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Programmheft: طرب / Tarab

Eine Ekstase mit Musik von Umm Kulthum

© Peter van Heesen

In der westlichen Welt wenig bekannt, gehört die Sängerin Umm Kulthum – die „Callas Ägyptens“ – zu den ganz großen Ikonen der klassischen arabischen Musik. In einem männlich-dominierten künstlerischen Bereich schaffte sie es bis an die Spitze und wurde so zu einem Vorbild für Wandel und Selbstermächtigung von Frauen auf der ganzen Welt. Umm Kulthums Einfluss reichte bis in die Sphäre der Politik: Mit lebhafter Solidarität und öffentlichem Engagement setzte sie sich für eine Gesellschaft ein, an der alle teilhaben können – so wie an ihrer Musik. 

Heute erscheint es wichtiger denn je, diese grenzüberschreitende Kraft jener Ausnahmekünstlerin zu aktivieren und Menschen in Berlin-Neukölln in einen tranceähnlichen Zustand der gemeinschaftlichen Ekstase zu versetzen. طرب / TARAB schafft dafür eine Collage aus vielfältigen Umm-Kulthum-Liedern für drei Sängerinnen und Darstellerinnen, begleitet vom Berliner ensemble transmusica, in einem einzigartigen Bühnenerlebnis. Eine Performance, die Musik mit ausdrucksstarker Bühnengestaltung, Bewegung und sinnlich-dramatischen Ausdrucksformen verwebt. 

حتى الآن مازال العالم الغربي لا يعرف الكثير عن المطربة أم كلثوم – والتي كثيرا ما أُطلق عليها في الغرب ”ماريا كالاس مصر“- وهي واحدة من أعظم أيقونات الموسيقى العربية الكلاسيكية على الإطلاق. فهي ليست فقط مثالا للمرأة التي حققت صعودا اجتماعيا واقتصاديا بامتياز داخل وسط فني يسيطر عليه الفكر الأبوي، لكنها آصبحت أيضا نموذجا للتغيير والتمكين للنساء عبر العالم. لقد كانت أم كلثوم ملهمة للتغيير الاجتماعي وللإحساس بالروح الجمعية، كما امتد تأثيرها نحو الدوائر السياسية حيث انخرطت في التضامن الوطني وفي النشاط العام قوي التأثير، لكي تدافع عن مجتمع يمكن للجميع فيه أن يشارك، تماما مثلما كانت أغانيها مجالا يتسع لجميع فئات المجتمع وطبقاته

اليوم يبدو لنا ضروريا أكثر من أي وقت مضى أن نحيي أثر تلك الفنانة العابرة للحدود، وأن نقدم لجمهور برلين ونويكولن حالة هي أقرب إلى النشوة الجماعية. يخلق ”طرب“ كولاج من أغنيات متنوعة لأم كلثوم يؤديها ثلاثي من المغنيات بمصاحبة الإنسامبل الموسيقي البرليني ”ترانسموزيكا“. إنه عرض يغزل الموسيقى مع السينوغرافيا المؤثرة والحركة واللغات الدرامية الحسية

EInleitung

© Peter van Heesen

DAS FUNDAMENT, AUF DEM WIR ALLE STEHEN
Umm Kulthums Songs in der Neuköllner Oper

Von Dennis Depta, Dramaturg an der Neuköllner Oper und von طرب / TARAB

Vergiss die Beatles!

Am Ende der ersten Spielzeit der künstlerischen Leitung von Rainer Simon an der Neuköllner Oper sollte etwas ganz Besonderes stehen. Etwas, das den Titel dieses freien Musiktheaterhaus beim Wort nimmt: Opernhaus für Neukölln zu sein und damit primär für Bewohner*innen dieses Bezirks zu programmieren. طرب / TARAB ist eine Einladung, ein Geschenk an Neukölln. Aber natürlich eröffnet dieser Abend auch Menschen, die Umm Kulthum noch nicht kennen, einen neuen Kosmos.

Umm Kulthums Songs waren schon da, als die Neuköllner Oper in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Pforten öffnete. Die Ikone ist omnipräsent in der arabischen Welt, spätestens seit Radio Kairo 1934 den Sendebetrieb aufnahm und Umm Kulthum jede Woche Donnerstagabend zwei Stunden live in den Äther und damit direkt in die Herzen sang. Ihre Musik ist einzigartig, von ihr und den Komponisten und Textern um sie herum aus dem Nichts geschaffen. Diese Musik gab es vorher nicht und auch nach ihrem Begräbnis 1974 nie wieder. Noch immer hören wir deshalb das „Original“ die Karl-Marx-Straße hoch- und runtersingen. Aus Dönerläden, Lebensmittelgeschäften, Klamottenläden schallt es – irgendwo zwischen arabischer klassischer Musik, Live-Impro, Minnesang und Pop.

„Ihre Musik ist da. Du kannst sie nicht umgehen. Das ist das Fundament, auf dem wir alle stehen“, beschreibt es Nesrine Belmokh, Cellistin und Sängerin, aber vor allem  Komponistin von طرب / TARAB. Für die Inszenierung hat sie Umm Kulthum ins 21. Jahrhundert geholt. Mit Drums, Bass, Keys, Ney, Klarinette, Oud, Arabischer Violine und Streichquartett. Das Berliner ensemble transmusica folgt dabei jetzt nicht mehr melodisch der Melodie sondern gibt Harmonie und starke Rhythmik in die Re-Komposition. Die drei Stimmen von Mireille Bittar, Rita El-Achkar und Waed Bouhassoun können sich jetzt direkt auf die vertikalisierte Musikbegleitung setzen. So rollt eine Maschine los.

