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Programm­heft HAYDAR TANZT / HAYDAR‘IN DANSI

© Matthias Heyde

WIE HAYDAR ZU UNS KAM

Als wir von der verspäteten bzw. verhinderten Rettung des alevitischen Historikers Dr. Mehmet Yıldırım hörten, war uns klar: Diese Geschichte müssen wir erzählen. Wir können sie nicht für uns behalten. Mehmet Yıldırım wurde während des großen Erdbebens im türkisch-syrischen Grenzgebiet in seiner Wohnung in der Provinz Hatay am 6. Februar 2023 verschüttet und erst am 14. Februar geborgen. Wir möchten an sein Leiden, an das zahlloser Aleviten und Alevitinnen und vieler Tausend anderer Menschen zu erinnern. Denn ist es nicht so: Über wen wir sprechen und singen, der ist noch unter uns? Unser Stück ist aber keine Dokumentation realer Vorgänge, sondern löst sich vom konkreten Fall. So ist der verschüttete Haydar eine erfundene, gleichwohl an Mehmet orientierte Figur. Das reale, unfassbare Unrecht soll zu keinem Zeitpunkt durch diese „Literarisierung“ aufgehoben werden, ganz im Gegenteil: Die hier geschilderten, real beweisbaren Vorgänge sind unbedingt anzuklagen, mit Konsequenzen für die Verantwortlichen. Im Feld von Musik und Theater können wir diese verhängnisvolle Realität aber erweitern und den Betroffenen wie auch der Würde aller Aleviten und Alevitinnen einen größeren Raum geben. Und wir können daran erinnern, welche musikalischen, geistigen und spirituellen Traditionen hinter allem stehen und wirken. Als nicht-alevitische Autoren sind wir berührt von Menschlichkeit, Gottes-Sehnsucht und spiritueller Praxis im Sufismus und im Alevitentum, die wir der Diskriminierung und Unterdrückung der Alevitinnen entgegenhalten. Vieles in diesem Stück entstand auch über persönliche Begegnungen im Familienkreis, in Dersim und mit Alevitinnen, die ich, Bernhard, als Vater eines deutsch-zaza-alevitischen Sohnes über Jahre erleben konnte.

Bernhard Glocksin und Albert Tola


Depremi ve Alevi tarihçi Dr. Mehmet Yıldırım’ın kurtarılmasının geciktiğini ya da engellendiğini duyduğumuzda, spontane olarak bu oyunu yazmaya karar verdik.

Mehmet Yıldırım, 6 Şubat 2023 tarihinde Türkiye-Suriye sınır bölgesinde meydana gelen büyük deprem sırasında Hatay ilindeki evinde gömülü kalmış ve ancak 14 Şubat’ta kurtarılabilmiştir. Onun, sayısız Alevinin ve daha binlerce insanın acısını hatırlamak istiyoruz. Çünkü, kimin hakkında konuşuyor ve şarkı söylüyorsak, o kişi hala aramızda demektir, öyle değil mi?

Ancak oyunumuz gerçek olayların belgeseli değildir, gerçek vakadan koparılmıştır. Böylelikle gömülü Haydar, aynı zamanda Mehmet’e benzetilmiş hayali bir karakterdir. Gerçek ve akıl almaz adaletsizlik hiçbir şekilde bu „edebiyatlaştırma“ ile ortadan kaldırılmamalıdır, tam tersine: burada anlatılan ve gerçekte yaşandığı kanıtlanabilen olaylar kesinlikle kınanmalı ve sorumlular cezalandırılmalıdır.

Ancak müzik ve tiyatro alanında bu vahim gerçekliği genişletebilir, etkilenenlere ve tüm Alevilerin onuruna daha fazla yer verebiliriz. Ve kendimize her şeyin ardındaki müzikal, entelektüel ve ruhani gelenekleri hatırlatabiliriz. 

Alevi olmayan yazarlar olarak, Alevilere yönelik ayrımcılık ve baskıya karşı, Sufizm ve Alevilikteki insanlık, Tanrı’ya duyulan özlem ve ruhani uygulamalardan etkilendik. Bu eserin büyük bir kısmı, Alman-Zaza-Alevi bir oğul babası olarak benim, Bernhard olarak, yıllar boyunca Dersim’de ve Alevilerle yaşadığım kişisel karşılaşmalar sonucunda ortaya çıkmıştır.

