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Ein Filmdreh mit Abständen im Futur II

Zuerst die gute Nachricht: wir werden das Musiktheater „Opera for Sale“ filmisch aufbereiten! Das ist das Stück, das am 12. März 2020 im Studio der Neuköllner Oper seine erste und bislang einzige Aufführung erlebt hat.

Das letzte prä-Corona-Stück, das noch auf unsere Bühne konnte. Ein episches Werk geradezu mythischer Sonderstellung in seiner Behandlung einer Zeit, die es so nie wieder geben wird.Eine Zeit, in der Maskeraden eher dazu da waren, das verkorkste wahre Ich auf den Partys und Vorstandssitzungen dieser Welt zu verbergen. Eine Zeit, in der man um allzu nahe Begrüßungen mit Bussi-Bussi absichtlich einen großen Bogen machte, statt sich diese auch noch so oberflächliche Nähe sehnsuchtsvoll herbeizuwünschen.

Eine Zeit, in der Wohnungen nicht den Beigeschmack erstickender Gefängnisse oder aber lebensrettender Luftschutzbunker aufwiesen – ganz nach Perspektive.

„Opera for Sale“ ist aber auch genau das Stück, das aller Voraussicht nach für alle Ewigkeit ganz zeitlos gewesen sein wird. Somit ohne Zeit – und auch ohne Raum. „Opera for Sale“ – ein Stück über Wohnungen, die eben kein Refugium mehr sind. Und über Menschen, die als „wertmindernd“ aus den Städten verdrängt werden. Egal ob in Dresden, Hamburg, Berlin oder Düsseldorf.

Nun die mittelgute Botschaft: eigentlich hätten wir jetzt schon unsere musik-theatrale Webserie „Opera for Sale“ für Sie, liebes Publikum, abgedreht.

Zu diesem Zeitpunkt hätten wir also fast die Webserie für Sie im Kasten gehabt. Wir hätten drei Meter Abstand gehalten gehabt. Szenen, in denen drei Personen gleichzeitig vorkommen, wären nur mit einer Person gedreht und im Schnitt zusammengefügt geworden. Die Kamerafrau hätte eine Maske getragen gehabt. Und wir hätten Ihnen, liebes Publikum, diese pechschwarze Online-Komödie zum Wohn-Wahnsinn und der Frage „Wem gehört die Stadt“ in 2 Wochen mit Pauken und Trompeten präsentiert. Ganz Deutschland wäre Teil der digitalen Premiere in zwei Wochen geworden. Denn ganz Deutschland wird geeint durch Immobilienspekulation und Rekordmieten.

Zu(vor)letzt die eher schlechte Mitteilung: es dauert noch ein bisschen.

Unser Land ist gespalten durch die Bundesländer-spezifischen Umsetzungen der Regelungen zum Infektionsschutz-Gesetz – oder kurz gesagt: Jedes Theater macht, was es eben darf. Und der föderale Flickenteppich mit Ewigkeitsklausel, auf dem keiner stehen wollte, ersetzt aktuell die Bretter, die die Welt bedeuten.

So befindet sich denn eine Darstellerin in Proben ganz im Süden, ein Darsteller probt in Nordrheinwestfalen schon munter im Live-Theater, Dresden öffnet das Haus für Theaterparcours, während in Berlin noch Zoom-Konferenzen und vorsichtige Abstands-Castings stattfinden.

Dank dieser innerdeutschen Grenzen oder Möglichkeiten, ganz nach Perspektive, liebes Publikum, werden wir Sie nun eben statt in 2 Wochen erst im Juli mit „Opera for Sale – die musiktheatrale Webserie“ beglücken können.

Und darauf – das schließlich ist die beste Nachricht – freuen wir uns schon sehr!


ein Beitrag von Änne-Marthe Kühn (Dramaturgie)

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