Belmokh, die für die Partitur Ton für Ton der Ikone akkurat ausnotieren musste, stellte dabei fest, wie exakt das doch alles gearbeitet war – die kleinste Koloratur. Von wegen Impro! 10 von etwa 300 Umm Kulthum-Songs flossen so in die 80-minütige Collage طرب / TARAB, dieser von Regisseur Sjaron Minailo inszenierten Bewegungs-Choreografie. Es erklingen Hits wie Enta Omri oder Alf Leila wa Leila. Aber auch weniger bekannte Nummern, die es zu entdecken gilt, wie das prayerhafte Bi Radek. Und auch ein Song von Nesrine selbst: Leïla vom 2024er Album Kan Ya Makan, inspiriert von der „Callas Ägyptens“. Die Liedauswahl samt Auswahl bestimmter Lyrics haben Regisseur und Komponistin gemeinsam getroffen und in die poetische Dramaturgie des Abends gesetzt.

This is not a biopic!

Umm Kulthum gelang es, Zuhörer*innen allein durch ihre Stimme in einen anderen Zustand zu versetzen. „Tarab“ nennt man diesen Zustand im Arabischen. Der Begriff beschreibt eine kollektive Ekstase, ein Sich-Verlieren in der Schönheit der Kunst. Ihre Songs dauerten live oft zwischen 45 und 60 Minuten. Die Sängerin arbeitete dabei mit improvisierten Umstellungen, spannungsreichem Hinauszögern und extremen Wiederholungen. Das Orchester folgte ihren Melodieführungen. Kein Konzert glich dem anderen. Und die Leute kippten reihenweise um, gerieten außer sich und durchlebten Trips.

Umm Kulthums Lieder sind der Stoff dieser Aufführung, die jetzt versucht Ekstase mit den Mitteln der Bühnenkunst zu erzeugen. Das alles ist also kein Biopic! Und dennoch schwingt in jeder Note natürlich die unfassbare Erfolgsgeschichte der ägyptischen Sängerin mit. Eine Frau, die sich in Kindheitstagen als Junge verkleidet in den Koranunterricht schummelte und sich später bei ihren Koloraturen formaler Mittel des Koransingens bediente und damit sämtliche Grenzen der Musikwelt des 20. Jahrhunderts neu auslotete. Eine Aufstiegsgeschichte einer Frau, die es im Patriarchat allen so richtig gezeigt hat. Die gejazzt hat, wie sie wollte. Umm Kulthum ist ein Vorbild, das noch immer elektrisiert und empowert.

Und doch höre ich irgendwann dieses erste kleiner Aber – in all den Monaten in Neukölln. Die Sängerin Rita El-Achkar sagt: „I felt a bit distant to Umm Kulthum. Nesrine is giving Umm Kulthums songs a second chance for a younger generation to rediscover the beauty of it.“ An der Ikone wird also doch gesägt, eben um ihre Kunst ins 21. Jahrhundert zu transferieren, sie wieder lebendig zu machen. Das ist Materialwert-Erkennung und -Nutzbarmachung im besten Brechtschen Sinne. Das Gegenteil von musealer Kunst also. Re-Komposition galore.

Ausblick in andere Welten

In den Songs von Umm Kulthum dreht sich alles um L-I-E-B-E. Jedes Lied ein Herzschmerzfetzen. Dabei wird viel über romantische Liebesbeziehungen erzählt, aber so viel mehr über zwischenmenschliche Berührungen und Verletzungen und die  Erfahrungen die daraus resultieren. Diese Beziehungen sind zutiefst menschlich und Teil der Selbstfindung einer/s jede/n Zuhörer/in. „Von dir verlassen zu werden ist besser als von mir selbst verlassen zu sein“, singt Umm Kulthum. Und in der Neuköllner Oper sind es Mireille Bittar, Rita El-Achkar und Waed Bouhassoun, die singend eigene Lebensstationen von Zuwendung, Liebe und Abschied durchleben. Umm Kulthum hat auch ihre Leben geprägt und immer wieder begleitet. In Syrien und Ägypten, später dann in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. Das Ganze ist meditativ und lässt viele Bedeutungsräume und Assoziationen aufscheinen. Das lässt sich in Bezug auf die Leben der drei Performerinnen aber auch auf das eigene Leben setzen – die vertanen Chancen und Beziehungen, die eingeschlagenen Wege. Es gibt viel zu interpretieren, doch lässt sich nicht alles entschlüsseln. Daran können manche Zuschauenden vielleicht verzweifeln. Müssen sie aber nicht, denn das tiefe Blau der Bühne von Shahrzad Rahmani vermittelt Ruhe, Vertrauen, Klarheit in all den sich kreuzenden Wegen, niemals endenden Fäden, Bausteinen, die sich immer anders aber nie gleich zusammensetzen lassen. Unser Leben wie auch dieser Bühnenraum wird nie fertiggestellt, auch wenn wir alle daran basteln wie blöde. Auch der blaue Tor im Bühnenzentrum hat schon vieles gesehen und ist dennoch nicht fertig gewebt. Es scheint noch ein wenig Licht durch. Und so bleibt es Einfallstor für die Sphäre der Musik, die uns das ensemble transmusica vom Bühnenhintergrund herüberschickt, und unser Leben um diese Dimension erweitert. Und zugleich bleibt er Ausblick in andere Welten, in die diese Musik uns zu führen vermag.