Bernhard Glocksin ve Albert Tola

DER RISS

Es gibt Dinge, die sehr früh passieren, die das Unterbewusstsein beeinflussen und viele Jahre später, oft unerwartet, aufblühen. Als ich zwanzig Jahre alt war, wurde ich auf wundersame Weise zu einem Kongress junger Autoren aus dem Mittelmeerraum eingeladen, der von dem spanischen Theatertheoretiker José Monleón und seinem Mittelmeerinstitut organisiert wurde. Autoren aus der Türkei, Malta, Italien, Griechenland, Marokko, Spanien und Ägypten erzählten einander, worüber sie schrieben. Was verband und was trennte uns? Gingen unsere Anliegen zusammen oder auseinander? Warum hatte es jemand für nötig befunden, uns zusammenzubringen, um uns über unser Schreiben auszutauschen? Im Laufe der Jahre habe ich mögliche Antworten auf diese Fragen gefunden, indem ich die Geschichte des Denkens und der Musik in meinem Land, Spanien, studiert habe, aus dessen Al Andalus sowohl der Sufismus als auch viele mediterrane Musiken wiederbelebt wurden, und das wie kein anderes Land in Europa eine Brücke zur islamischen Kultur dargestellt hat. Ich habe an der Deutschen Schule in Barcelona studiert, fühlte mich schon immer von muslimischen spirituellen Systemen angezogen und habe eine Zeit lang zwischen Barcelona und Marokko gelebt. Wie verhalten sich Norden und Süden in mir zueinander? Durch Fraktale gibt es auf jedem Breitengrad immer einen Norden, der sich auf einen Süden bezieht? Ich war im Norden Marokkos, der für mich, aus Spanien kommend, in gewisser Weise ein Süden ist, als die Erdbeben in der Türkei und in Syrien stattfanden. Ich schrieb in Kenitra, einer Stadt mit prekären Gebäuden, ähnlich denen in unserem Stück. Ich sah im Fernsehen wie Gebäude wie meines umfielen. Was wäre passiert, wenn sich dort in diesem Moment ein Erdbeben ereignet hätte? Kurz darauf ereignete sich im Süden Marokkos ein weiteres verheerendes Erdbeben, dessen Erschütterung Kenitra kaum erreichte. Der Süden Spaniens, Andalusien, steht unter demselben tektonischen Risiko wie das Nachbarland, und ein Erdbeben wird dort seit Jahren erwartet… Wo werde ich sein, wenn es endlich passiert? Wie erreicht ein Riss, der aus dem Süden kommt, einen Menschen in Europa?

Albert Tola

Unser Dede. Auch eine deutsche Geschichte

Der Dede sitzt auf dem Sofa und lacht. Ich nenne ihn Dede, ich mag das Wort – es heißt so etwas wie Großvater und irgendwie auch „Weiser“ – und ich mag den Dede, sehr. Mein „türkischer“ Schwiegervater ist ein erstaunlicher Mann, großgewachsen, mit dunklen leuchtenden Augen erzählt er mir in einer fremden Sprache von Dingen, die er in heiligen Schriften liest, nachts in der kleinen Mietswohnung in Rüsselsheim. Ja richtig: Rüsselsheim. Denn mein, unser Dede war der Einladung gefolgt, als man damals in seinem anatolischen Dorf vorgefahren war und danach fragte, wer denn mithelfen wolle beim deutschen Wirtschaftswunder. Jetzt sitzt der Dede auf seinem Sofa, diesmal in seinem Haus in Zentralanatolien, 80 Kilometer entfernt von Dersim/Tunceli. Es ist Herbst 2012. Besuch ist gekommen, ein Film-Team. Der Dede schaut in die Kamera und fängt an zu erzählen, in Zazaki, der Sprache seiner Leute, der Aleviten in Dersim. Das Team ist hier, um erstmals in der türkischen Geschichte das Geschehen von 1937 aufzuklären, Zeitzeugen zu befragen und zu dokumentieren. Da sitzt er nun, der Dede, spricht, trinkt Tee und lacht. Ich verstehe nichts, rein gar nichts: ich meine nicht die Sprache, sondern sein Lächeln. Er spricht davon, so erfahre ich später, wie er als 15-Jähriger in die Berge flieht, als türkisches Militär ins Dorf einmarschiert, die Bewohner zusammentreibt und auf der Stelle erschießt. Das Massaker von 1937 war der Versuch eines Genozids der Aleviten im Gebiet Dersim, und vermutlich erzählt der Dede auch von der langen Liste der Väter, Mütter und Großeltern, die zuvor bereits von Türken ermordet worden sind. Und sitzt da, spricht und gestikuliert lebhaft, ein alter, kräftiger Mann, und immer ist da dieses Lächeln, dieses Licht in seinen munteren Augen. Das Wort Dede umfasst eben doch mehr als nur den Begriff Großvater. Als er einige Jahre später beerdigt wird, auf einem Berghügel am Fuße des Munzur, geben ihm Hunderte, Aberhunderte Geleit. Ich denke: Seine Geschichte ist auch eine deutsche Geschichte. Nicht nur, weil sie Schatten in unsere Familie wirft. Jede*r vierte Türk*in in Deutschland ist Alevit*in.

Bernhard Glocksin

Erdbeben in der Türkei: Auch der politische Islam liegt in Trümmern

Hätte der türkische Sicherheitsapparat auf das Beben so reagiert wie sonst auf Kritik, hätten Zehntausende überlebt.

Von Can Dündar

DIE ZEIT  8/2023

Der Autor dieses Textes Can Dündar ist im April im Rahmenprogramm von HAYDAR TANZT zu Gast:
CAN DÜNDAR – DIE RISSIGE BRÜCKE: DIE TÜRKEI UND DAS ERDBEBEN 2023 / ÇATLAYAN KÖPRÜ: TÜRKİYE VE 2023 DEPREMI
Gespräch, Musik, Informationen und Tee am 7.4. um 11 Uhr mit Can Dündar, Taner Akyol, Bernhard Glocksin

Die Situation heute, ein Jahr später

Das Erdbeben von 2023 in der Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei hat nach offiziellen Angaben ca 60.000 Menschen das Leben gekostet, Tausende sind bis heute vermisst. Hunderttausende wurden verletzt und Millionen Menschen obdachlos. Wie damals fast stündlich in den sozialen Medien berichtet, kam staatlich Hilfe erst nicht, und unterband im folgenden teilweise zahlreiche Hilfsfangebote der internationalen und türkischen Organisationen. Beispielsweise sollen kostenlos übergebene Zelte nur gegen Zahlungen türkischen Helfern überlassen worden sein.

