteiligte

MIT Loulou Hameleers, Suzanne Kipping, Robbert Klein, Gerty van de Perre und Sanna Vrij
KOMPOSITION / TEXT / PERFORMANCE Gerty Van de Perre, Loulou Hameleers, Robbert Klein, Sanna Elon Vrij und Suzanne Kipping KÜNSTLERISCHE LEITUNG Sanna Elon Vrij MUSIKALISCHE LEITUNG Robbert Klein DRAMATURGIE Mara Snip / Amir Vahidi ENDREGIE Lisa Lucassen KOSTÜMBILD Mayan Tuulia Frank KOSTÜMBILD MITARBEIT Carlotta Schuhmann SCHAUMSTOFF OBJEKTE Hagen Keller BÜHNENBILD Wes Broersen SOUNDDESIGN Joost Muller TECHNISCHE PRODUKTIONSLEITUNG Pablo Strörmann TECHNIK Neuköllner Oper, Noor Thijssen, Sipke Woudstra EXEKUTIVE PRODUKTION Andrea van Bussel PRODUKTIONSASSISTENZ Zus Downes REGIE- / PRODUKTIONSASSISTENZ Leonore Del Mestre KAUFMÄNNISCHE LEITUNG Rick Mouwen ART DIRECTION KAMPAGNE Maartje Merel KAMPAGNENFOTOGRAFIE Pim Top KOMMUNIKATION Marlies van der Neut, Pauline Ouwerkerk MASKE Anne-Claire Meyer ABENSPIELLEITUNG Regina Triebel, Sophie Reavley TECHNISCHE PRODUKTIONSLEITUNG Kim Titzmann TON Ronald Davila
Biografien
Gerty Van de Perre | Komposition, Text, Performance

Gerty Van de Perre ist Theatermacherin, Schauspielerin und Sängerin, deren Arbeit sich vor allem auf interdisziplinäre und körperorientierte Performance konzentriert. Sie schloss 2013 ihr Studium im Fach Musiktheater am Codarts-Konservatorium ab.
Gerty ist eine der Gründer*innen und Künstler*innen des Musik- und Performancekollektivs Club Gewalt. Gemeinsam entwickeln sie musikbasierte Performances für Theater, Musikspielstätten und Festivals.
Neben ihrer Arbeit mit dem Kollektiv arbeitet sie mit Regisseur*innen und Choreograf*innen wie Ryan Djojokarso und Timo Tembuyser zusammen und gibt Workshops. Gerty widmet sich intensiv der Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Praxis durch Trainings und Masterclasses bei Künstler*innen wie Boukje Schweigman, Florentina Holzinger sowie bei Rosetta Beats, einer Plattform für FLINTA*-Musikproduzent:innen.
Seit 2022 ist Gerty als künstlerische Koordinatorin an einem Forschungsprojekt in der onkologischen Abteilung des Amsterdam UMC beteiligt. Ziel dieses Projekts ist es, die mögliche Rolle von Performance und Musik im Umgang mit Krebs zu untersuchen.
Gerty ist außerdem Yogalehrerin und eine leidenschaftliche Hobbykünstlerin. Sie praktiziert Kung Fu, kocht gerne und arbeitet mit Keramik.
Loulou Hameleers | Komposition, Text, Performance