Gedichte

© Peter van Heesen

طرب / TARAB – Poems

Von Nora Amin, Performerin, Choreografin, Autorin, Theaterregisseurin, Romanautorin, Dichterin sowie Wissenschaftlerin, Forscherin, Dozentin und Dramaturgin von طرب / TARAB

Die folgenden Gedichte wurden von der Autorin Nora Amin für طرب / TARAB geschrieben. Sie verfasste diese zunächst in arabischer Sprache und hat sie dann im Englischen noch einmal umgeschrieben. Die Gedichte widerspiegeln Amins Vision der Lieder von Umm Kulthum und Nesrine in طرب / TARAB, die alle einen zusammenhängenden Faden von Erfahrungen auf einem Weg der Selbstfindung, Transformation und Transzendenz im sufistischen Sinne bilden. Die deutsche Übersetzung verfasste Amin mit Dennis Depta auf Grundlage der englischen Gedichte.

Jedes der Gedichte, die während der Aufführung als dramatisches und erzählerisches Element projiziert werden, beschreibt einen Schritt auf dem Weg zur Transzendenz und vielleicht hin zur Ekstase, wo Liebe im weitesten Sinne des Wortes ein höchster Akt des Seins ist.

Erster Schritt

دع صوتي يُبلِغ مقصدي ومناي

Let my voice convey my purpose and my longing.

Lasst meine Stimme meine Absicht und meine Sehnsucht zum Ausdruck bringen.

Zweiter Schritt

بينما يصبح الحب جفاء
يتحول قلبي لنسيان
أصبح أنا نسياناً
يتوق لأن ينساك
وينساني معك.

As love turns to harshness
My heart becomes forgetfulness
Forgetfulness becomes me
Longing to the forgetfulness of you
And me.

Wenn Liebe in Härte umschlägt
Vergesslichkeit wird aus meinem Herzen
Vergesslichkeit wird zu mir
Sehnsucht nach deiner Vergessenheit  
Und meiner.

Dritter Schritt

أفقد الإحساس بالزمن
أزدهر في نشوة الحب
أتوه في لمساتك، يتجلى الأمل
في هذيان العناق الممتد
هذا مقصدي، وكلي شوق.

I lose the sense of time
While thriving in the ecstasy of love.
Lost in your touch, my hope manifests.
Hypnotised by this never ending embrace.
For myself, this is the purpose that I crave.

Ich verliere jedes Zeitgefühl,
während ich in der Ekstase der Liebe aufgehe.
Verloren in deiner Berührung, offenbart sich meine Hoffnung.
Gebannt von dieser nie endenden Umarmung.
Für mich ist dies der Sinn, nach dem ich mich sehne.

Vierter Schritt

لم أعد أؤمن بشيء
لم يعد هناك قانون
هذه ليست الحياة
لا

I no longer have faith
There’s no more law
Life for me isn’t that
No..

Ich habe keinen Glauben mehr.
Es gibt kein Gesetz mehr.
Leben ist für mich nicht das hier.
Nein..

Fünfter Schritt

نحن الليل والسماء والصحراء
نحن كون اشتياقنا نحن
مفتاح السعادة والوهج
نخلق الزمن لألف مرة ومرة
نحن الزمن الدوار الخالد

We are night and sky and desert
We are a universe of our own longing
The key to bliss and glow
We recreate time one thousand and one times
We are the eternal spiral time.

Wir sind Nacht, Himmel und Wüste.
Wir sind ein Universum unserer eigenen Sehnsucht.
Der Schlüssel zu Glückseligkeit und Leuchtkraft.
Wir erschaffen die Zeit tausend und einmal neu.
Wir sind die ewige Spirale der Zeit.

Sechster Schritt

كيف أتخلى عن ذاكرة حبي
بينما حياتي تتشكل بالذكرى
الذكرى هي مرآة هويتي
مرآة أحلامي واشتياقي وغدي

How can I let go of my memory of love
When it is memory that shapes my life
Memory is the mirror of my identity
My dreams, longings and becoming.

Wie kann ich meine Erinnerung an die Liebe loslassen,
wenn es doch die Erinnerung ist, die mein Leben prägt?
Erinnerung ist der Spiegel meiner Identität.
Meiner Träume, Sehnsüchte und meines Werdens.

Siebter Schritt

أقبض على حريتي… أحرر قلبي…
أسترد كرامة خطوتي … عكس كل الأوهام
أملك روحي… والقدر يتبع هؤلاء
مَن يتمسكون بضيائهم الكامن.

Seeking liberty .. unchaining my heart..
Dignifying my walk against all illusions…
I own my soul… and destiny follows those
Who hold on to the light within.

Auf der Suche nach Freiheit … mein Herz befreien …
meinen Weg würdevoll gestalten, frei von Ilusionen …
Meine Seele gehört mir… und das Schicksal folgt denen,
die am inneren Licht festhalten.

Achter Schritt

تبدلتُ بقسوة حبك
عدتُ إلى نفسي وتحررتُ.
أن تهجرَني خيرٌ من أن أهجرَ نفسي
غنوتي ستلوِّن الهجرة بعزة نفسي.

The cruelty of your love changed me
Led me again to myself and liberated me.
Deserted by you is better than being deserted by myself
My worth fills the desert and leads the song.

Die Grausamkeit deiner Liebe hat mich verändert.
Sie hat mich wieder zu mir selbst geführt und mich befreit.
Von dir verlassen zu werden ist besser, als von mir selbst verlassen zu sein.
Mein Selbswert überwindet den Schmerz und leitet das Lied.