Die Versorgung der Überlebenden durch den türkischen Staat ist auch ein Jahr später noch unzureichend. Medienberichten und Hilfswerken zufolge leben noch immer –  zwölf Monate später –  ca. 800.000 Menschen in Notunterkünften. Viele Familien haben noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Nahrungsmitteln, sanitären Anlagen und Gesundheitsversorgung. „Besonders soziale Angebote fehlen, die Menschen in den provisorischen Container- und Zeltlagern haben keine Perspektive.“ (medico international).  Der Wiederaufbau geht nur zögerlich voran, bis heute stehen nun ein Drittel der von Präsident Erdogan versprochenen Häuser. Auch die Aufräumarbeiten gehen nur schleppend voran, der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern.

Und: Medien weisen darauf hin, dass das staatliche Versagen des türkischen Staates im Katastrophenschutz und gegenüber dem Bausektor kaum aufgearbeitet wird. Im Gegenteil: Kritiker und Kritikerinnen und zivilgesellschaftliche Organisationen werden mit Prozessen verfolgt und mit Repressalien überzogen.  

Das gleiche Bild findet sich in Syrien, wo es aufgrund der türkischen Grenzblockade und der Instrumentalisierung der Hilfe durch Diktator Assad tagelang dauerte, bis internationale Hilfslieferungen den betroffenen Norden des Landes erreichten. In der kriegsgebeutelten Region leben Millionen Binnenflüchtlinge, die schon vor dem Beben auf humanitäre Hilfe angewiesen waren. Bis heute ist ihre Versorgungslage extrem prekär, wie Hilfsorganisationen berichten.  

Bernhard Glocksin

Grußwort der ALevitischen GEmeinde ZU BERLIN

Am 6. Februar 2023 ereignete sich in der Türkei und in Syrien ein schreckliches Erdbeben, bei dem Zehntausende Menschen ihr Leben verloren. Einer von ihnen war der alevitische Historiker Mehmet Yıldırım. In diesem Musiktheater, das Sie basierend auf Mehmets Leben inszenieren, haben Sie die Unterdrückung der Alevit*innen zum Ausdruck gebracht und die alevitische Musik umfassend mit eingebracht, was uns in Berlin lebenden Alevit*innen sehr glücklich macht. Während wir den Schmerz von Mehmet und Zehntausenden von Menschen, die wir bei dem Erdbeben verloren haben, spüren, wünschen wir Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Musiktheater.

Ismail Erol
Vorstand der Alevitischen Gemeinde zu Berlin

WAS IST DAS ALEVITENTUM ÜBERHAUPT?
Antworten der Alevitischen Gemeinde zu Berlin

Die Gleichstellung der Geschlechter, Naturverbundenheit, Toleranz, Weltoffenheit, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft sind Kernelemente des alevitischen Glaubens. Alevit*innen erachten alle Völker als gleichwertig und setzen sich in ihrer historischen Tradition für die Unterdrückten und Schwachen ein.

DIE LEHRE
Weil für die eigenständige Religionsgemeinschaft der Aleviten alles göttlich ist, kann „Gott“ in der gesamten Natur und im eigenen Selbst aufgespürt werden. Man spricht von einem Glauben der Befreiung und der Freiheit. Das Alevitentum ist zudem ein Glaube der Liebe und des Herzens. Ziel eines jeden gläubigen Aleviten ist es, ein vollkommener Mensch zu werden.

DIE PRAXIS
In der religiösen und kulturellen Praxis der Aleviten spielen Poesie, Tanz und Musik – insbesondere das Spiel auf der türkischen Langhalslaute, der Bağlama –
eine große Rolle. Zudem steht das Alevitentum als zeitgenössischer „Weg“ stets auch im Einklang mit den Erkenntnissen der Wissenschaft.

DIE HERKUNFT
Ungefähr 95 Prozent aller Alevit*innen stammen aus der Türkei. Dort bilden sie mit ca. 20 Prozent nach den sunnitischen Muslimen die zweitgrößte
Religionsgemeinschaft. Dennoch ist das Alevitentum in der Türkei nach wie vor nicht als eigenständige Religion anerkannt. Alevit*innen leben in allen Provinzen der Türkei, die meisten sind aber in Zentral– und Ostanatolien zu Hause. Durch Migrationsbewegungen sind inzwischen in vielen Ländern aktive Alevitische Gemeinschaften ansässig – so auch in Deutschland.

ALEVIT*INNEN IN DEUTSCHLAND
In Deutschland leben zwischen 500.000 und 800.000 Personen mit alevitischen Wurzeln, die genau Zahl lässt sich nur schwer ermitteln. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ca. 20 bis 30 Prozent der Personen mit anatolischem Migrationshintergrund in Deutschland Alevit*innen sind. Die Alevitische Gemeinde setzt sich sowohl aus ursprünglich türkisch-sprachigen, kurdisch-sprachigen als auch zaza-sprachigen Menschen zusammen. 

