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Der Erste macht den Kaffee. Und der Letzte macht das Licht aus.
Das ist verbindlich in nahezu allen Bereichen und Schichten der
Arbeitswelt. An dem Ort, wo der Schlüssel zum Spind gleichsam
der Schlüssel zum persönlichen Rollentausch zwischen
Privatperson und Betriebsangehörigem ist, gilt: „Zutritt
nur für Mitarbeiter!“ Was aber passiert hinter dieser
Tür, deren Aufschrift uns auslädt, weil wir hier nicht
mitarbeiten? Welche Begegnungen spielen sich dort ab? Was geschieht
mit Kollegen, wenn sie beginnen, die Außenhaut ihrer Maske
wahrzunehmen?
In zehn rhapsodisch vorgetragenen Abwicklungen – „short
cuts“ - erleben wir vier Personen in unterschiedlichsten
Positionen und Arbeitsbereichen. Figuren mit den gleichen Gesichtszügen
und ähnlichem Charakter, eben noch in bequemer Mittellage,
zeigen sich plötzlich gefährlich nah am Abgrund ihrer
Existenz. Drei Männer treffen auf eine Frau, ein Schwarzer
auf drei Weiße. 3 : 1. Und das heißt ja wohl Sieg für
die einen und Niederlage für den anderen. Oder? Gespiegelt
wird der Zustand einer Optionsgesellschaft, die sich um die Macht
des Geldes, die Angst vor der Einsamkeit, das Gebot der Selbstverwirklichung
dreht. Wer ist „oben“, wer rutscht nach unten? Oder
nach „ganz unten“?
Auf einem kollegialen Sprachfeld, das sich oft in der Leere zwischen „Morgen“, „Mahlzeit“ und „Tschö“ zu
verlieren droht, haben wir unserem Personal bisher unveröffentlichte
Rap-Lyrics von Kofi Yakpo (Linguist), dem Mitbegründer der
in der deutschen Rap-Szene namhaften Formation „Advanced
Chemistry“, in den Mund gelegt. A capella, sporadisch begleitet
allein von der Geräuschkulisse ihrer Produktionsstätte
und Schlägen mit Händen und Füßen (Musik:
Rainer Killius) zeigen einander Fremde und in Kumpanei Verbandelte,
Begehrende und Händler, Täter und Opfer das Verborgene
ihres Mitarbeiterdaseins.
Mit aller stimmlichen Raffinesse wieder dabei sind Marco Billep
und Dominik Schulz, dem Publikum der NEUKÖLLNER OPER bereits
bestens bekannt aus dem Panik Sound Club. Frederike Haas, unvergessen
seit ihrem Erfolg mit Babytalk, steht in unserem Betrieb ihre Frau
und ebenso wenig quotig begrüßen wir herzlich Frank Ablorh-Odjidja.
Unter der Regie Matthias Messmers und in der Ausstattung Beata Hundertmarks
(eingespielt als Team an der NEUKÖLLNER OPER seit eurydike@unterwelt)
sowie in der Choreographie Andrea Heils (mit Herz über Bord
und Es fliegt was in die Luft ausgewiesene Expertin im Umgang mit
erfolgsorientierten Schritten) spielen sie sich die Bälle zu:
Status, Rollen und Positionen - im Schichtwechsel!
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