Neunter Schritt

إحياء الذكرى … إحياء الحب
موجة من التذكر العذب تشدني إلى الوراء
هل بالفعل أني لم أنس أبداً؟
لم أتخل أبداً عن لهيب القلب؟
ولم أتوقف أبداً عن الاشتياق للوثاق؟

Reviving the memory reviving the love
A wave of sweet remembrance swings me back to the past
Is it true that I never forgot?
Never let go of the flame in my heart?
Did I ever stop longing for the bond?

Die Erinnerung erwacht, die Liebe erwacht.
Eine Welle süßer Erinnerungen trägt mich zurück in die Vergangenheit.
Stimmt es, dass ich nie vergessen habe?
Die Flamme in meinem Herzen nie erloschen ist?
Habe ich jemals aufgehört, mich nach dieser Verbindung zu sehnen?

Zehnter Schritt

أنا الزمن الدوار يصل الماضي بالحاضر
أنا الحب عابر الأزمنة
أتذوق لذة العشق الخالدة
أكون المداواة والمسامحة
أتخطى مرآة الزمن والفقد.

I am the spiral time linking past and present
I am love cutting across time
Tasting the eternal pleasures of passion
Being the healing and forgiveness
Transcending the mirror of age and loss.

Ich bin die spiralförmige Zeit, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet.
Ich bin die Liebe, die die Zeit durchdringt.
Ich koste die ewigen Freuden der Leidenschaft.
Ich bin Heilung und Vergebung.
Ich transzendiere den Spiegel von Alter und Verlust.

Verwendete Musik

© Peter van Heesen

Im Folgenden werden die ursprünglichen Komponist*innen und Dichterinnen der Lieder genannt, die von Nesrine Belmokh für طرب / TARAB neu komponiert wurden.

In chronologischer Reihenfolge des Stücks:

Bi Ridak
(Komposition: Zakareyya Ahmed / Text: Biram El-Tonsi)

Ya Eini
(Komposition: Zakareyya Ahmed / Text: Biram El-Tonsi)

Hagartak
(Komposition & Arrangement: Riad El-Sonbati / Text:  Ahmad Rami)

Amal Hayati
(Komposition & Arrangement: Mohamed Abd El Wahab / Text: Ahmed Shafeeq Kamel)

Leïla
(Composition & Text: Nesrine Belmokh, Vincent Mascarell Minea, Gregoire Musso)

Alf Leila wa Leila
(Komposition: Baligh Hamdi / Arrangement: Riad El-Sonbati / Text: Morsi Gamil Aziz)

Zekrayat
(Komposition: Riad El-Sonbati / Arrangement: Riad El-Sonbati /  Text: Ahmad Rami)

El Atlal
(Komposition & Arrangement: Riad El-Sonbati / Text: Ibrahim Nagui)

Ya Eini
(Composition: Zakareyya Ahmed / Text: Biram El-Tonsi)

Esaal Rohak
Komposition: Mohamed El-Mogui / Text: Mohamed Abd El Wahab

Fakarouny
Komposition, Arrangement &  Text:  Mohamed Abd El Wahab

Enta Omry
Komposition & Arrangement: Mohamed Abd El Wahab /  Text: Ahmed Shafeeq Kamel

Beteiligte

© Peter van Heesen

MIT Mireille Bittar, Rita El-Achkar, Waed Bouhassoun

MUSIKER*INNEN des ensemble transmusica Valentin Link (Bass), Bernd Oezsevim (Schlagzeug), Jehad Jazbeh (Solo-Violine), Mari Sawada / Vera Kardos (Violine I), Angelika Feckl / Meike-Lu Schneider (Violine II), Kundri Lu Schäfer (Viola), Zoe Cartier / Lea Rahel Bader (Cello), Deniz Mahir Kartal / Yazan Alsabbagh (Klarinette & Ney), Tarek Charbel (Oud)

REKOMPOSITION Nesrine Belmokh MUSIKALISCHE LEITUNG / ARRANGEMENTS Frank Woeste REGIE Sjaron Minailo KOSTÜM / BÜHNE Shahrzad  Rahmani DRAMATURGIE Nora Amin, Dennis Depta DRAMATURGISCHE BERATUNG Mieke Kolk  POESIE Nora Amin REGIEASSISTENZ / PRODUKTIONSLEITUNG Joelina SpiessENSEMBLEMANAGEMENT transmusica ensemble / MUSIKALISCHE BERATUNG Sofia Surgutschowa

TECHNISCHE PRODUKTIONSLEITUNG Helmut Topp TON Klim Losovskii LICHT Sina Winkelhausen ABENDTECHNIK TON Michael Tuttle, Klim Losovskii, Sören Schwedler, Sebastian Vivas Sanchez ABENDTECHNIK LICHT Ralf Arndt, Niklas Mård, Sina Winkelhausen BÜHNENBAU Gregor von Glinski, Marc Schulze, Rui Wegener, Ralf Mauelshagen, Pet Bartl-Zuba, Anne Wundrak, Zora Hünermann KOSTÜMABTEILUNG Christina Kämper (Leitung), Kathy Tomkins MASKE Anne-Claire Meyer ABENDSPIELLEITUNG Sophie Reavley, Regina Triebel ABENDSERVICE LTG Vanda Hehr

Biografien

Mireille Bittar

Mit einer Stimme, die sowohl die Tiefe des Orients als auch die Raffinesse des Okzidents in sich vereint, etabliert sich die niederländisch-syrische Sopranistin Mireille Bittar als eine einzigartige künstlerische Persönlichkeit auf der internationalen Bühne.