Die Alevitische Gemeinde ist in Deutschland eine rechtlich anerkannte Religionsgemeinschaft nach Art. 7, Abs. 3 des Grundgesetzes. In NRW und Berlin ist Alevitische Gemeinde Deutschland zudem als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt

DER ALEVITISCHE GLAUBE
Das Alevitentum bietet eine umfassende Sicht der Welt, die die Entstehung des Universums, die Vergangen- heit der Menschheit, die Vervollkommnung der Menschen, die Beziehungen zwischen Gott und Menschen sowie zwischen Menschen und Natur und die Zukunftsvisionen behandelt und die dazu gehörige Fragen beantwortet. Im Hinblick auf die spezifisch alevitische Weltsicht wird deshalb zu Recht in Veröffentlichungen die Eigenständigkeit des Alevitentums betont.

MUSIK DER ALEVIT*INNEN

Die Sprache des Windes, des Donners und des darauf folgenden Regens zu verstehen, die Liebe und den Menschen zu verstehen und beschreiben zu können.. Einen Versuch ist es wert.

Die Aleviten, deren Glaube, Lebensweise und sogar Existenz für die Machthaber immer ein Problem und ein Verbot darstellten, haben alles, was sie über sich selbst wissen, in Form von Poesie, Musik, Mythen und Rituale in die Gegenwart getragen. Um zu überleben, haben die anatolischen Aleviten zum Beispiel nicht geschrieben, sondern gesungen, weil die Schrift als Beweis ihre Existenz bedrohte. Diese Art des Ausdrucks beziehungsweise der mündlichen Überlieferung ist nicht direkt; im Gegenteil, es ist eine Sprache, die von außen schwer zu verstehen ist, da sie voller Symbole und Metaphern ist – sie birgt notwendigerweise ein Geheimnis. Wer nicht mit ganzem Herzen zuhört, versteht sie nicht.. Gedichte, Lieder, Musik und das verbindende Instrument, die Bağlama („Koran mit Saiten“), sind in ihrem Leben allgegenwärtig.

Das Cem-Ritual ist die wichtigste Form des Alevitischen Gottesdienstes. In diesem Ritual versöhnen sich Verstrittene, den Bedürftigen wird geholfen, Gebete als Lieder gesungen, die Bağlama gespielt und der Semah, ein ritueller Tanz, getanzt. Die Seelen werden eins, rein und klar, es gibt keine Frauen, keine Männer, keine Alten oder Jungen, nur „Can“..

*(„Can“ – Türkisch für „Leben“ oder „die Seele“).


Anlatabilmek rüzgarı, düşen yağmuru, arifesinde kopan gök gürültüsünü, sevmeyi ve tabii insanı.. 

Denemeye değer..

İnançları, yaşam biçimleri ve hatta varoluşları iktidarlar için her zaman bir sorun ve yasak olan Aleviler, kendilerine dair bildikleri her şeyi şiir, müzik ve ritüeller aracılığıyla sözlü olarak bugüne taşıdılar. Anadolu Alevileri hayatta kalabilmek için yazmadılar, söylediler. Yazmak suçun delilidir çünkü. Alevilikteki bu sözlü aktarım biçimi ayan değildir; aksine, dışarıdan bakanların anlamasının zor olduğu, imgelerle dolu bir söylemdir. Anlaşıldığı üzere, söylemin dili zorunlu olarak bir sır içerir. Şiir, şarkı, müzik ve hepsini birleştiren bağlama (“Telli Kuran„) Anadolu Alevilerinin olmazsa olmazıdır.

Cem ritüeli Alevi ibadetinin belki de en önemli biçimidir. Bu ritüelde küsler barışır, muhtaçlara yardım edilir, bağlamalar çalınır, dualar müzik eşliğinde söylenir, semah dönülür.. Canlar bir olur, saf ve berrak, kadın yoktur, erkek yoktur, yaşlı ya da genç yoktur. Sadece „Can“ vardır..

Taner Akyol

DER SEMAH – RUNDTANZ

„Semah“ bedeutet, wörtlich übersetzt, Himmel/Himmelsgewölbe. Der oder das Semah – auch „Tanz der Kraniche“ genannt – gehört zu den Hauptbestandteilen der alevitischen Lehre und ist eine besondere Form des gemeinschaftlichen Gebetes, das im Allgemeinen während der Cem-Zeremonie durchgeführt wird.

Nach dem Rhythmus der Bağlama (Langhalslaute) drehen sich Frauen, Männer und auch Kinder gemeinsam im Kreis, vergleichbar mit dem Kreisen der Planeten um die Sonne. Sie drehen sich sowohl gemeinsam im Kreis als auch um die eigene Achse. Sie wechseln zwischen langsamen und schnellen Schritten, sowie zwischen kreisförmigen und zum Mittelpunkt ausgerichteten Bewegungen. Die Handinnenfläche der rechten Hand zeigt nach oben und die linke Handinnenfläche zum Boden. Oder – wie die Kinder im alevitischen Religionsunterricht es vormachen – die eine Handinnenfläche wird jeweils wie ein Spiegel vor das Gesicht gehalten, die andere auf die Brust. So werden die Bewegung der Erde und auch die ständige Bewegung der Natur dargestellt, der Blick in die Handinnenfläche symbolisiert die Selbsterkenntnis im Spiegel und die Hand auf der Brust den engen Kontakt zu Gott und der Wahrheit. Zudem werden u. a. durch die Bewegungen auch Vögel, insbesondere der Kranich, nachgeahmt. (Der Kranich ist im Alevitentum ein heiliges Tier und steht für die Treue von Mann und Frau und auch für gute Botschaften.)