Loulou ist Sängerin, Schauspielerin, Theatermacherin und Regisseurin und verspürt sowohl das Bedürfnis als auch die Freude, all diese Disziplinen miteinander zu verbinden. Sie ist eine virtuose und vielseitige Sängerin, die sich von Klassik über Pop und Musical bis hin zu Grunt-Vocals bewegt und sich dabei immer wieder herausfordert, neue Bereiche zu erkunden. Auf der Bühne fühlt sie sich grenzenlos und frei – sowohl als Sängerin als auch als Schauspielerin. Sie liebt es, inszeniert zu werden, legt jedoch großen Wert darauf, im Prozess ihre eigene künstlerische Stimme einzubringen.
Sie ist Teil des Musik- und Performancekollektivs Club Gewalt. Gemeinsam entwickeln, komponieren, produzieren und performen sie ihre eigenen Arbeiten, in denen Musik stets Anfang, Mitte und Ende ist.
Sie ist an führenden Spielstätten und Festivals in den Niederlanden sowie international aufgetreten, darunter BAM (New York), Festival d’Avignon, die Biennale von Venedig, die Volksbühne Berlin und die Neuköllner Oper.
Loulou ist außerdem Frontfrau der radikal-feministischen Punkband Herr Hamsterfleisch. Ihre Konzerte sind Feierlichkeiten von Frauen, geprägt von Humor, Absurdität und Emotion.
Neben ihrer eigenen künstlerischen Praxis findet Loulou große Freude und Erfüllung darin, junge Künstler*innen zu begleiten. Sie ist Hausdramaturgin an der De Werkplaats Walhalla in Rotterdam, einer Bühne und Produktionsstätte für Nachwuchsförderung.
Sie glaubt fest an die verbindende Kraft des Singens und leitet aus dieser Überzeugung heraus auch den Amateurchor Het Club Gewalt Koor.
Robbert Klein | Komposition, Text, Performance

Robbert Klein ist Performer, Musiker, Komponist, Sounddesigner und Theatermacher. Er studierte Musiktheater am Konservatorium in Rotterdam (Codarts). Nach seinem Abschluss gründete er gemeinsam mit anderen das Musik- und Performancekollektiv Club Gewalt. Über einen Zeitraum von 15 Jahren produzierte er mit ihnen zahlreiche innovative Performances, darunter CLUB CLUB GEWALT 5.0 PUNK, YURI und 10 Year Anniversary. Seine Arbeiten wurden in niederländischen Theatern sowie auf renommierten Festivals in den Niederlanden präsentiert, wie dem O. Festival und Lowlands. International war seine Arbeit unter anderem an der Neuköllner Oper und auf der Biennale von Venedig zu sehen.
Außerhalb von Club Gewalt trat Robbert in Life and Times II von Nature Theatre of Oklahoma sowie in The Humans von Alexandre Singh auf. Als Komponist und Sounddesigner arbeitete er mit vielen weiteren Künstler*innen und Projekten zusammen, darunter die preisgekrönte Schauspielerin Romana Vrede, die renommierte Musiktheaterkompanie Orkater, De Grote Kunstshow, Minoux und Staging Cancer. Außerdem hat Robbert eine Alt-Pop-Band namens Burght.
Neben seiner eigenen künstlerischen Praxis arbeitete Robbert auch als Coach und Lehrer bei der Theaterkompanie DOX, der Acteerschool Rotterdam, der MBO Theaterschool Rotterdam und Codarts.
Sanna Vrij | Komposition, Text, Performance

Sanna ist Regisseurin, Autorin, Sängerin, Performerin und Coach für Musiktheater sowie Mitglied des Musik- und Performancekollektivs Club Gewalt. Die Projekte, an denen sie beteiligt ist, greifen häufig Themen wie politische Gerechtigkeit, intersektionalen Feminismus, ökonomische Solidarität und Popkultur auf und zielen darauf ab, den Diskurs der experimentellen interdisziplinären Künste zu bereichern.
Ihre Arbeiten wurden auf renommierten Festivals in den Niederlanden präsentiert, wie dem O. Festival, Lowlands und Down the Rabbit Hole, aber auch international, etwa an der Neuköllner Oper Berlin, im BAM New York und auf der Biennale von Venedig.
In ihrer künstlerischen Forschung interessiert sie sich besonders für spannende und neue Kooperationen zwischen Künstler*innen, Organisationen und Disziplinen. In jedem Projekt sucht sie nach Wegen, zu einer gesunden, solidarischen und inklusiven Branche beizutragen.
Neben ihrer eigenen künstlerischen Praxis arbeitet Sanna intensiv mit Nachwuchstalenten, unterstützt sie dabei, ihre künstlerische Praxis zu definieren, und begleitet sie in deren Umsetzung. Darüber hinaus wird sie häufig von Fachmagazinen und Podiumsdiskussionen eingeladen, um ihre Perspektive auf Musiktheater und Talententwicklung zu teilen.
Suzanne Kipping | Komposition, Text, Performance