Als Gründerin und künstlerische Leiterin des Mozaiek Ensembles widmet sie sich der Schaffung eines bedeutungsvollen Dialogs zwischen den westlichen klassischen Traditionen und dem reichen musikalischen Erbe des Nahen Ostens. Für ihren warmen Stimmklang und ihre ausdrucksstarke Interpretationskunst geschätzt, verleiht Bittar einem breit gefächerten Repertoire emotionale Tiefe und stilistische Vielseitigkeit.

Sie besitzt einen Masterabschluss in Musik vom Amsterdamer Konservatorium sowie einen Bachelorabschluss des Higher Institute of Music in Damaskus. Derzeit promoviert sie an der Ain Shams University in Kairo und erforscht dabei die Schnittstellen zwischen arabischen und westlichen Gesangstraditionen.

Ihre internationale Karriere führte sie zu Auftritten mit renommierten Institutionen wie dem Rotterdam Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Ruman Gamba, der Dutch National Opera & Ballet sowie dem Residentie Orkest. Auf der Opernbühne umfasst ihr Repertoire sowohl klassische als auch zeitgenössische Werke – von Cherubino in Mozarts Le Nozze di Figaro bis hin zu modernen Produktionen wie Anne & Zef sowie arabischen Opern wie Antar & Abla.

Als Konzertsolistin interpretierte Bittar bedeutende Werke von Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms, Franz Schubert, Gabriel Fauré, Karl Jenkins und Antonio Vivaldi und begeistert ihr Publikum mit stilistischer Sensibilität und charismatischer Bühnenpräsenz.

Über die klassische Bühne hinaus erweiterte sie ihren künstlerischen Ausdruck mit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle Helwa El Hayat im Jahr 2024, gefolgt von Ya Nasini und Mayyel im Jahr 2025 sowie Alouli Faq im Jahr 2026. Diese Projekte spiegeln ihr Engagement für kulturelle Verschmelzung und zeitgenössisches Storytelling wider.

Darüber hinaus ist Bittar Botschafterin und Featured Artist von Sing for Freedom, einer in den Niederlanden ansässigen Organisation, die durch Musik kulturelle Verbindungen fördert.

Neben ihrer Konzert- und Opernkarriere engagiert sie sich leidenschaftlich als Pädagogin. Sie unterrichtet arabischen klassischen Gesang am Amsterdamer Konservatorium, am ArtEZ Conservatorium in Enschede sowie am Konservatorium Maastricht und inspiriert dort eine neue Generation von Sängerinnen und Sängern, vokale Traditionen unterschiedlicher Kulturen zu entdecken und miteinander zu verbinden.

Rita El-Ashkar

Rita El Achkar, geboren und aufgewachsen in Ägypten, begann ihre musikalische Reise im Alter von 12 Jahren, als sie begann, Gesangsunterricht bei der ägyptischen Sopranistin Neveen Allouba zu nehmen.

Im Jahr 2013 ging sie an die American University in Kairo, wo sie Operngesang und Wirtschaft studierte. Sie setzte ihr Studium bei Neveen Allouba fort und besuchte mehrere internationale Meisterkurse bei renommierten Opernsängern und Dirigenten wie Caroline Dumas, Ritva-Liisa Korhonen, Annika Ollinkari, Konrad Jarnot, Jorma Silvasti, Topi Lehtipuu und Will Humburg.

Im Jahr 2017 war sie Empfängerin des ägyptisch-finnischen Brückenstipendiums.

Nach ihrem Abschluss an der American University in Cairo, wo sie auch das Kulturstipendium für ihren Gesang erhielt, setzte Rita ihr Opernstudium in Detmold fort, wo sie ihren Bachelor in Operngesang und ihren Master in Gesangspädagogik bei der finnischen Sopranistin Eeva Tenkanen absolvierte.

Rita sang ihr Deutschland Debüt am Landestheater Detmold als Susanna (Le nozze di Figaro), gefolgt von ihrem Debüt als Mimi (La Bohème) in den jährlichen Produktionen der Hochschule für Musik Detmold. Weitere bemerkenswerte Opernrollen sind Miss Wordsworth (Albert Herring) und Berenice (L’occasione fa il ladro), die beide am Sommertheater Detmold gesungen wurden.

Im Jahr 2024 sang Rita ihr Debüt als Königin der Nacht (Die Zauberflöte) — ihre Queen-Debütaufführung — an der Kairoer Oper.

Renommierte Professoren und Coaches wie Ivan Törz, Manuel Lange, Kristian Attila, Fabio Vettraino und Thomas Mittmann haben ihre musikalische Entwicklung stark beeinflusst und ihr geholfen, ihre musikalische Interpretation zu verfeinern.

Zu ihren Erfolgen gehört der internationale Gesangswettbewerb „Jugend musiziert“, bei dem sie in jedem der 6 Jahre, in denen sie teilnahm, verschiedene Preise gewann. Sie erhielt ein Kulturstipendium an der American University in Kairo und ein finnisch-ägyptisches Stipendium für die Teilnahme an den Meisterkursen des Opernfestivals in Savonlinna.

Im Jahr 2022 gewann sie den 3. Preis beim internationalen Wettbewerb „Concorso Lirico Internazionale „Magliano città della musica“ Lecce, Italien“.

Im Oktober 2022 sang Rita die Uraufführung von Widukind in der Rolle der Geva in Zusammenarbeit mit Birgit Kronshage und Thomas Lotz. Im Sommer 2025 folgte die Wiederaufnahme im Rahmen einer Deutschland-Tournee.