Traditionelle Kleidung wird beim Semah nur zu besonderen Anlässen getragen. Es gehört zum Charakter des Semah, dass er normalerweise in Alltagskleidung durchgeführt wird. So kann jeder und jede teilnehmen. Im Cem sind alle Menschen nur noch Seele, Äußerlichkeiten
spielen keine Rolle. Es geht im Semah um das Einswerden mit Gott und der Natur. Der Semah bedeutet zugleich Liebe, Geschwisterlichkeit und Verbundenheit mit Erde und Natur. Durch den Tanz wird eine Brücke aus Liebe zwischen Luft und Erde sowie zwischen Gott und Mensch gebaut.

Mit Dank für die Veröffentlichung dem BDAJ NRW.

Über Mehmet Yıldırım (1974 Dersim – 2023 Antakya)

war Akademiker, Historiker und Mitglied der Mustafa Kemal University. Er forschte über die Geschichte, Musik und Kultur seiner Heimat und des Zazaki, der vom Aussterben bedrohten Sprache der Zaza-Alevit*innen in der Region Dersim. Als Wissenschaftler – der sich mit der türkischen wie der Zaza-Geschichte gleichermaßen kritisch auseinandersetzte – und als Sänger und Bağlama-Spieler ist er in zahlreichen Print – und visuellen Medien wie You tube und den sozialen Medien präsent.  Als Musikethnologe erforschte und interpretierte er die Musik der Zazas. (Hier geht’s zu einem weiterführenden Artikel über ihn als Musiker und Musikforscher.)

Seine verhinderte Rettung,  Bergung und Beerdigung sind in zahlreichen Videos in den Social Media (auf Türkisch, Zazaki etc.) dokumentiert. Mehmets Handy und Laptop wurden unversehrt geborgen und von den türkischen Behörden konfisziert. Sie wurden bis heute nicht an die Familie zurückgegeben, wie der Autor und Wissenschaftler Dr. Daimi Cengiz berichtet.

Das zerstörte Wohnhaus von Mehmet Yıldırım © Zafer Talan, Cousin des Verschütteten
Das zerstörte Wohnhaus von Mehmet Yıldırım © Zafer Talan, Cousin des Verschütteten


TEXTBUCH AUF TÜRKISCH

LIEDTEXTE

Traditionelles Volkslied in Zazaki, gesungen von Mehmet Yildirim

Lawo, lawo, lawo..
Ğezala mı rındeka,
Çhiçhêga ortê baği
Serva Ğeze çımê mı biye lêl,
Ero mı bıriyê,
ray u welaği Haq ke Haqê mı bo,
Mın u Ğeze keno can-ortaği…

Hey, hey, hey …
Meine Ğeze ist hübsch, wie eine Blume im Heu.
Wegen Ğeze wandele ich in Dunkelheit,
meine Augen sehen den Pfad nicht
Wenn Gott Gott ist,
führt er Ğeze und mich als Lebensgefährten zueinander….

Lied der Vögel | Text: İbrahim Karaca, Musik / Arrangement: Taner Akyol

Sesini verdim oğul akar sulara
Dalmayasın diye oğul kan uykulara
Sabahlar oturunca karanlıklara
Göçmen kuşlar iner oğul fidanlıklara

Silinipte gitmiyor yürek acısı
Kaybolan canların oğul bu kaçıncısı
Bilinmezlere oğul yazılan canların oğul
Bu kaçıncısı oy oy

Sevdanı verdim oğul dağlar başına
Üfleyesin diye oğul aşk ateşine
Kuzgunlar dolanınca turna peşine
Çoban türküleri oğul düşer düşüne

Silinipte gitmiyor yürek acısı
Kaybolan canların oğul bu kaçıncısı
Bilinmezlere oğul yazılan canların oğul
Bu kaçıncısı oy oy

Ich gab dem fließenden Wasser deine Stimme, mein Sohn
damit du nicht in einen blutigen Schlaf fällst.
Wenn sich die Morgenröte auf die Dunkelheit setzt,
fliegen die Zugvögel in die Haselnuss-Haine.
Der Schmerz über verlorene Seelen im Herz verblasst nie,
mein Sohn, wie viele sind das jetzt?

Ich habe deine Leidenschaft, mein Sohn, den Berggipfeln geschenkt
Damit du die Flamme der Liebe entzündest.
Wenn die Raben hinter dem Kran umherfliegen
fallen Hirtenlieder in deine Träume.
Der Schmerz über verlorene Seelen im Herz verblasst nie,
Mein Sohn, wie viele sind das jetzt?

Cihan var olmadan ketm-i ademde | Text: Bektaş Çelebi (1710-1761), Musik / Arrangement: Taner Akyol

Drei von 15 Strophen:

Cihan var olmadan ketm-i ademde
Hak ile birilikte yekdaş idim ben
Yarattı bu mülkü çünkü o demde
Yaptım tasvirini nakkaş idim ben

Şükür matlübumu getirdim ele
Gül oldum feryadı verdim bülbüle
Cem olduk bir yerde ehl-i beyt ile
Kırklar meydanında ferraş idim ben

Şu fena mülküne çok gelip gittim
Yağmur olup yağdım ot olup bittim
Urûm diyarını ben irşad ettim
Horâsan’dan gelen Bektaş idim ben

Bevor die Welt im Menschen existierte,
War ich schon im gleichen Alter mit Gott.
Im Augenblicke, als er alles schuf,
Macht’ ich die Beschreibung, ich war der Künstler.

Gott sei Dank, ich führte meine Wünsche aus,
wurde zur Rose, brachte Kummer wohl der Nachtigall.
Wir trafen mit dem würdigen Stamm zusammen,
Als Gottes Knecht wurde ich vertraut und eins mit Gott.