Suzanne ist Theatermacherin, Performerin, Sängerin und Komponistin. Seit 2013 ist sie Mitglied von Club Gewalt, einem musikbasierten Performance-Kollektiv aus Rotterdam. Gemeinsam haben sie verschiedene Shows für Theater, Musikfestivals und alles dazwischen entwickelt und aufgeführt.
Außerdem war Suzanne Leadsängerin und (Ko-)Autorin der Synth-Pop-Band Sheila and the Kit. Sie spielte in verschiedenen Theaterproduktionen, TV-Shows und Filmen in den Niederlanden.
Für die Produktion NOISE komponierte sie gemeinsam mit Robbert die Musik.
Mayan Tuulia Frank | Kostüm

Mayan Tuulia Frank (keine Pronomen) macht Kunst mit dem Schwerpunkt Bühnen-, Kostüm- und Szenenbild. Mayans interdisziplinäre Praxis bewegt sich zwischen Theater, Installation und visuellem Erzählen und ist geprägt von kräftigen Farben, markanten Texturen sowie surrealen, oft grotesken Objekten. Die Arbeit erforscht die Spannung zwischen Material, Raum und Narration und verwebt Popkultur, queere Ästhetiken und persönliche Erinnerungen zu lebendigen, überzeichneten Szenarien. Dieser Ansatz ist sowohl konzeptuell als auch praktisch orientiert, mit einem Fokus auf kollaborative Prozesse und transformative visuelle Welten.
Zu den jüngsten Projekten zählen Bühnenbilder für die Volksbühne Berlin, das Staatstheater Cottbus und das Theater Altenburg Gera. Seit Sally – Mein Leben im Drag, das später zum Radikal Jung Festival eingeladen wurde, besteht eine kontinuierliche künstlerische Zusammenarbeit mit Regisseurin und Dragtress Meo Wulf. Langjährige Kooperationen bestehen zudem mit Andrea Pinkowski, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und Charlotte Garraway. Zu den kommenden Premieren zählen Der Sturm von Shakespeare (Kostüm- und Bühnenbild, Regie: Pinkowski) am 16. Juli beim Burgtheatersommer Roßlau sowie Planet der Hasen (mit Katharina Grosch) am 10. September am Hans-Otto-Theater Potsdam.
Mayan setzt sich für faire Arbeitsbedingungen ein, ist Mitglied der GDBA und vernetzt sich aktiv mit anderen Designerinnen – denn Solidarität und Gleichberechtigung sollten niemals bloße Worte sein.
Amir Vahidi | Dramaturgie

Mein Name ist Amir Vahidi.
Ich bin einer von zwei künstlerischen Leiter*innen von Club Gewalt. Genau wie meine Freund*innen – und natürlich Kolleg*innen – habe ich Musiktheater am Konservatorium in Rotterdam studiert und 2013 meinen Abschluss gemacht.
Seitdem arbeite ich innerhalb und außerhalb von Club Gewalt als Schauspieler, Performer, Komponist und Songwriter.
Es bereitet mir große Freude, Konzepte zu entwickeln, die Kunst mit der Welt verbinden, in der wir heute leben. Das Persönliche mit dem Universellen zu verweben und darin eine Verbindung zu anderen Menschen zu finden. Geschichten zu erzählen, die außerhalb der unmittelbaren westlichen Erzählweise stehen und dennoch Resonanz erzeugen. Und ich empfinde es als meine Aufgabe, für Menschen zu sprechen, die es nicht können oder nicht wollen.
Außerdem glaube ich, dass Humor manchmal ein großartiger Weg ist, mit der Realität der Welt umzugehen.
Ich hoffe, dass die Menschen unsere Arbeit als inspirierend, herausfordernd und tröstlich empfinden.
Mara Snip | Dramaturgie