Waed Bouhassoun

Waed Bouhassoun ist eine syrische Sängerin, Oud-Spielerin, Komponistin und Ethnomusikologin, deren internationale Karriere im Jahr 2006 begann. Geboren im Süden Syriens, entwickelte sie eine einzigartige musikalische Sprache, die in den arabischen Traditionen verwurzelt ist und zugleich durch vielfältige kulturelle Einflüsse bereichert wurde.

Sie begleitet sich selbst auf der Oud und interpretiert sowohl eigene Kompositionen als auch mystische und weltliche Dichtung aus dem klassischen und zeitgenössischen arabischen Repertoire. Ihre Konzerttätigkeit führte sie durch die arabische Welt, Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien. Zudem arbeitet sie regelmäßig mit Jordi Savall und der Hespèrion XXI zusammen.

Im Jahr 2018 wurde sie mit dem Titel Chevalier des Arts et des Lettres ausgezeichnet. 2022 erhielt sie den Preis für die beste Dissertation im Bereich Nahost- und islamische Studien (Middle East and Muslim Worlds Thesis Prize).

Ensemble Transmusica

© Sofia Surgutschowa

Das ensemble transmusica wurde 2023 von dem marokkanischen Oud-Spieler Alaa Zouiten, dem bulgarischen Saxophonisten Vladimir Karparov und der russisch-deutschen  Künstlermanagerin Sofia Surgutschowa in Berlin gegründet. Alaa, Vladimir und Sofia kannten sich bereits gut, da sie gemeinsam zahlreiche Musikprojekte erfolgreich realisiert hatten, so z.B. das Babylon ORCHESTRA, dessen Mitbegründerin Sofia ist.

Das ensemble transmusica vereint verschiedenste Kulturen und verbindet sie durch seine Musik und Herangehensweise. Die Gruppe schöpft aus einem facettenreichen Repertoire, das von eigenen Kompositionen der künstlerischen Leiter und Musiker:innen des Ensembles bis hin zu neuen Arrangements von bekannten Stücken aus dem mediterranen Raum, den Balkan-Ländern, Afrika und Indien reicht. Dabei versteht das Ensemble es meisterhaft, verschiedene Kulturen miteinander zu verknüpfen, ohne sie oberflächlich zu vermischen. Durch ihre einzigartige musikalische Reise bringen uns die Musiker:innen dazu, unsere Unterschiede zu feiern und gleichzeitig zu erkennen, dass wir alle Teil derselben globalen Gemeinschaft sind und ohne einander nicht können. Das ensemble transmusica gestaltet sowohl unvergessliche Abende mit spannenden, internationalen Solist:innen, deren Schaffen im Mittelpunkt des jeweiligen Konzerts steht, als auch Abende mit musikalischen Themenschwerpunkten, die die Zuhörer:innen auf weite Reisen mitnehmen, Ansätze hinterfragen und neue Türen öffnen.

Berlin als Stadt des kulturellen Austauschs und des Kampfes für Gleichberechtigung ist der perfekte Ort, um das Konzept der Transkulturalität und Inklusion ins Leben zu rufen, zu verkörpern und in die Welt zu tragen. Das ensemble transmusica setzt sich dafür ein, durch seine Musik und künstlerische Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Diversität und Inklusion zu leisten. Das Ensemble engagiert sich auch in der Musikvermittlung an Kinder und Jugendliche, indem es an Berliner Schulen globale Musik in den regulären Musikunterricht mit einbezieht. Der Verein transmusikale e.V., zu dessen Vorstand Alaa und Sofia zählen, setzt sich für Integration von transkulturellen Musiker.innen ein, für ihre Vernetzung in Berlin und Deutschland und schafft eine Plattform des Austauschs auf Augenhöhe mit den kulturellen Institutionen.

Erleben Sie das ensemble transmusica und lassen Sie sich von seiner einzigartigen Musik verzaubern. Lassen Sie sich inspirieren und ermutigen, unsere Gemeinsamkeiten zu feiern und unsere Unterschiede zu schätzen!

2023 gab das ensemble transmusica sein Debut beim Verbier Festival (Wallis, Schweiz) mit der Sängerin und Pianistin Merve Akyildiz und trat in der Spielzeit 2023-24 mit Basma Jabr als Solistin in der Tonhalle St. Gallen (Schweiz) auf. Weitere Projekte des Ensembles sind eine eigens kuratierte Konzertreihe in Berlin und die Kreation der Langen Nacht der Musik, sowie Ukrainian Female Voices im Grünen Salon der Volksbühne.

Nesrine Belmokh | KÜNSTLERISCHE LEITUNG / REKOMPOSITION

© Naïri

Die Sängerin, Cellistin und Songwriterin Nesrine wuchs in einer Familie auf, in der Musik eine zentrale Rolle spielte. Bereits im Alter von sechs Jahren gab sie ihr erstes Konzert und zeigte dabei ein außergewöhnliches Talent sowie absolutes Gehör. Klassisch im Cellospiel ausgebildet, studierte sie an renommierten Institutionen und trat mit bedeutenden Orchestern auf, darunter das West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim sowie das Valencia Opera Orchestra unter dem Dirigat von Lorin Maazel und Zubin Mehta.

Ihre internationale Laufbahn führte sie nach Frankreich, Spanien, in die Schweiz, nach New York und schließlich nach Paris, wo sie heute lebt. Diese kulturelle Vielfalt prägt ihre Musik, die Elemente aus Jazz, Pop, Klassik und nordafrikanischen Traditionen miteinander verbindet.