Oft ging und kam ich nach Kleinasien.
Als Regen strömte ich, als Gras wuchs ich empor.
Den Menschen in Kleinasien zeigte ich den rechten Weg,
Ich war Bektaş, ich kam aus Horasan.

Komposition für Oud solo, anschließend Oud, Baglama und Ney: Alaa Zouiten

Ey şahin bakışlım / Mit dem Blick des Falken
Text: Kul Hüseyin, Musik: traditionell

Ey şahin bakışlım bülbül avazlım
Bir eli kadehli bir eli sazlım
İşte ben gidiyom kal ahu gözlüm
Ne sen beni unut ne de ben seni
Hüdey hüdey hüdey
Dem dem dem dem

Yolda harami çok engel arada
Unutma sevdiğim demde sırada
Kendi gider ama gönlü burda
Ne sen beni unut ne de ben seni
Hüdey hüdey hüdey
Dem dem dem dem

Kul Hüseynim der ki gül benzim soluk
Serimize yazılmıştır ayrılık
Vallahi sevdiğim gönüller birlik
Ne sen beni unut ne de ben seni
Hüdey hüdey hüdey
Dem dem dem dem

Du mit dem Blick des Falken
Mit dem Ton der Nachtigall
In einer Hand das Glas, in der anderen die Saz
So gehe ich, bleibe du, du mit den Gazellenaugen
Weder vergisst du mich, noch ich dich.
Hüdey hüdey hüdey
Dem dem dem dem

Es gibt viele Hindernisse auf dem Weg
Vergiss nicht, mein Geliebter, wie wir im Reigen tanzten
Er geht, aber sein Herz bleibt dennoch hier,
Weder vergisst du mich, noch ich dich.
Hüdey hüdey hüdey
Dem dem dem dem

Mein Kul Küseyin sagt, dein rosiges Gesicht ist bleich
Die Trennung ist uns auf die Stirn geschrieben
Bei Gott, du mein Geliebter, eins sind unsre Herzen
Weder vergisst du mich, noch ich dich.
Hüdey hüdey hüdey
Dem dem dem dem

Ein Gedicht von Rumi, gesungen in Farsi

Heute wie an jedem anderen Tag sind wir gebrochen
Mach die Türen der Gedanken nicht auf –  sondern nimm die Rebab
Es sind Hunderte von Gebeten und Verbeugungen für den,
dessen Altar das Gesicht des Freundes ist.

Mein Herz ist offen geworden
Text: Ibn Arabi (arabisch), Musik: AlAa Zouiten

Mein Herz ist offen geworden für jede Form:
eine Weide für Gazellen, ein Kloster für Mönche,
ein Tempel für Götzenbilder,
eine Kaaba für die Pilger
Tafeln der Torah und eine Sure des Korans.
Ich folge der Religion der Liebe,
Ich folge der Religion der Liebe,
wohin ihre Wege auch führen,
denn die Liebe ist meine Religion
denn die Liebe ist meine Religion und mein Glaube.

ZERE ME (ZaZaKi: MEIne Seele) Gedicht und Komposition: Taner Akyol

Yağmurun hüznü var gözlerinde
Kışın yanlızlığı, gözlerinde
kışın yanlızlığı
Beyazdaki uçsuz bucaksız,
kör eden uzak oy, gözlerin
Gözlerinin bebeğinde
Vazgeçilmiş bir ben var, sanki
Gözlerinin bebeğinde
Vazgeçilmiş bir yer var, sanki
Oy yandım ben
Oy zere mê

In deinen Augen liegt die Traurigkeit des Regens,
die Einsamkeit des Winters…
Die Weite in Weiß,
und blendende Distanz in deinen Augen
Als ob du mich verlassen hättest
Als ob du diesen / einen Ort verlassen hättest
In den Pupillen deiner Augen
Oh, ich bin verbrannt
Oh meine Seele

BETEILIGTE

MIT Taies Farzan (Songül), Valentina Bellanova (Ney), Derya Yıldırım (Gesang, Bağlama), Alaa Zouiten (Gesang, Oud)

MIT TRADITIONELLER MUSIK UND KOMPOSITIONEN VON Taner Akyol und den beteiligten Musiker* innen TEXT Bernhard Glocksin und Albert Tola REGIE Cecilia Ligorio AUSSTATTUNG Alberto Favretto PRODUKTIONSLEITUNG/REGIEASSISTENZ Renée Stulz

TECHNISCHE PRODUKTIONS­LEITUNG Helmut Topp LICHT Moritz Meyer TON Ronald Davila BÜHNENBAU Helmut Topp, Tim Bohnwagner, Marc Schulze, Pet Bartl-Zuba, Markus Steinberger ABENDTECHNIK LICHT Ralf Arndt, Moritz Meyer ABENDTECHNIK TON Ronald Davila, Stefan van der Burg KOSTÜMABTEILUNG Kathy Tomkins (Leitung), Christina Kämper ÜBERSETZUNGEN TEXTBUCH Taies Farzan (Türkisch), Renée Johanna Stulz (Englisch) OPERATOR UNTERTITEL Cara Freitag, Lena Wetzel ABENDSPIELLEITUNG Sophie Reavley, Regina Triebel STIMME HAYDAR Taner Akyol