Mara (sie/they, 1991) ist Theaterperformerin, Schauspielerin und Autorin in den Niederlanden, Belgien und Deutschland. 2013 schloss sie ihr Studium am Codarts-Konservatorium in Rotterdam mit einem Bachelor of Music im Bereich Musiktheater ab und lebt seit 2020 in Berlin.
Ihre Arbeit wird als drama-elektronisches, dokumentarisches Musiktheater beschrieben. Sie schreibt aus ihrer persönlichen Trans-Erfahrung heraus und teilt diese, indem sie musikalische Landschaften erschafft, in denen sie ihre Stimme, eine Loopstation und einen Synthesizer einsetzt. Im Gegensatz zu den oft feindlichen öffentlichen Räumen gegenüber trans Personen ermöglicht ihr das Theater, das Publikum einzuladen, auf ihren eigenen Bedingungen und in ihrer queeren Vision zu existieren. Ihre Hoffnung ist, dass das Publikum diese queere Zukunft in den Alltag mitnimmt.
Mara betrachtet ihre Transition als die ultimative Form des Selbstausdrucks und lässt sie zu ihrem Kompass für ein verbundenes, kreatives und authentisches Leben werden. Jeder Tag ist eine erneuerte, vertiefte Beziehung zu ihrem sich entwickelnden Körper und eröffnet neue, achtsame Formen des Seins. Die Transition hat ihr eine außergewöhnliche Kraft der Autonomie gegeben und treibt sie dazu an, Raum für Sichtbarkeit und die Rechte von Queerness in unserer unterdrückten, dysfunktionalen Gesellschaft zurückzuerobern.
In den vergangenen Jahren hat sie zwei Solo-Performances entwickelt, arbeitet mit Boogaerdt & Van der Schoot zusammen, spielte in Gloriette von Leila Hekmat am HAU und führte gemeinsam Regie bei und performte in 1000 AIRPLANES ON THE ROOF von Philip Glass an der Neuköllner Oper.
Rick Mouwen | Kaufmännische Leitung

Rick Mouwen ist kaufmännischer Leiter der Musik- und Performancegruppe Club Gewalt. Er gründete das Kollektiv 2013 gemeinsam mit den künstlerischen Beteiligten. Nach seinem Studium Kunst und Ökonomie an der Hochschule der Künste Utrecht arbeitete er freiberuflich für verschiedene Kompanien und Festivals in den Niederlanden, darunter: das Kollektiv Touki Delphine, das O. Festival, Het Zuidelijk Toneel, Khadija El Kharraz Alami sowie das Festival Motel Mozaïque.
Er ist Gastdozent an der Amsterdam University of the Arts, wo er Budgetierung im Studiengang Production and Stage Management unterrichtet. Außerdem ist er Mitglied des Beirats für Darstellende Künste der Stadt Rotterdam sowie Mentor beim Festival Cement, einem Festival für aufstrebende Theatermacher*innen in den Niederlanden und Belgien.
Andrea van Bussel | Produktion

Andrea Vos-van Bussel ist eine freiberufliche Produktionsleiterin, die in den Niederlanden lebt. Schon in jungen Jahren von der Magie des Theaters fasziniert, produzierte sie mit 17 Jahren bereits für kleine Theatergruppen. Im Jahr 2013 schloss sie ihr Studium im Bereich Kunst & Management ab, woraufhin sie Erfahrungen in einer Vielzahl von (internationalen) Produktionen sammelte, darunter Theater, (Sport-)Events, Konferenzen und Festivals.
Seit 2019 ist Andrea bei Club Gewalt tätig. Als Produktionsleiterin betreut sie alle Projekte und Aufführungen und sorgt dafür, dass alles gut vorbereitet, effizient geplant und klar kommuniziert ist.
Leonore del Mestre | Regie- und Produktionsassistenz
Leonore del Mestre (*1999) arbeitet freischaffend in unterschiedlichen
Theater- und Kunstprojekten an der Schnittstelle von Regie, Produktion und Konzeption.
Sie studierte Kulturwissenschaften und digitale Medienkulturen in Lüneburg sowie Kunst- und Kulturvermittlung in Zürich. Von 2023 bis 2025 leitete sie das Artist in Residence Programm der Roten Fabrik in Zürich.
Zuletzt organisierte und produzierte sie das Grätsche Festivals in Zürich mit, welches als unkuratiertes Festival jungem und freiem Theater eine Bühne gibt. Leonore del Mestre lebt und arbeitet zwischen Zürich und Berlin.
Zus Downes | Produktionsassistenz
Zus Downes ist Musiker*in, Autor*in und Produzent*in und arbeitet seit 2025 als Produktionsassistenz bei Club Gewalt.