Als echte Weltbürgerin vereint sie unterschiedliche Sprachen und Klangwelten in ihren Kompositionen und wechselt mühelos zwischen Arabisch, Französisch und Englisch. Nachdem sie mit dem Trio NES und dem Album Ahlam (2018), das für seine minimalistische Schönheit und mediterranen Einflüsse gefeiert wurde, die europäische Musikszene eroberte, etablierte sich Nesrine auch als Solokünstlerin mit den Alben Nesrine (2020) und Kan Ya Makan (2024). Letzteres, dessen Titel auf Arabisch „Es war einmal“ bedeutet, ist ein zutiefst persönliches Werk, in dem sie universelle Themen wie Liebe, Resilienz und menschliche Verbundenheit erforscht.

Zu ihren musikalischen Kollaborationen zählen renommierte Künstlerinnen und Künstler wie Michael League, Michael Mayo, Michel Portal, IAM, Juliette Saumagne sowie das Metropole Orchestra. Außerdem begeisterte sie in einer Hauptrolle in Amaluna von Cirque du Soleil und stellte dort ihre Vielseitigkeit und Bühnenpräsenz eindrucksvoll unter Beweis.

Nesrine schöpft ihre Inspiration aus unterschiedlichsten literarischen und musikalischen Persönlichkeiten: Khalil Gibran, Serge Gainsbourg, Ludwig van Beethoven, Oum Kalthoum und Erykah Badu. Ihr Cello, ein lebenslanger Begleiter, steht im Zentrum ihrer Kompositionen und verwandelt sich je nach kreativer Vision in Bass, Gitarre oder ein orchestrales Instrument.

Mit Kan Ya Makan bekräftigt Nesrine ihren Status als innovative und zeitlose Künstlerin – eine moderne Scheherazade, die musikalische Traditionen neu erfindet.

Frank Woeste | MUSIKALISCHE LEITUNG / ARRANGEMENTS

Frank Woeste, 1976 in Hannover geboren, ist Pianist, Komponist, Arrangeur und Produzent. In einer musikalischen Familie aufgewachsen, zog er 1997 für sein Studium nach Paris und entwickelte einen persönlichen Stil zwischen Jazz, Klassik und elektronischen Klangfarben, besonders am Fender Rhodes. Er arbeitete u. a. mit Ibrahim Maalouf, Youn Sun Nah undDave Douglas. Seine Projekte wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter bei den Victoires du Jazz. Zudem veröffentlichte er zahlreiche Alben als Bandleader und gilt als einer der vielseitigsten europäischen Jazzpianisten seiner Generation.

Sjaron Minailo | Regie

© Kathrin Grzeschniok

Sjaron Minailo ist ein in Amsterdam ansässiger Opern- und Musiktheaterregisseur sowie künstlerischer Leiter von Studio Minailo, seinem experimentellen Labor. Seine stark visuell geprägten, ortsspezifischen Arbeiten reagieren auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen und umfassen neue Kreationen aus Kompositionen, die nie für die Bühne gedacht waren. Er ist Künstler-Kurator beim Opera Forward Festival der Niederländischen Nationaloper und Leiter des Fachbereichs Musiktheater an der ArtEZ University of the Arts. Zu seinen Engagements zählen die Niederländische Nationaloper, La Monnaie, die Oper Brünn und die Oper Poznań, mit jährlichen Auftritten beim O. Festival Rotterdam seit 2008. Er erhielt den Fast Forward Prize und stand auf der Shortlist der International Opera Awards (Kategorie „Young Directors“).

Shahrzad Rahmani | KOSTÜM/ BÜHNE

© Phil Dera

Shahrzad Rahmani ist freiberufliche Bühnen-, Kostümbildnerin und Szenografin sowie Teil des Künstler:innenkollektivs „Guerilla Architects“ in Berlin. Ihre künstlerische Praxis konzentriert sich auf interdisziplinäre Räume und Installationen in Theater-, Stadt- und Performancekontexten. Geboren in Karlsruhe und aufgewachsen in Teheran, absolvierte Shahrzad einen Master of Arts in Bühnenbild_Szenischer Raum an der TU Berlin sowie ein Diplom in Architektur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). 2023/24 war sie Bertolt-Brecht-Gastprofessorin am Centre of Competence for Theatre (CCT) der Universität Leipzig. Sie arbeitet national und international mit Regisseur:innen und Choreograf:innen an verschiedenen Theaterhäusern und ortsspezifischen Projekten.

Nora Amin | Dramaturgie / Poesie

Performerin, Choreografin, Autorin, Theaterregisseurin, Romanautorin, Dichterin, Dramaturgin sowie Wissenschaftlerin, Forscherin und Dozentin. Sie ist Gründerin der unabhängigen Theatergruppe Lamusica Independent Theatre (Ägypten, 2000) sowie Initiatorin des landesweiten ägyptischen Projekts Theatre of the Oppressed und dessen arabischen Netzwerks (Libanon, Sudan und Marokko), das rund 900 Theaterschaffende ausgebildet hat und als die bislang größte Bewegung für Theater als Instrument gesellschaftlicher Veränderung in der Region gilt. Sie choreografierte, inszenierte und produzierte 55 Tanz-, Theater- und Musikproduktionen. Als vielfach veröffentlichte Autorin zählen zu ihren jüngsten Büchern Migrating the Feminine und Dance of the Persecuted, erschienen beim Berliner Verlag MSB Matthes & Seitz.