BIOGRAFIEN

TANER AKYOL | MUSIK

© Kaisa Keizars-Aron

Der 1977 in Bursa geborene Taner Akyol machte bereits während seiner Grundschulzeit erste Erfahrungen mit der türkischen Langhalslaute Bağlama und studierte Komposition an der Hochschule für Musik Hanns-Eisler, gefolgt von einem Zusatzstudium als Meisterschüler bei Prof. Walter Zimmermann an der Universität der Künste, das er im Sommer 2006 erfolgreich abschloss. Als Bağlama-Solist und Komponist wurde er mehrfach ausgezeichnet („Musikpreis der Kulturen in Berlin“ beim musica vitale Wettbewerb 1998/Hanns-Eisler-Preis für Komposition und Interpretation zeitgenössischer Musik 1999/2007 beim internationalen Kompositionswettbewerb „global music – contemporary expression“). Er schrieb Auftragswerke für Festivals sowie eine Oper für die Komische Oper Berlin und veröffentlichte mehrere CDs beim Label enja records, zuletzt Dance to the Sun mit dem Taner Akyol Trio. Seit 2004 leitet er das „ta Musikatelier“ in Berlin-Kreuzberg. 2016 hat er als Dozent für Bağlama einen Lehrauftrag an der UdK Berlin angenommen. Er unterrichtet seit dem Wintersemester 2021/22 an der Popakademie.

ALBERT TOLA | TEXT

© privat

Albert Tola ist Dramatiker, Schriftsteller, Übersetzer und Professor für dramatisches Schreiben. Studierte Szenisches Schreiben am Institut del Teatre und ergänzte eine Ausbildung bei José Sanchis Sinisterra und an der Universität der Künste in Berlin. Er hat ein Dutzend seiner Stücke uraufgeführt, unter anderem in Deutschland, Spanien, Kolumbien, Ecuador und der Türkei. Seine Arbeiten wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Als deutscher Übersetzer hat er sich auf zeitgenössische Dramaturgie spezialisiert, insbesondere auf das Werk von Roland Schimmelpfennig, wofür er 2023 den Ade-Übersetzerpreis erhielt. Im Jahr 2012 gründete er zusammen mit dem Schauspieler und Regisseur Rodrigo García Olza die Kompanie NIGREDO, die seit ihrer Gründung in ständiger dramaturgischer, produktionstechnischer und pädagogischer Tätigkeit ist. Er hat viermal mit der Neukölner Oper zusammengearbeitet und gemeinsam mit Bernhard Glocksin drei Stücke geschrieben.

Bernhard GLocksin | TEXT, Dramaturgie

Künstlerische Leitung der Neuköllner Oper seit 2004. Zuvor Dramaturg und Chefdramaturg für Musiktheater in Hannover, Zürich, Salzburg und Mainz. 1999-2002 Chefdramaturg / stellvertretender Intendant am Deutschen Theater Göttingen. Uraufführungen und Autoren-Werkstätten mit T. Dorst, F. Richter, R. Schimmelpfennig, J. von Düffel, L. Hübner u.a. An der Neuköllner Oper Adaptionen, Inszenierungen und Stücke, Festivals und internationale Koproduktionen. Nebenher freischaffend Juror, Projektmacher, Gastdozent und Lehrbeauftragter.

Alberto Favretto | Bühne & Kostüm

© Maria Domenech

Im Jahr 2007 erwarb Alberto Favretto einen Master-Abschluss in Theaterwissenschaften und -techniken an der Fakultät für Kunst und Design der IUAV in Venedig, wo er seine Ausbildung im Bereich Szenografie und Kunst abschloss. Seine berufliche Laufbahn begann als Assistent des Künstlers Lawrence Carroll und als Assistent im Intensivkurs für Bühnenbildner des Bühnenbildners Csaba Antal. Im Laufe der Jahre hat er als Bühnenbildner mit verschiedenen Künstlern und Institutionen in unterschiedlichen Bereichen zusammengearbeitet, darunter Alain Maratrat und die Biennale von Venedig. Seit 2012 ist er Universitätsprofessor an der IUAV in den Konstruktions- und Modellierateliers des Labors. 2017 gehörte er zu den Gründern von CorteSupernova, einem alten Schreinerei-Labor im historischen Zentrum von Venedig, das in Studios für Kreative und Unterhaltungsprofis umgewandelt wurde.

Cecilia Ligorio | Regie

wurde 1981 in Verona geboren, sie studierte Philosophie, Schauspiel und Violoncello in Mailand und Barcelona. Seit 2004 arbeitet sie sowohl als Schauspielerin, Regieassistentin und als Regisseurin. Der Bogen ihre Arbeiten spannt sich vom barocken Repertoire bis zur zeitgenössischen MusikRossinis La Cenerentola für  die Oper Köln,  Rossinis  Semiramide und Puccinis Turandot für das Teatro La Fenice in Venedig; Spontinis Fernand Cortez für das Teatro del Maggio Fiorentino in Florenz, Caravaggio Rubato von G. Sollima für das Teatro Massimo in Palermo, La Traviata/Verdi für das Théâtre de Varietée in Paris, Cambiale di Matrimonio, Il Barbiere di Siviglia und Nozze di Figaro für das Bare Theater in New York sowie weitere Inszenierungen für Theater und Festivals in Italien. Als Librettistin veröffentlichte sie zahlreiche Texte und arbeitet dauerhaft für Produktionsfirmen wie Amazon Prime (Spanien und Italien), Grøelandia, Eagle Production, Cross Production, Netflix.  Ihre nächsten Inszenierungen sind Mozarts Don Giovanni für die Oper Köln sowie Saittas Springtime für den Matadero in New York.  

