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LILI

Die letzte Nacht der Lili Boulanger

Musiktheater von Änne-Marthe Kühn/Bernhard Glocksin
mit Musik von Lili Boulanger/Markus Syperek

Mit solch einem Geräusch
Mit zartem Schaudern […]
Wir fliegen
Ohne Flügel zu haben

Lili Boulanger: Les Sirènes

Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie nur noch 2 Jahre zu leben hätten? Fallen oder fliegen?

Lili Boulanger musste im Jahr 1916, im Alter von 22 Jahren eine Antwort auf diese Frage finden. Mit Sicherheit kam diese Aussicht viel zu plötzlich und doch nicht ganz unerwartet, denn seit frühester Kindheit lebte Lili Boulanger unter chronischen Schmerzen in Lunge und Darm.

Aus Sicht ihrer Sterbestunde erzählt LILI episodenhaft Erinnerungen an besondere Momente. Dabei bestimmen ihr unbedingter Lebenswille, ihre humorvolle Kraft und ihr zäher Trotz die Szenen. Gleichzeitig vermischen sich Traum, Albtraum, Realität und verzerrte Wahrnehmung mit ihrer preisgekrönten Kantate Faust et Hélène, die so in Berlin erstmals szenisch zu erleben sein wird. Dieses Werk ist von einer atmosphärischen Dichte, kraftvoller Instrumentation und klarer Melodieführung mit deutlichem Bezug zur Spätromantik und zum Impressionismus geprägt und zeugt von Lili Boulangers Gespür für das Musiktheater, das sie schon im Alter von nur 20 Jahren zu großer Reife bringen konnte.

Sie schuf in nur sieben Jahren, die ihr zum Komponieren blieben ein Oeuvre von fast 50 Werken. In denen finden sich Anklänge von Wagner, Fauré, Saint-Saëns und Debussy genauso wie eingestreute Rückgriffe auf die alten Kirchentonarten oder zeittypische, und doch visionäre Ausflüge in die Pentatonik, wie beispielsweise in ihrer Vertonung eines alten buddhistischen Gebets. In LILI werden ausgewählte Werke für das hier kammermusikalisch besetzte Ensemble adaptiert, darunter die helle, verführerisch leichte, fast impressionistische Vertonung des Gedichts Les Sirènes oder das düster pulsierende Chorwerk für den gefallenen Soldaten Pour les funérailles d’un soldat. Sie nutzte ihre Begabung bis zum letzten Atemzug und diktierte ihrer Schwester noch am Totenbett die letzten Noten des Pie Jesu, ihres eigenen Requiems. Obgleich Lilis Werke Zuhörer wie Fachpublikum tief beeindrucken, ist ihre Musik noch immer viel zu selten zu hören. Unsere Uraufführung von LILI ist ein weiterer Beitrag in der Reihe über Komponistinnen, die mit CASTING CLARA begann.

Marc Blitzstein, Autor der Zeitschrift Saturday Review, äußerte sich schon 1960 über Lili Boulanger: „Honegger, Poulenc, Roussel, um nur drei zu nennen, die sie überlebten, verdanken ihr viel […] Wir möchten mehr von ihr hören. Wir möchten wissen, was uns entgangen ist.“

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Uraufführung am 21. April 2022

MUSIK

Lili Boulanger/Markus Syperek

Text

Änne-Marthe Kühn & Bernhard Glocksin

Regie

Andrea Pinkowski

Dramaturgie

Änne-Marthe Kühn & Bernhard Glocksin

Ausstattung

Nele Ahrens

Choreografie

Dennis Alexander Schmitz

Mit

Miha Brkinjač, Josephine Lange, Johanna Link, Merlind Constanze Pohl, Ursula Renneke, Judith Shoemaker, Chunho You und den Musiker*innen Lorraine Buzea, Karola Elßner, Guido Grossmann, Jessica Ling, Adrienn Nagy, Sidney Pfnür, Katja Reinbold, Markus Syperek, Olaf Taube, Christian Vogel

Foto Titel/Szene: © Thomas Koy

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