Nora Amin promovierte im Bereich Kulturpolitik an der University of Hildesheim und arbeitet zudem als Grief Coach sowie als Praktikerin für Traumabewältigung und Traumheilung.

Dennis Depta | Dramaturgie

Ein Portrait von Dennis Depta. Er trägt ein glänzendes Hemd mit Tiger-Muster und spielt an einem Kickertisch in Miniaturformat. Sein Blick ist abgewandt, er hat einen lächelnden Ausdruck im Gesicht.
© Peter van Heesen

Dennis Depta, 1988 in Cottbus geboren, ist Dramaturg, Performer und Musiker. Mit der Berliner (Musik)-Theatergruppe glanz&krawall sucht er seit 2014 unbekümmert die Konfrontation mit dem Rest der Gesellschaft– von der Hochkultur der Oper bis zur poetischen Verlorenheit eines Alleinunterhalters in der Dorfdisko. Dafür holt er mit Regisseurin Marielle Sterra Formate der Populärkultur wie Wrestling, Circus, Punkkonzerte oder Trabrennen ins Theater und bringen das Theater vermehrt in den Stadtraum, z.B. in Clubs, Strandbäder oder Psychiatrien. Seit 2019 initiieren Depta und Sterra die inklusive Theater- und Musik-Festivalreihe BERLIN is not…, für die Musikacts und Gruppen der Darstellenden Künste gleichermaßen Opern von Richard Wagner & CoKG für ein breites Publikum bearbeiten. Seit der Spielzeit 2025/2026 ist Depta Dramaturg an der Neuköllner Oper, Berlin. Er ist Gitarrist der Bands SCHROTTI STAR ORCHESTER und KANAL. Depta glaubt, dass Kunst von Wollen und nicht von Können kommt.

Mieke Kolk | Dramaturgische Beratung

Dr. Mieke Kolk lehrte am Fachbereich Theaterwissenschaft der Universität Amsterdam. Sie spezialisierte sich auf Frauenstudien und postmodernes Theater in Theorie und Praxis. In den 1980er-Jahren war sie Mitbegründerin der feministischen Theatergruppe Theater Persona und war als Gastprofessorin in das Vereinigte Königreich, die USA und Belgien eingeladen.

Seit den späten 1980er-Jahren veröffentlichte sie umfangreich zu Oper und Musiktheater. Ihre Bücher entwickelten und beschrieben internationale feministische Strategien im Theater sowie eine kurze Geschichte des Frauentheaters in den Niederlanden.

Seit 2001 arbeitete sie an einem Programm für kulturellen Austausch im Bereich der Künste mit niederländischen und europäischen Theatermacher:innen sowie ihren Kolleg:innen in Ägypten und Sudan, und zwar bis 2019. Akademische Konferenzen zwischen Ost und West wurden in Zusammenarbeit mit und in arabischen Ländern zwischen 2004 und 2009 durchgeführt. Die entsprechenden Tagungsbände wurden zudem von der Theaterzeitschrift Documenta (Theatre Journal) an der Universität Gent veröffentlicht.

Ihre eigenen internationalen Publikationen sind online über ResearchGate zugänglich.

Joelina Spiess | REGIEASSISTENZ / PRODUKTIONSLEITUNG

© Arthur Buchholz

Joelina Spiess, geboren und aufgewachsen in Berlin, schloss 2024 ihr Regiestudium an der Academy of Theatre and Dance Amsterdam ab. Unter dem Namen ihres Kollektivs HERMANN entwickelt sie aus psychologisch-philosophischen Gedankenexperimenten performative Formate, die klassische Theaterformen mit Settings wie Workshops oder Speeddates verbinden. Im Zentrum steht eine radikale, schonungslose Ehrlichkeit und der Wunsch, ein nahezu subtextloses Theater zu schaffen.

Im Rahmen einer Masterclass bei Johan Simons inszenierte sie Elsie de Brauw, woraus eine fortlaufende Zusammenarbeit entstand. Zudem arbeitete sie mit SIGNA am Schauspielhaus Hamburg (Das 13. Jahr) sowie bei den Wiener Festwochen (Das letzte Jahr).

Sofia Surgutschowa | ENSEMBLEMANAGEMENT transmusica ensemble / MUSIKALISCHE BERATUNG 

© Katharina Oppel

Sofia Surgutschowa studierte Theater und Performance in Paris, Amsterdam und Baltimore und arbeitete anschließend als Kulturjournalistin für Magazine wie den Münchner Merkur, Weltkunst, Le Point und Spirit Bordeaux.

Acht Jahre lang war sie Künstlermanagerin bei IMG Artists in Berlin und Paris, wo sie Opernsänger:innen, Dirigent:innen und Instrumentalist:innen vertrat.

2015 gründete sie gemeinsam das Babylon ORCHESTRA in Berlin, ein Ensemble für zeitgenössische orientalische Musik, bestehend aus Geflüchteten und europäischen Musiker:innen, das sich dem kulturellen Austausch zwischen Ost und West verschrieben hat und seither fester Bestandteil der Berliner Kulturszene ist.

Seit 2020 arbeitet Sofia Surgutschowa als freiberufliche Creative Producerin sowie als (Produktions-)Managerin internationaler Kulturprojekte, insbesondere für das Verbier Festival und das Zafraan Ensemble.

Sie ist Mitbegründerin der Biennale in Situ in Lausanne (Schweiz), Vorsitzende des Vorstands von transmusicale e.V. sowie von House of Lada und Mitglied des Redaktionskomitees des französischen Magazins KOMETA.

Monogram Neuköllner Oper