Taies Farzan | SONGÜL

Ihre Reise als Schauspielerin begann 1991 im Arkadaş Theater Köln, wo sie bis 1997 eine breite Palette der Rollen von Tragödie bis Kabarett dargestellt hat. 1993-1994 spielte sie gleichzeitig im Theater Oberhausen. Farzan arbeitete sowohl in Deutschland als auch in der Türkei. Sie spielte u.a. in Fatricide – Brudermord (2005) von Y. Arslan, D. Shokof’s Breathful ( 2007) und Hitler’s Grave, Ü. Ünal’s Die Schattenlose (2009), Ben Affleck’s ARGO (2012) und Y. Arslan’s Sandstern (2017). Sie verkörperte von 2012 bis 2014 die Titelrolle in Antigone am Staatstheater Istanbul. Farzan arbeitet in persischer, türkischer, englischer, deutscher und kurdischer Sprache.

Derya Yıldırım | Gesang, BAĞLAMA

© Celeste Call

Derya Yıldırım ist eine Sängerin und Multiinstrumentalistin, die derzeit in Berlin lebt. In den letzten Jahren hat sie sich zu einer der führenden Persönlichkeiten entwickelt, die anatolische Volksmusik einem zeitgenössischen Publikum in ganz Europa nahebringt. Geboren und aufgewachsen in Hamburg, lernte Derya von klein auf Klavier, Gitarre, Ud, Saxophon und Bağlama. Sie studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg (2013 – 2016) und wechselte dann an die Universität der Künste in Berlin, um sich bei Taner Akyol auf die bağlama zu spezialisieren, wo sie 2020 ihren Abschluss machte. Mit ihrem Bağlama-Spiel und ihrer markanten Stimme zieht Yıldırım das Publikum mit ihrer modernen Herangehensweise an den Klang der anatolischen Volksmusik in den Bann. Derzeit ist sie in zahlreichen Projekten aktiv, wie zum Beispiel in der internationalen türkischen Psych-Pop-Band Derya Yıldırım & Grup Şimşek, mit der sie ihr drittes Album DOST 2 (2022) veröffentlicht hat, das zweite einer zweiteiligen Serie nach dem hochgelobten DOST 1 von 2021.

ALAA ZOUITEN | Gesang, Oud

© Iveta Rysava/Polas Berlin

Alaa Zouiten wurde in Casablanca, Marokko, geboren. Dort begann er seine musikalische Karriere als Meister an der Oud. Mit dem Erbe der klassischen arabischen Musik und der traditionellen marokkanischen Musik hat Alaa in der Metropole Berlin eine Heimat gefunden. In der Zusammenarbeit mit Musikern unterschiedlichster Herkunft hat er es sich zur Aufgabe gemacht, eine moderne Klangwelt zu schaffen, die von allen Musiktraditionen der Welt inspiriert ist und in der es keine Hierarchie der Stile oder Kulturen gibt.

VAlentina BELLANOVA | Ney

© Klaus Diederich

Valentina Bellanova erwarb ihr Solisten-Diplom im Fach Blockflöte und Alte Musik an der HMTM Hannover und studierte Musik- und Geisteswissenschaft an der Università degli Studi in ihrer Heimatstadt Florenz. 2011 verliebte sie sich in den Klang der Ney – der türkischen und arabischen Schilfrohrflöte – und begann ihre Ausbildung an diesem Instrument, in der Musik des Nahen Ostens und beschäftigte sich intensiv mit den unterschiedlichen Traditionen aus dem Mittelmeerraum. Sie spielt heute weitere Blasinstrumente wie Dudelsack, Duduk, Zurna, Kaval sowie die mittelalterliche Drehleier. Seit nunmehr 10 Jahren ist sie in der deutschen und europäischen klassischen und transkulturellen Musikszene aktiv und arbeitet mit zahlreichen traditionellen und klassischen Ensembles aus u.a. Syrien, Ägypten, Algerien, Türkei, Griechenland u.v.a. zusammen.

RENéE STULZ | PRODUKTIONSLEITUNG / REGIEASSISTENZ

© Klaus Diederich

Renée Stulz beendete, nachdem sie ihr Germanistikstudium abschloss, 2019 sehr erfolgreich ihre Ausbildung an der Wiesbadener Schule für Schauspiel. Nach einem Gastengagement am Wiesbadener Staatstheater und einem internationalen Filmdreh, arbeitet sie seither als freie Schauspielerin in Berlin mit verschiedenen freien Ensembles zusammen. Mit Tobias J. Lehmann und Tobias Schwencke zeigte sie im Theater Ost und im Theater am Rand, sowie weiteren Spielstätten Für Alle reicht es nicht, ein szenisch-musikalischer Abend nach Heiner Müller mit Liedern von Bertolt Brecht und Hanns Eisler. Im vergangenen Jahr arbeitete sie u.a. als Dramaturgin für das Theater Ensemble Radiks und schrieb und konzipierte Stücke zu aktuellen Themen für Jugendliche und junge Erwachsene. Politisches Theater und Theater, welches die Zuschauer bewegt und zum Denken anregt und nicht nur unterhält, ist etwas, was ihr als Schauspielerin äußerst wichtig ist und worauf sie sich in der Zukunft noch mehr konzentrieren will und wird.

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